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Arm AGI mit Neoverse V3: Der 136-Kerner muss noch Überzeugungsarbeit leisten
Arm hat zur Hot Chips 2026 seinen neuen AGI-Prozessor mitgebracht. Die doppelten 70-Kern-Chips sollen so etwas wie Nvidias Vera-CPU werden, allerdings für jedermann. Auf Basis der über zwei Jahre alten Neoverse-V3-Architektur geht sie jedoch überraschend viele Kompromisse ein, eigene Benchmarks hat Arm noch nicht vorgelegt.
Zur ersten Enthüllung Ende März dieses Jahres hatte Arm quasi keine technischen Details im Gepäck, die Partnerschaft mit Meta wurde in das Rampenlicht geschoben. Zur Hot Chips wird das ein wenig besser, doch was AGI wirklich kann, bleibt weiterhin unklar. Die Vorzeichen deuten eher in die Richtung, dass es nicht der große Wurf werden wird und die anvisierten Custom-Arm-Chips der großen Hersteller weiter an Fahrt aufnehmen.
Arm nutzt die bereits vor zweieinhalb Jahren enthüllte Architektur Neoverse V3, die auf der älteren Armv9.2-ISA basiert. Moderne mobile Chips sind hier schon einen Schritt weiter, was deshalb auch direkt erklärt, warum der jetzt vorgestellte Serverchip Features wie SME2, also die neue Scalable Matrix Extension 2, schlichtweg missen lässt.
Vor allem die Vergleiche mit der Vera-CPU muss sich Arm bei AGI gefallen lassen, wenngleich beide Chips am Ende eine andere Zielgruppe haben. Beide setzen auf die v9.2-ISA und viele Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede sind flott sichtbar. Das beginnt schon beim L1-Cache: Arm AGI setzt auf 64 + 64 KB für L1I und L1D, Nvidia Vera auf 64 + 96 KB. Beim L2-Cache bieten beide 2 MByte pro Kern exklusiv. Dann wiederum trennt es sich auf: Nvidia bietet für insgesamt 88 Kerne nicht nur SMT, sondern auch einen gemeinsam genutzten L3-Cache in der Größe von 164 MByte. Arm AGI wiederum setzt für die 70 Kerne ohne SMT keinen L3-Cache ein, sondern nutzt die bekannte SLC-Lösung (Shared System Level Cache) im Interconnect in Form von 128 MByte. An diesem bedienen sich aber nicht nur Kerne, sondern auch weitere Bestandteile des Chips.
Beim Speicher, PCIe und weiteren Möglichkeiten gehen die Chips von Arm und Nvidia dann weiter auseinander. Arm AGI versucht sein Glück eher als Mainstream-Lösung für ein breites, klassisches Feld, während Vera einem spezielleren Aufgabenfeld zugeteilt wurde. Arm AGI nutzt etwa klassischen RDIMM verteilt über zwölf Speicherkanäle mit DDR5-8800. 96 PCIe-6.0-Lanes zielen ebenfalls eher in Richtung AMD und Intel denn Nvidia, die LPDDR5X nutzen und nur 16 PCIe-Lanes für kleine Erweiterungen bieten.
Am Ende besteht ein Arm-AGI-Prozessor stets aus zwei 70-Kern-Dies, die über UCIe-S – aktuell auch Thema bei Intel Wildcat Lake und Intel Diamond Rapids – zusammenarbeiten. Trotz TSMCs N3P-Fertigung sind von den 70 Kernen in einem Mesh im Die aber stets nur 68 Kerne aktiv, über 50 Milliarden Transistoren pro Die fordern hier ihren kleinen Yield-Tribut. Heraus kommt also maximal ein 136-Kern-Prozessor mit maximal 300 Watt TDP, im klassischen Dual-Sockel-Server sind es deshalb 272 Kerne.
Ganz wichtig ist deshalb am Ende, dass Arm AGI letztlich nur der Einstieg in Welt eigener Serverprozessoren sein soll und man bei vielen Designschritten wohl einfach auf Nummer sicher ging. Und so betont Arm zum Abschluss, dass AGI lediglich „the first product on a long-term Arm SoC roadmap for this market“ sei.
Im Datacenter-Segment haben es Arm-Server-Prozessoren für jedermann aufgrund der Stärke von x86-Prozessoren aber schwer, wie beispielsweise Ampere Computing mit seinen CPUs zeigt. Und auch Qualcomm will mit Dragonfly bald bei Servern mitreden.