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ESC 2027: Avrotros aus den Niederlanden kehrt nicht zum Eurovision Song Contest zurück
Niederländischer ESC-Sieger Duncan Laurence (2019 in Tel Aviv): »Zu einer Bühne der Spaltung geworden«
Nachdem fünf Länder im Streit über die Teilnahme Israels am Eurovision Song Contest (ESC) in diesem Jahr ihre Beteiligung zurückgezogen hatten, hatte die veranstaltende Europäische Rundfunkunion (EBU) wohl Hoffnungen gehegt, dass zumindest ein Teil der Boykottländer zurückkehren könnte. Diese Hoffnungen haben nun einen Rückschlag erhalten: Der für die niederländischen ESC-Beiträge verantwortliche Sender Avrotros hat bekannt gegeben, auch 2027 nicht teilnehmen zu wollen. Die Veranstaltung sei nicht als neutral zu bezeichnen, verkündete der Sender in einer Pressemitteilung .
Israel wird in dem Avrotros-Statement nicht ausdrücklich genannt, die Rede ist von »geopolitischen Spannungen im Mittleren Osten« und einem teilnehmenden Land, das »weiterhin an einem weitreichenden militärischen Konflikt involviert ist«. Letzteres könnte auch die Ukraine betreffen. Allerdings wird im weiteren Verlauf der Pressemitteilung Bezug genommen auf »das schwere menschliche Leid in Gaza und die anhaltenden Einschränkungen der Pressefreiheit«, die zu wachsenden Spaltungstendenzen um den Eurovision Song Contest geführt hätten.
Die EBU hatte zuletzt an mehreren Regeländerungen für den Song Contest gearbeitet, die im Kontext der jüngsten Boykotte zu sehen sind. Bereits beschlossen wurde, dass Länder in »heikler geopolitischer Lage« nicht mehr als Gastgeber infrage kommen – selbst wenn ihr Beitrag im Wettbewerb siegreich gewesen sein sollte. Außerdem berichtete das schwedische »Aftonbladet« von einem Brief an die Teilnehmerländer mit dem Vorschlag, die Publikumsabstimmung komplett ins Internet zu verlegen und die Abstimmenden zu verpflichten, ihre Gunst auf mindestens drei Lieder aufzuteilen. Damit würden möglicherweise politisch motivierte Blockvoten unterbunden.
Doch all diese Maßnahmen wirkten nicht, um bei dem niederländischen Sender das Vertrauen zurückzubringen, »dass der unabhängige und neutrale Charakter des Song Contests wiederhergestellt werden kann. Eine Teilnahme stünde daher nicht im Einklang mit den Werten des Senders: Zuverlässigkeit, Unabhängigkeit und Menschlichkeit.« Es fehle ein »klarer Abwägungsrahmen«, unter welchen Umständen eine Teilnahme mit dem neutralen Charakter des Song Contests vereinbar sei und unter welchen nicht.
Der Geschäftsführer von Avrotros, Taco Zimmerman, sagte, es sei nicht zu leugnen, dass »ein internationaler Konflikt« sich immer stärker auf die Veranstaltung ausgewirkt habe, die damit »zu einer Bühne der Spaltung« geworden sei. Als öffentlich-rechtlicher Rundfunk »bleiben wir unseren Werten treu«, so Zimmerman, »auch wenn das bedeutet, dass wir uns von einer Veranstaltung trennen müssen, die uns am Herzen liegt.«
Joost Klein bei ESC-Probe 2024: »Europapa« wurde ausgeschlossen
Die Absage von Avrotros ist nicht zwingend gleichbedeutend mit einem kompletten Ausstieg der Niederlande. Avrotros ist eine von mehreren öffentlich-rechtlichen Rundfunkvereinigungen, die Mitglieder der EBU sind und damit prinzipiell teilnahmeberechtigt am Eurovision Song Contest. Vor 2010 lag die Auswahl und Betreuung der niederländischen ESC-Beiträge bei der Rundfunkanstalt NOS, die 2026 auch die ESC-Shows ausstrahlte, nachdem Avrotros seinen Boykott bekannt gegeben hatte. Avrotros hat jetzt den Dachverband der öffentlich-rechtlichen Anstalten, NPO, über seinen Rückzug informiert. Der Verband lege nun das weitere Vorgehen für 2027 fest.
Die Niederlande waren eines der sieben Gründungsländer des Eurovision Song Contests, sie nahmen bereits 1956 teil. Fünfmal waren niederländische Beiträge beim ESC siegreich, gesungen von Corry Brokken (1957), Teddy Scholten (1959), Lenny Kuhr (1969), Teach-In (1975) und Duncan Laurence (2019). 2024 wurde der niederländische Teilnehmer Joost Klein ausgeschlossen, ihm war ein Angriff auf eine Produktionsmitarbeiterin vorgeworfen worden. 2025 belegte Claude mit »C'est la Vie« Platz 12.