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Die AfD und ihre Streamer
Livestreamer begleiten den Wahlkampf der AfD und provozieren mit ihrem Auftreten. Das sorgt für Aufmerksamkeit, aber auch für Konflikte - auch innerhalb der Partei.
Die Kamera läuft, die Bilder gehen live ins Internet. Zu sehen ist ein Mann, der viel schreit und pöbelt. Vor allem Journalisten beschimpft er. "Was sind Sie für ein Medium? Sie kennen doch nur Gewalt! Weshalb diffamieren Sie Ulrich Siegmund als rechtsextrem? Ihr seid Antideutsche! Verzieht euch!", schreit "Aktivist Mann" in sein Mikrofon. So nennt sich der YouTuber, der stundenlang den AfD-Wahlkampf in Sachsen-Anhalt streamt. Mit der Menge ruft er "Lügenpresse" oder "Der Spiegel muss weg". Und er rempelt Journalisten an - aus Selbstverteidigung, wie er meint.
Matthäus Westfal heißt der YouTuber mit echtem Namen. Seit Jahren sendet er seine Bilder ins Netz. Auch als 2020 bei einer Corona-Demo fast der Reichstag gestürmt wurde, stand er ganz vorn und liefert sich ein Schreiduell mit einem Polizisten.
Die AfD hat Livestreamer wie ihn für sich entdeckt, denn sie senden stundenlang. Und das hat viel Potenzial - so sieht es Martin Reichardt, der im Bundesvorstand der AfD sitzt und aus Sachsen-Anhalt kommt. Schon vor Monaten sagte er: "Die Influencer sind für uns so etwas wie das, was für Martin Luther der Buchdruck gewesen ist."
Anders als Martin Luther stellen die YouTuber keine kritischen Fragen, sie sind eher als Fans unterwegs. "Aktivist Mann" schreibt auf Anfrage, dass er unabhängig sei. Kein Parteimitglied, aber "AfD-Wähler der ersten Stunde". Der Spitzenkandidat Siegmund aus Sachsen-Anhalt begrüßt ihn freundlich im Wahlkampf und lobt ihn öffentlich: "Ein Kollege, Aktivist Mann heißt der, der immer zu allen Veranstaltungen fährt. Es gibt viele gute, die berichten", lobt Siegmund den Streamer im Podcast "ungeskriptet".
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Doch die Pöbeleien gingen zuletzt auch der AfD zu weit. Sie hat das Gespräch mit dem YouTuber gesucht, so Landeschef Reichardt. Was er gemacht habe, "war in dieser Form vielleicht ein bisschen drüber. Das wollten wir so auch nicht. Da ist jetzt aber gesprochen worden und die Sache ist jetzt, denke ich, soweit geklärt". "Aktivist Mann" bestätigt die Gespräche und schreibt: "Mir wurde danach kommuniziert, dass ich mich auf AfD-Veranstaltungen konsequent an die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu halten habe."
Doch er ist längst nicht der einzige YouTuber und Streamer im AfD-Umfeld. Sie heißen Weichreite, Utopia TV oder Björn Banane. Seit Jahren begleiten sie die Partei. Björn Banane - alias Björn Winter - sagt im Stream, er wolle kurz einen "Fanbesuch abliefern". Kritische Fragen stellt auch er nicht. Mal trägt er Presseweste, dann schlüpft er in seine andere Rolle als Schlagersänger und singt Lieder für Alice Weidel.
YouTuber und Streamer im Wahlkampf sind nicht neu, aber zuletzt ist der Konkurrenzkampf um Reichweiten und Klickzahlen gestiegen. Der Politikwissenschaftler Maik Fielitz vom Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft sagt: "Je mehr Reichweite man haben will, desto mehr muss man provozieren. Und in der Hinsicht ist das sehr symptomatisch, was in Sachsen-Anhalt passiert."