// TAGESSCHAU INLAND — CRONACA
Migranten und Forscher warnen vor AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt
Was würde passieren, wenn die AfD in Sachsen-Anhalt regieren würde? Um ihre Sorge auszudrücken, schließen viele Menschen mit Migrationshintergrund heute in Magdeburg ihre Geschäfte. Forscher warnen, ohne Migration werde das Wachstum zurückgehen.
In Magdeburg, der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt, schließen heute viele Gewerbetreibende mit Migrationsgeschichte von 10 bis 15 Uhr ihre Betriebe. Die Aktion soll im Vorfeld der Landtagswahl ein sichtbares Zeichen gegen Rassismus und Ausgrenzung setzen.
"Viele Beteiligte berichten, dass sie zunehmend Angst vor Anfeindungen haben", sagte Saaeid Saaeid vom Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt. Der Rat unterstützt die Initiative der Gewerbetreibenden. Am Nachmittag ist eine Kundgebung vor dem Landtag geplant, bei der Betroffene von Erfahrungen berichten.
Der Streik solle ein Weckruf an die Gesellschaft sein, ein Appell, sich das Wahlprogramm der AfD genau anzuschauen. "Lasst euch nicht spalten in Ausländer und Deutsche, die Gesellschaft muss zusammenbleiben", so Saaeid. In ihrem Wahlprogramm fordert die AfD einen deutlich schärferen Kurs in der Migrationspolitik. Zudem lehnt sie unter anderem die staatliche Anwerbung ausländischer Pflegekräfte und die allgemeine Arbeitsmigration in diesem Bereich grundsätzlich ab.
"Wir erleben eine politische und gesellschaftliche Entwicklung, die Migration immer stärker als Problem darstellt", sagte Saaeid. "Forderungen nach massenhaften Abschiebungen und Verdrängung von Menschen mit Migrationsgeschichte werden fast normal."
Seit dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt 2024 sei das Klima "angespannt und vergiftet". Mit dem sogenannten Migra-Streik solle ein Zeichen gesetzt werden, "dass Menschen mit Migrationsgeschichte zur Gesellschaft gehören und ein unverzichtbarer Teil davon sind", so Saaeid. Ihm zufolge beteiligen sich mehr als 120 Gewerbetreibende an der Aktion.
Die AfD holt bei Arbeitern besonders viele Stimmen. Laut einer Studie hält sie aber an ihrem marktliberalen Kurs fest.
mehr
Eine Landesregierung unter AfD-Führung in Sachsen-Anhalt dürfte nach Einschätzung des Forschungsinstituts IWH das Wachstum der Wirtschaft in dem Bundesland deutlich bremsen. Allein die ausländerfeindliche Rhetorik der Partei könne bereits diesen Effekt auslösen, sagt Reint Gropp, Chef des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH), der "Süddeutschen Zeitung".
"Fremdenfeindliche Politik ist schlecht für die Wirtschaft. Vorläufige Schätzungen zeigen, dass das Wirtschaftswachstum in Sachsen-Anhalt um etwa ein halbes bis ein Prozent pro Jahr sinken könnte."
FAQ
06.08.2026