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Blick ins Heft c’t 19/2026: Raus aus der Abhängigkeit
Ein Leben ohne Microsoft 365 oder Google Workspace? Was nach digitaler Askese klingt, ist eine realistische Option mit quelloffenen Office-Komponenten.
Anfang der Woche hat Microsoft ganze Nutzergruppen lahmgelegt, es hagelte Probleme beim Zugriff auf und Versand über den cloudbasierten E-Mail-Dienst Exchange Online. Ursache sei eine Konfiguration der Kern-Authentifizierung, erklärte Microsoft. Das führte wohl auch zu Störungen in Teams und Outlook.
Die inzwischen behobene Störung von Exchange zeigt eine relevante Schwachstelle in unserer hochdigitalisierten Gesellschaft auf (okay, das ist ein großes Wort angesichts der Digitalisierung deutscher Behörden, aber egal): Wenn sich der Dienst eines zentralen Anbieters verschluckt, müssen Nutzer weltweit husten. Und können nichts dagegen tun.
Meine Kollegen haben in der aktuellen c’t untersucht, welche Folgen die Abhängigkeit von Microsoft, Google & Co. hat. Herausgekommen ist eine Bestandsaufnahme nebst Anleitung, wie sich Unternehmen, Behörden und private Nutzer aus den Fängen der allmächtigen US-Unternehmen befreien könnten. Ob sie das dann auch tun, steht auf einem anderen Blatt. Es ist aber gut zu wissen, wie es gehen könnte und warum Microsoft-Alternativen wie openDesk auch für Privatanwender einen Blick wert sind.
Ein Leben ohne Microsoft 365 oder Google Workspace? Was nach digitaler Askese klingt, ist längst eine realistische Option. Privatleute und Unternehmen, die Microsoft 365 oder Google Workspace nutzen, überlassen den US-Konzernen einen beträchtlichen Teil ihrer digitalen Daten. E-Mails, Termine, Kontakte und Dokumente liegen auf deren Servern; über Teams und Meet laufen vertrauliche Gespräche; OneDrive, SharePoint und Google Drive speichern mitunter ganze Unternehmensarchive.
Zwar betreiben Microsoft und Google längst Rechenzentren in Europa und versprechen umfangreiche Schutzmaßnahmen. Doch beide Unternehmen bleiben US-amerikanischem Recht unterworfen.
Trotzdem muss niemand Word-Dokumente als Mailanhang hin- und herschicken oder den eigenen Mailserver im Keller betreiben. Europäische Anbieter kombinieren längst quelloffene Office-Komponenten zu eigenen Online-Arbeitsplätzen für Office, Kommunikation und Kollaboration. Und mit openDesk steht ein entsprechendes Paket aus Open-Source-Komponenten für Behördenarbeitsplätze bereit.
Datenschutz ist aber nur ein Teil des Problems: Wer seine E-Mails, Dateien und Arbeitsabläufe vollständig einem Cloudanbieter anvertraut, bindet sich auch technisch und wirtschaftlich an ihn. Daten lassen sich zwar meist exportieren. Ob sich aber jahrelang gewachsene Postfächer, Kalender, gemeinsam bearbeitete Dokumente, Zugriffsrechte und Arbeitsabläufe ohne Verluste zu einem anderen Dienst übertragen lassen, steht auf einem anderen Blatt.
Je mehr Funktionen aus einer Hand kommen, desto größer wird der Aufwand bei einem späteren Wechsel. Man spricht vom sogenannten „Vendor-Lock-in“.
Nicht für jeden Nutzer wiegen diese Risiken gleich schwer. Besonders hoch sind die Anforderungen bei Behörden, im Gesundheitswesen oder bei Betreibern kritischer Infrastrukturen. Hier wird digitale Abhängigkeit zum gesellschaftlichen Risiko.