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3.500-mal süßer als Zucker, aber kalorienfrei und ohne Insulinpeak
Das neu entwickelte Protein Sweelin ist rund 3.500-mal süßer als Saccharose und ließ in einem kleinen klinischen Kurztest Blutzucker, Insulin und GLP-1 praktisch unverändert. Die 19 gesunden Erwachsenen reagierten darauf ähnlich wie auf Stevia, während Dextrose deutlich stärkere Stoffwechselantworten auslöste.
Rehovot (Israel). Zucker liefert nicht nur Süße, sondern auch schnell verfügbare Kohlenhydrate, die nach dem Essen Blutzucker und Insulin ansteigen lassen. Hochintensive Süßstoffe werden zwar nur in sehr geringen Mengen benötigt, doch ihre Stoffwechselwirkungen unterscheiden sich je nach Substanz, während extrem süße Proteine aus einigen tropischen Pflanzen einen weiteren Ansatz für die Zuckerreduktion bieten.
Zu ihnen gehört Monellin aus der west- und zentralafrikanischen Serendipity-Beere Dioscoreophyllum cumminsii, auf dessen Struktur das rechnergestützt veränderte und per Präzisionsfermentation hergestellte Sweelin basiert. Forscher von Amai Proteins Ltd. um Yael Lifshitz haben nun untersucht, wie eine einzelne hohe Dosis auf Glukose, Insulin und das Darmhormon GLP-1 wirkt.
Für den doppelblinden, randomisierten Crossover-Versuch wurden 20 gesunde Erwachsene aufgenommen, von denen 19 alle drei Versuchstermine abschlossen und in die Auswertung eingingen. Im Abstand von jeweils sieben Tagen tranken sie in zufälliger Reihenfolge 400 Milliliter Wasser mit 51 Milligramm Sweelin, 225 Milligramm Stevia-Rebaudiosid M oder 75 Gramm Dextrose.
Die drei Getränke waren zuvor auf die gleiche wahrgenommene Süße eingestellt worden, und alle Versuchspersonen kamen nach einer nächtlichen Fastenperiode zu den Terminen. Die Forscher bestimmten vor der Einnahme und bis zu 120 Minuten danach mehrfach Glukose und Insulin im Blut sowie das aktive Glucagon-like Peptide-1, kurz GLP-1, ein Darmhormon, das nach Nahrungsaufnahme unter anderem die Insulinausschüttung beeinflusst.
Nach Sweelin blieben Glukose und Insulin nahe den Ausgangswerten und unterschieden sich statistisch nicht von der Stevia-Bedingung. Die mittlere Fläche unter der Glukosekurve lag bei 118 gegenüber 3.650 Milligramm pro Deziliter mal Minute nach Dextrose, beim Insulin waren es 86 gegenüber 6.866 Mikroeinheiten pro Milliliter mal Minute.
Damit war die integrierte Glukoseantwort nach Sweelin rund 31-mal und die Insulinantwort rund 81-mal niedriger als nach Dextrose, was sich auch in den Spitzenwerten zeigte. Die maximale Glukosekonzentration betrug nach Sweelin 83,1 Milligramm pro Deziliter und nach Dextrose 136,2 Milligramm pro Deziliter, beim Insulin lagen die Spitzen bei 9,3 gegenüber 109,9 Mikroeinheiten pro Milliliter.
Auch das aktive GLP-1 stieg nach Sweelin nicht relevant an und verhielt sich insgesamt ähnlich wie nach Stevia. Testproduktbezogene unerwünschte Ereignisse traten während des Versuchs nicht auf, wobei ein Teilnehmer nach Sweelin über Kopfschmerzen und Sodbrennen berichtete, die das Studienteam nicht dem Testprodukt zuschrieb und die von selbst verschwanden.
Sweelin besteht aus 93 Aminosäuren und hat eine Molekülmasse von rund 10,9 Kilodalton, zugleich erreichte das Protein in einer Saccharose-Lösung nach Angaben der Studie etwa die 3.500-fache Süßkraft bezogen auf das Gewicht. Rund 1,7 Milligramm entsprachen dabei der Süße von sechs Gramm Saccharose, weshalb im klinischen Test trotz der sehr hohen Süßintensität nur 51 Milligramm eingesetzt wurden.
Die U.S. Food and Drug Administration (FDA) schloss im Februar 2026 außerdem die GRAS-Mitteilung 1269 des Herstellers ab, in der Amai Proteins die modifizierte Monellin-Zubereitung nach wissenschaftlichen Verfahren als allgemein sicher anerkannt eingestuft hatte. Die FDA erklärte, sie habe zu dieser Schlussfolgerung keine Fragen, doch das ist kein Beleg für einen langfristigen gesundheitlichen Nutzen.