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Cherson: Leben mit der russischen Menschenjagd
Im ukrainischen Cherson werden Menschen zur Zielscheibe russischer Drohnen. Für die Bewohner bedeutet dies einen täglichen Überlebenskampf. Den ertragen manche von ihnen irgendwann einfach nicht mehr.
In südukrainischen Cherson gehen russische Drohnenpiloten auf Menschenjagd. "Safari" nennen die Einwohner der Stadt am Dnipro die Hetzjagden. "Die Russen bringen junge Drohnenpiloten nach Cherson und üben an uns", berichtet Victoria. Ihre Heimatstadt ist für sie unbewohnbar geworden. Victoria und ihre zehnjährige Tochter Jelysaweta müssen fliehen.
Andreas Tölke vom Berliner Verein "Be an Angel" liefert immer wieder humanitäre Hilfe in die Stadt. Und bringt Menschen wie Victoria in Sicherheit. Er deutet auf eine Drohne, die sich in einem der Fischernetze verheddert hat, die hier jede Straße überspannen. "Das sind die Drohnen, die du bei Amazon bestellen kannst, wenn du mal in Nachbars Garten gucken willst."
Russland terrorisiert die ukrainische Zivilbevölkerung und jagt dabei Menschen mit FPV-Drohnen.
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Die Menschenjagden der russischen Armee in Cherson sind eine gezielte Terrorkampagne - ausgeführt mit kleinen FPV-Drohnen, an denen Sprengstoff befestigt wird. Hunderte Passanten wurden so laut UN-Angaben in den vergangenen Jahren bereits getötet, Tausende verletzt. "Die haben eine Kamera dabei", erklärt Tölke. "Der Pilot sitzt auf der anderen Seite vom Fluss und verfolgt dich. Er sieht dich, wie du wegrennst."
Zum besseren Schutz hat er seiner ukrainischen Partnerorganisation "Sylni bo Vilni" eine spezielle Schutzpistole mitgebracht. Sie feuert auf kurze Distanz Netze, die Drohnen einfangen sollen. Ihor Tschornyj strahlt über das ganze Gesicht, als Tölke ihm die Pistole übergibt.
Tschornyj rettet mit seinem Team Menschen aus den gefährlichsten Gegenden der Stadt. "Wenn die Batterie der Drohne zu Ende geht, fliegen sie nicht zurück zum linken Ufer", erklärt er. "Dann greifen sie jeden an, egal wen", sagt er.
Ihor Tschornyj und seine Organisation "Sylni bo Vilni" unterstützen die Menschen in Cherson.
Unzählige Videos dokumentieren diese Verbrechen. Drohnen, die sich auf Menschen in ihren Autos, im Bus oder auf dem Fahrrad stürzen. Für die 60.000 Menschen, die sich noch in Cherson aufhalten, gibt es keine sicheren Orte. Die meisten versuchen, sich nur so kurz wie möglich auf der Straße aufzuhalten. Sie huschen von Baum zu Baum, von Gebäude zu Gebäude.
"Wir bewegen uns wie Unsterbliche. Bekreuzigen, beten und los geht's", sagt Rentnerin Nina. Sie sitzt im Keller von "Sylni bo Vilni", was übersetzt "Stark, weil frei" bedeutet. Die Organisation hat hinter Sandsäcken und mit Pressspan verrammelten Fenstern eine Art Gemeindezentrum eingerichtet. Damit die Menschen einen Ort haben, an dem sie sich treffen und unterhalten können.