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Sport senkt das Demenzrisiko, körperliche Arbeit dagegen nicht
Bewegung gilt als wichtiger Baustein für ein gesundes Gehirn, doch eine große Metaanalyse zeigt nun, dass der Zusammenhang mit Demenz stark vom Kontext abhängt. Viel Freizeitbewegung war mit einem 24 Prozent niedrigeren Risiko verbunden, starke körperliche Aktivität im Beruf dagegen mit einem 20 Prozent höheren Risiko. Ursache und Wirkung lassen sich aus den Beobachtungsdaten jedoch nicht ableiten.
Los Angeles (U.S.A.). Körperliche Aktivität wird meist als einheitlicher Schutzfaktor betrachtet. Doch Sport in der Freizeit, Hausarbeit, körperlich fordernde Berufe und aktive Arbeitswege entstehen unter sehr unterschiedlichen Bedingungen. Schon aus der Herz-Kreislauf-Forschung ist bekannt, dass freiwilliges Training und körperliche Belastung am Arbeitsplatz nicht zwingend mit denselben gesundheitlichen Mustern einhergehen.
Ein Team der University of Southern California (USC) mit Erstautor Natan Feter hat nun untersucht, ob sich solche Unterschiede auch beim Demenzrisiko zeigen. Dafür bündelte das Team 74 Beobachtungsstudien mit insgesamt 4.227.297 Menschen, von denen während der Nachbeobachtung 64.009 eine Demenzdiagnose erhielten. Das mittlere Alter lag im Median bei 67,3 Jahren, die Nachbeobachtung dauerte im Median zehn Jahre und 69 der 74 Studien stammten aus Ländern mit hohem Einkommen.
Über alle Formen körperlicher Aktivität hinweg war ein hohes Aktivitätsniveau mit einem um 20 Prozent niedrigeren relativen Risiko für Demenz verbunden. Besonders deutlich zeigte sich der Zusammenhang in der Freizeit, wo das relative Risiko der besonders Aktiven gegenüber den am wenigsten Aktiven in 20 Studien bei 0,76 lag. Das entspricht einem um 24 Prozent niedrigeren relativen Risiko.
Bei körperlicher Aktivität im Beruf zeigte sich dagegen die entgegengesetzte Richtung. In fünf Studien lag das relative Demenzrisiko bei hoher beruflicher Belastung um 20 Prozent höher als bei geringer Belastung. Das 95-Prozent-Konfidenzintervall reichte von 1,01 bis 1,42 und lag damit nur knapp vollständig oberhalb des Werts ohne Unterschied.
„Die Ergebnisse stellen die seit Langem bestehende Annahme infrage, dass für die Gehirngesundheit ‚jede Bewegung zählt‘“, sagt Natan Feter.
Für Hausarbeit und aktive Arbeitswege ist die Datenbasis wesentlich schmaler. Hausarbeit war in nur einer Studie mit einem um 15 Prozent niedrigeren Risiko verbunden, während für aktives Pendeln lediglich zwei Studien zusammen ein um zehn Prozent höheres relatives Risiko ergaben. Aus diesen wenigen Studien lassen sich nach Ansicht der Autoren noch keine belastbaren Empfehlungen ableiten.
Warum sich Freizeitbewegung und körperliche Arbeit so unterschiedlich verhalten, hat die Metaanalyse nicht direkt geklärt. Die Autoren halten es für unwahrscheinlich, dass die Bewegung bei der Arbeit selbst das Gehirn schädigt, und verweisen stattdessen auf mögliche Begleitfaktoren. Körperlich fordernde Berufe gehen häufiger mit psychosozialem Stress, geringer Kontrolle über Arbeitsabläufe, wenig Erholungszeit sowie Belastungen durch Lärm oder Luftschadstoffe einher, die einen Teil des Zusammenhangs erklären könnten.
Auch die Form der Bewegung unterscheidet sich. Freizeitaktivität ist meist selbst gewählt, kann an die eigene Belastbarkeit angepasst werden und ist oft mit sozialen Kontakten oder Entspannung verbunden, während berufliche Aktivität aus wiederholten Bewegungen, langem Stehen oder schwerem Heben bestehen kann. Die Dosis-Wirkungs-Analysen zeigten für Freizeit und Beruf jeweils nichtlineare Verläufe, bei denen sich die Zusammenhänge bei höheren Aktivitätsmengen abflachten.
„Mit anderen Worten, wenn es darum geht, das Gehirn zu schützen, könnte der Kontext körperlicher Aktivität genauso wichtig sein wie die Bewegung selbst. Der bessere Zugang zu sicheren Parks, Spazierwegen und Freizeiteinrichtungen, ausreichend Freizeit für Bewegung und die Verringerung schädlicher Belastungen am Arbeitsplatz könnten sich letztlich als genauso wichtig erweisen wie die Förderung körperlicher Aktivit