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Dreifachtherapie könnte HIV-infizierte Neugeborene heilen
Angriff vor dem Versteckspiel: Eine Kombination aus antiretroviraler Therapie, breit neutralisierenden Antikörpern und einer CCR5-Blockade hat bei acht jungen Rhesusaffen offenbar die Bildung eines dauerhaften Virusreservoirs verhindert. Selbst rund ein Jahr nach Therapieende fanden die Forscher keine vermehrungsfähigen oder latenten Viren. Ob das auch bei HIV-infizierten Neugeborenen funktioniert, ist jedoch offen.
Portland (U.S.A.). HIV lässt sich heute mit antiretroviralen Medikamenten so stark unterdrücken, dass die Viruslast unter die Nachweisgrenze sinkt. Ganz verschwunden ist der Erreger damit meist nicht, denn in langlebigen Immunzellen überdauert virales Erbgut als latentes Reservoir und kann die Infektion nach dem Absetzen der Medikamente erneut entfachen. Nur in wenigen Sonderfällen nach einer Stammzelltransplantation gelang bisher eine Heilung. Weltweit infizieren sich nach Angaben der aktuellen Studie jedes Jahr rund 120.000 Kinder mit HIV, besonders dort, wo eine wirksame Therapie nicht ausreichend zugänglich ist.
Forscher der Oregon Health & Science University (OHSU) um Professor Jonah B. Sacha haben nun untersucht, ob sich dieses Reservoir unmittelbar nach einer Infektion noch verhindern lässt. Insgesamt verglichen sie bei 55 etwa einen Monat alten Rhesusaffen sieben Behandlungsstrategien. Die Tiere waren zuvor oral mit SHIV-SF162P3 infiziert worden, einem chimären SIV-HIV-Virus mit einem HIV-Hüllprotein, das die peripartale HIV-Exposition von Säuglingen nachbilden soll.
Eine antiretrovirale Therapie (ART) hemmt die Virusvermehrung, während die breit neutralisierenden Antikörper PGT121 und VRC07-523LS an die Virushülle binden. Leronlimab blockiert zusätzlich den Rezeptor CCR5, den viele HI-Viren als Eintrittspforte in CD4-T-Zellen nutzen.
Ein enger Zeitfaktor zeigte sich schon bei den neutralisierenden Antikörpern: Nach ihrer Gabe 48 Stunden nach der Infektion blieb bei fünf von sechs Tieren das Virus anschließend nicht mehr nachweisbar. Begannen dieselben Antikörper erst nach 72 Stunden, kam es hingegen bei allen sechs Tieren später zu einem Wiederanstieg. Leronlimab senkte die anhaltende Viruslast im Blut zwar um den Faktor 100 bis 10.000, beseitigte das Reservoir allein aber ebenfalls nicht, und auch Kombinationen mit ART reichten nicht durchgehend aus.
„Aus Gründen, die wir nicht verstehen, will HIV unbedingt CCR5-Rezeptoren nutzen, um Zellen zu infizieren. Indem man den Zugang blockiert, ist es so, als würde man dem Feuer den Brennstoff entziehen“, sagt Jonah B. Sacha.
Für den entscheidenden Versuch erhielten acht bereits virämische Rhesusaffen 72 Stunden nach der Infektion die Dreifachtherapie. Die ART wurde 27 Wochen lang gegeben, die beiden neutralisierenden Antikörper einmal zu Beginn und Leronlimab über mehrere Wochen, wodurch bei allen acht Tieren die Virenlast rasch unter die Nachweisgrenze sank.
Nach 27 Wochen setzten die Forscher die ART ab, doch bei keinem der acht Tiere kam es in den folgenden sechs Monaten zu einem Virusanstieg. Auch in Blut, Lymphknoten und anderen Geweben fanden die Wissenschaftler keine virale DNA. Selbst die gezielte vorübergehende Entfernung von CD8-T-Zellen, die bei Kontroll- und Vergleichstieren einen Virusanstieg auslöste, führte bei den acht dreifach behandelten Tieren zu keinem Rückfall.
Bei der abschließenden Untersuchung 84 Wochen nach der Infektion blieb der Befund bestehen: Weder intakte noch defekte Proviren waren in den untersuchten CD4-T-Zellen nachweisbar. Zudem fehlten die sonst erwartbaren antiviralen Immunreaktionen, was ebenfalls gegen eine fortbestehende Infektion spricht. Die Behandlung war bei den Tieren gut verträglich und beeinträchtigte ihre Gewichtsentwicklung nicht. Zusammengenommen sprechen die Ergebnisse dafür, dass sich in dieser Gruppe kein nachweisbares dauerhaftes Virusreservoir etabliert hatte.
Der Befund ist dennoch kein Nachweis, dass die Strategie HIV bei menschlichen Neugeborenen heilen kann. Die entscheidende Gruppe bestand aus