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Erstmals Mitochondrien aus dem Bein in die Augen injiziert
Erstmals haben Ärzte einer Patientin körpereigene Mitochondrien direkt in beide Augen gespritzt. In dem noch nicht fachbegutachteten Einzelfall traten keine schweren okulären oder systemischen Komplikationen auf, und zeitweise kehrten messbare Pupillenreaktionen auf Licht zurück. Die Sehschärfe verbesserte sich jedoch nicht, weshalb die Wirksamkeit der Methode völlig offenbleibt.
New York (U.S.A.). Mitochondrien liefern Zellen einen großen Teil ihrer nutzbaren Energie. Gerade Netzhautganglienzellen, die Signale vom Auge über den Sehnerv zum Gehirn weiterleiten, sind auf eine stabile Energieversorgung angewiesen. Nach langer Unterversorgung mit Sauerstoff können ihre Mitochondrien geschädigt sein, was das Absterben bereits verletzter Nervenzellen zusätzlich fördern kann.
Bei einer 26-jährigen Frau waren beide Sehnerven nach einer schweren Hirnblutung und lang anhaltender Minderdurchblutung stark geschädigt. Die ausgeprägte Sehbehinderung hatte sich über rund drei Monate nicht gebessert, zugleich zeigten Untersuchungen noch Restfunktion des visuellen Systems. Forscher der Icahn School of Medicine at Mount Sinai (ISMMS) um Dr. David Putrino haben nach Angaben der Autoren erstmals körpereigene Mitochondrien in den Glaskörper eines menschlichen Auges eingebracht. Der Fallbericht liegt bislang nur als Preprint vor und ist noch nicht fachbegutachtet.
Für jede Behandlung entnahmen die Ärzte unter Narkose mit einer sechs Millimeter großen Biopsie etwa 100 Milligramm Gewebe aus dem inneren Oberschenkelmuskel. Daraus isolierten sie frische, nicht kultivierte, nicht genetisch veränderte und nicht eingefrorene Mitochondrien und spritzten sie noch am selben Behandlungstag in den Glaskörper. Das rechte Auge erhielt 7,5 × 10^7 Mitochondrien, das linke 24 Stunden später 2,5 × 10^7. Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) hatte die Anwendung für diese einzelne Patientin im Mai 2026 als individuelles Expanded-Access-Verfahren, also als Notfallbehandlung außerhalb einer regulären Studie, genehmigt.
„Eine der größten Sicherheitsfragen, mit denen wir uns während des gesamten Verfahrens beschäftigten, war, ob das Einspritzen von Mitochondrien ins Auge eine Immunreaktion auslösen würde“, erklärt Dr. David Putrino.
Beide Präparate erfüllten die festgelegten Freigabekriterien, und nach den Injektionen fanden die Forscher weder eine Entzündung im Augeninneren noch erhöhten Augeninnendruck, eine Endophthalmitis oder eine Netzhautablösung. Auch die systemischen Entzündungs- und Immunmarker blieben unverändert, wobei sich aus einem einzelnen Fall noch kein allgemeines Sicherheitsprofil ableiten lässt.
Vor der Behandlung hatten 45 Pupillenmessungen in 71 Tagen keine normale Lichtreaktion gezeigt. Danach erfüllten 6 von 28 Messungen am rechten und 7 von 24 am linken Auge das vorab festgelegte Kriterium für eine normale Reaktion. Im rechten Auge trat die erste solche Messung am vierten Tag auf, im linken am zweiten Tag.
Die Reaktionen waren aber nicht dauerhaft, denn im linken Auge lag die letzte Messung über dem Kriterium an Tag 11, im rechten an Tag 39. Ab Tag 29 etablierte sich in keinem Auge ein neuer stabiler Ausgangswert, und der verwendete Pupillenindex hängt zudem stark von der Ausgangsgröße der Pupille ab.
Auch Hirnstrommessungen lieferten nach dem Eingriff ein verändertes Bild, nachdem in zwei Sitzungen vor der Behandlung keine organisierte mehrkanalige Antwort der Sehrinde im Hinterhaupt auf visuelle Reize zu erkennen war. In allen drei Sitzungen danach, an den Tagen 3, 44 und 45, war eine solche organisierte Antwort vorhanden, doch wegen der großen Messabstände lässt sich daraus keine kontinuierliche Reaktion ableiten.
„Nach der Transplantation stellten wir außerdem fest, dass im Gehirn als Reaktion auf visuelle Reize ein visuell evoziertes Potenzial auftrat, was bedeutet, dass das Gehirn nun auf präsentierte visuelle Reize reagiert“, erklärt Dr. David Putrino.