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Omega-3-Fettsäuren und ASS wirken bei Parodontitis ähnlich wie Antibiotika
Eine Kombination aus hoch dosierten Omega-3-Fettsäuren und niedrig dosierter Acetylsalicylsäure hat in einer randomisierten Studie bei schwerer Parodontitis ähnlich viele Patienten zum definierten Therapieziel gebracht wie zwei Antibiotika. Nach einem Jahr lagen die Erfolgsraten bei 57,7 und 58,6 Prozent. Weil die Studie nicht für einen direkten Gleichwertigkeitsvergleich ausgelegt war, gilt das Ergebnis zunächst als vielversprechender Hinweis.
São Paulo (Brasilien). Parodontitis ist eine chronische Entzündung des Zahnhalteapparats, bei der eine gestörte bakterielle Gemeinschaft und die Immunreaktion des Körpers Gewebe und Kieferknochen schädigen. Die Standardbehandlung entfernt deshalb bakterielle Ablagerungen auch unterhalb des Zahnfleischrands, reicht bei schweren Formen der Erkrankung aber nicht bei allen Patienten aus.
Als Ergänzung kommen bei ausgewählten schweren Fällen unter anderem die Antibiotika Metronidazol und Amoxicillin infrage, die den Behandlungserfolg verbessern können. Wegen möglicher Nebenwirkungen und der Gefahr von Antibiotikaresistenzen suchen Forscher zugleich nach Strategien, die stärker an der überschießenden Entzündungsreaktion des Körpers ansetzen.
Forscher der Faculdade Israelita de Ciências da Saúde Albert Einstein (FICSAE) um Nídia Cristina Castro dos Santos haben nun untersucht, wie gut eine solche Immunmodulation im direkten Studienrahmen abschneidet. An der multizentrischen, doppelblinden und placebokontrollierten Untersuchung nahmen 109 Erwachsene mit Parodontitis der Stadien III oder IV teil, die Nichtraucher waren und keine systemischen Erkrankungen hatten.
Alle Teilnehmer erhielten zunächst eine subgingivale Instrumentierung, also eine gründliche mechanische Reinigung unterhalb des Zahnfleischrands, und wurden zufällig vier Gruppen zugeteilt. Die Kontrollgruppe bekam nur Placebos, während eine zweite Gruppe 14 Tage lang dreimal täglich 400 Milligramm Metronidazol und 500 Milligramm Amoxicillin erhielt.
Eine dritte Gruppe nahm sechs Monate lang täglich drei Gramm Omega-3-Fettsäuren und 100 Milligramm Acetylsalicylsäure (ASS) ein, die vierte Gruppe erhielt beide Zusatztherapien. Nach drei, sechs und zwölf Monaten überprüften die Forscher den Zustand des Zahnfleischs und bestimmten, wie viele tiefe Zahnfleischtaschen nach der Behandlung verblieben.
Als primären Endpunkt wertet die Publikation aus, dass nach einem Jahr höchstens vier Stellen mit einer Sondierungstiefe von mindestens fünf Millimetern vorhanden sein durften. Solche tiefen Taschen zeigen an, dass die Erkrankung noch nicht ausreichend kontrolliert ist und weiterhin behandlungsbedürftige Bereiche bestehen. Im öffentlich zugänglichen Studienregister ist derselbe Endpunkt allerdings für sechs Monate nach der Behandlung als primärer Endpunkt angegeben.
Nach einem Jahr erreichten 58,6 Prozent der Patienten mit Antibiotika den festgelegten Endpunkt, in der Omega-3-ASS-Gruppe waren es mit 57,7 Prozent fast genauso viele. Mit beiden Zusatztherapien zusammen gelang dies 57,1 Prozent, während in der Placebogruppe nur 23,1 Prozent der Teilnehmer das Therapieziel erreichten.
Die drei Zusatzbehandlungen schnitten damit jeweils besser ab als die alleinige mechanische Therapie, besonders auffällig ist aber die nahezu identische Erfolgsrate von Antibiotika und Omega-3 plus ASS. Einen statistisch abgesicherten Gleichwertigkeitsnachweis zwischen diesen beiden Strategien liefert die Studie nicht, weil sie für direkte Vergleiche der Zusatztherapien nicht ausreichend dimensioniert war.
„Wir hatten erwartet, dass die Kombination aus Antibiotika und Omega-3 bei diesen Patienten die Parodontitis am wirksamsten kontrollieren würde. Wir gingen außerdem davon aus, dass die Ergebnisse der Gruppe mit Omega-3 und ASS etwas schlechter ausfallen würden als in der Antibiotikagruppe. Das Ergebnis war überraschend, weil beide Therapien sehr ähnlich abschnitten und sich damit die Möglichkeit eröffnet, diese Strategie als Behandlungsoption für diese Patiente