// SPIEGEL KULTUR — MODA & SOCIETÀ
Glücksgefühle-Festival: Ski Aggu will, dass Künstler Haltung zeigen dürfen
Rapper Ski Aggu hat sich im Streit über politische Äußerungen auf dem Glücksgefühle-Festival für die Freiheit von Künstlern starkgemacht. »Wenn ihr eine Meinung habt, dann lasst sie euch niemals verbieten«, sagte er bei seinem Auftritt auf dem Musik-Event.
Es sei »absolut selbstverständlich, dass man für Werte eintritt, einsteht, wie Demokratie, Meinungsfreiheit, Freiheit«, sagte der Musiker. »Ich finde auch, als Künstler sollte man Haltung zeigen können und dürfen. Man sollte für die Dinge einstehen können, für die man steht.« Er finde es »absolut cool, wenn Künstler das machen«. Und: »Solange ich auf einer Bühne stehe, werde ich immer für eine offene Gesellschaft stehen. Und ich will, und ich wünsche mir, dass wir alle zusammenhalten.«
Auslöser der Debatte war die Bitte der Veranstalter, bei Auftritten auf dem Hockenheimring nicht über Politik zu sprechen. Die Band Alphaville war daraufhin zunächst ausgeladen und nach zahlreichen Medienberichten über den Vorgang wieder eingeladen worden – sie blieb dennoch fern. Mitveranstalter Markus Krampe bezeichnete seine ursprüngliche Entscheidung am Rande des Festivals als Fehler: »Das ist superdämlich gewesen.«
Hintergrund des Konflikts waren politische Aussagen von Alphaville-Sänger Marian Gold bei einem früheren Konzert. Nach Angaben Krampes hatten sich daraufhin Besucher beschwert – sie wollten beim Festival abschalten und nichts über Themen hören, die ohnehin aus den Nachrichten bekannt seien. Die Veranstalter erklärten, das Festival sei »komplett unpolitisch«; es gehe um den Rahmen der Veranstaltung und das Versprechen »Good vibes only«. Gold sprach dagegen von einem »Maulkorberlass«.
Mehrere Künstler reagierten mit Solidaritätsbekundungen: Die Mallorca-Hit-Sängerin Mia Julia sagte: »Wir müssen den Mund aufmachen, um gewisse Augen zu öffnen.« DJ Beauty & the Beats sagte seinen Auftritt ab. Neben Ski Aggu spielte auch Tom Gregory »Forever Young«.
Nura spielte ebenfalls den Alphaville-Klassiker an, positionierte sich aber auch sehr persönlich zum Streit über Alphaville . Wer sie buche, bekomme auf jeden Fall keine unpolitische Show. »Übrigens, ich bin schwarz«, sagte Nura, die als Flüchtlingskind nach Deutschland kam: »Als ob ich nichts sagen würde. Wollt ihr mich verarschen oder was?« Andreas Gabalier dürfe auf dem Festival auftreten, sagte sie, »aber Alphaville nicht oder was? Pass mal auf, wie ich später in sein Backstage kacken werde, Alter.« Außerdem rief sie von der Bühne: »Fick die AfD und fick jeden, der was damit zu tun hat: Ich ficke euch alle! Ich bleib in diesem Land und hole noch 10.000 Afrikaner in dieses Land!« Offenbar an die Festivalveranstalter adressiert sagte sie noch: »Ihr habt euch die Scheiße hier hochgeholt, selber schuld, Alter. Dann ladet mich nicht ein.«
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden.
Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
DJ Felix Jaehn kündigte für seinen Auftritt am Samstag eine politische Botschaft von der Bühne an. Die Band Culcha Candela will sich auf dem Festival »notfalls mit Megaphonen« positionieren. Auch ihr Auftritt ist für Samstag vorgesehen.
Das Festival dauert bis Sonntag und ist nach Angaben der Veranstalter mit 250.000 Zuschauern ausverkauft. Lukas Podolski und Krampe organisieren es seit 2023.