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KI kürt die besten Studien der Welt – und spaltet die Wissenschaft
Das Startup QED Science nutzt KI, um wissenschaftlichen Arbeiten schneller zu bewerten. Doch das Verfahren selbst wirft Fragen nach Transparenz und Bias auf.
Unter bestimmten Bedingungen kann KI aus der Peer-Review-Krise in der Wissenschaft helfen.
Der Begriff „One Percenter“ beschreibt gewöhnlich die vermögendsten Menschen eines Landes, die obersten ein Prozent. Inzwischen können sich aber auch Wissenschaftler mit dem Prädikat schmücken: Das israelische Startup QED Science entwickelt ein Verfahren, um wissenschaftliche Arbeiten auf Originalität und Richtigkeit hin zu überprüfen. Vor kurzem hat es medienwirksam die besten Arbeiten aus dem Bereich Bio- und Lebenswissenschaften aus den vergangenen zwölf Monaten gekürt – besagte „The 1 Percent“. Und damit eine Debatte um wissenschaftliche Gutachten entfacht, beziehungsweise: neu entfacht.
Wissenschaftliche Gutachten, englisch Peer Reviews, sind eine zentrale Säule des Wissenschaftsbetriebs. Wer eine Studie oder einen Fachaufsatz veröffentlicht, kann diese zunächst der Öffentlichkeit als sogenanntes Preprint zur Verfügung stellen. Dafür gibt es verschiedene, teils auf Fachbereiche spezialisierte, Plattformen. Damit die Arbeit aber auch in einer renommierten Fachzeitschrift wie Nature erscheint, was sich viele Forschende erhoffen, muss sie von unabhängigen Experten geprüft werden. Sie muss ein Peer-Review-Verfahren unterlaufen, in dem geprüft wird, ob fundiert und sauber gearbeitet wurde und ob die Arbeit hält, was sie verspricht.
Dieser Prozess in der Wissenschaft ist wichtig, gerät aber immer mehr an seine Grenzen. Zum einen wächst das Publikationsvolumen schneller als das Angebot an verfügbaren Prüfern, die für ihre Arbeit aus Gründen nicht entlohnt werden. Teilweise dauert es Jahre, bis eine Studie das Verfahren durchlaufen hat, womöglich sind die Ergebnisse dann schon wieder überholt. Zum anderen ist das System, wie jedes andere, bei dem Menschen über andere Menschen urteilen, nicht komplett frei von Bias, Interessenkonflikten und teils Missgunst.
Seit dem Aufstieg der großen Sprachmodelle gibt es Überlegungen, das Peer-Review-Verfahren zumindest teilweise zu automatisieren und Studien und Aufsätze mithilfe künstlicher Intelligenz zu analysieren. Genau darauf hat sich QED Science spezialisiert. Das Unternehmen aus Tel Aviv hat eine selbsternannte Science Validity Engine entwickelt, um wissenschaftliche Arbeiten zu überprüfen und mit einem QED Score zu versehen. Universitäten und Unternehmen können das Tool nutzen, um etwa Studien vor der Veröffentlichung zu überprüfen.
Jede Arbeit wird vor der Bewertung anonymisiert und anschließend von mehreren, auf unterschiedliche Aspekte hin trainierten KI-Agenten analysiert. Dazu wird das Paper in einzelne Komponenten unterteilt, um am Ende mutmaßlich zu beantworten, ob die Hauptaussagen legitim sind, die Hypothesen stimmen und die Methodik nachvollziehbar ist. Ein Agent sucht dabei nach Unstimmigkeiten in den Abbildungen, ein anderer untersucht Widersprüche zur bestehenden Literatur, ein weiterer prüft die statistischen Ergebnisse.
Die Ergebnisse aller Agenten werden abschließend noch einmal gesammelt von einer KI verifiziert, bevor sie eine Rohpunktzahl für Originalität (wie innovativ sind Methodologie und Anwendung) und Validität (wie akkurat sind die Verfahren und Berechnungen) verteilt. Anschließend findet noch eine Gewichtung statt und der QED Score springt heraus, der als Perzentilrang im Vergleich zum Referenzkorpus ausgedrückt wird: Ein QED Score von 80 bedeutet, dass die Arbeit besser als 80 Prozent der anderen verglichenen Arbeiten abschneidet.
Für The 1 Percent hat QED Science sein System mit 57.455 Preprint-Papern der auf Lebenswissenschaften spezialisierten Plattform bioRxiv getestet, die zwischen Mai 2025 und April 2026 veröffentlicht wurden. Am Ende erreichten 574 Arbeiten das 99. Perzentil und können sich somit zu den mutmaßlich obersten ein Prozent zählen. Zum Vergleich hat das Unternehmen in eigenen Studien die