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Amerikanischer „Gepard“ war kein Gepard, sondern ein Puma-Verwandter
Der sogenannte amerikanische Gepard war weder ein enger Gepardenverwandter noch überall auf schnelle Landbeute spezialisiert. Alte DNA ordnet Miracinonyx trumani stattdessen als Schwesterart des Pumas ein, während Isotopenwerte aus dem Yukon auf eine ungewöhnlich fischreiche Ernährung hindeuten. Einige nördliche Tiere fraßen demnach vor rund 31.000 Jahren wahrscheinlich überwiegend Wanderfische.
Santa Cruz (U.S.A.). Das Bild des „amerikanischen Geparden“ entstand vor allem durch seinen schlanken Körper und seine langen Beine, die Miracinonyx trumani wie ein nordamerikanisches Gegenstück zum heutigen Geparden erscheinen ließen. Daraus entwickelte sich auch die Vermutung, die ausgestorbene Katze habe vor allem schnelle Huftiere wie Gabelböcke über offenes Gelände verfolgt.
Neue Genomdaten zeichnen nun ein deutlich anderes Bild der Art und ihrer Lebensweise. Forscher der University of California, Santa Cruz (UC Santa Cruz) haben zusammen mit Kollegen Fossilien aus Wyoming und dem kanadischen Yukon genetisch und über stabile Isotope untersucht, wodurch sich Verwandtschaft und Ernährung gemeinsam rekonstruieren lassen.
„Es ist sehr schwer, sich eine prähistorische Art vorzustellen, die wir nie gesehen haben, ohne sie mit etwas zu vergleichen, das wir kennen. Aber dieser Ansatz kann unser Verständnis der Komplexität, der einzigartigen Evolutionsgeschichte und des Verhaltens alter Tiere einschränken“, sagt Molly Cassatt-Johnstone von der University of California, Santa Cruz (UC Santa Cruz).
Das Team sequenzierte alte DNA aus vier Fossilien, einem aus Wyoming und drei aus dem Yukon, und verglich das Erbgut von Miracinonyx anschließend mit dem von neun weiteren Katzenarten. Die Genomanalyse ordnet die ausgestorbene Katze als Schwesterart des Pumas ein, wobei sich beide Linien demnach vor rund 2,6 Millionen Jahren voneinander trennten.
Der gemeinsame Vorfahr von Miracinonyx und dem heutigen Geparden liegt mit rund 4,7 Millionen Jahren deutlich weiter zurück. Die gepardenähnliche Körperform ist damit ein Beispiel für konvergente Evolution, bei der ähnliche Lebensbedingungen unabhängig voneinander vergleichbare Merkmale hervorbringen können. Zugleich erweitern die Yukon-Fossilien das bislang bekannte Verbreitungsgebiet von Miracinonyx um mehr als 20 Breitengrade nach Norden bis in die Arktis.
Besonders auffällig ist die chemische Signatur der Yukon-Fossilien, denn Analysen stabiler Stickstoffisotope ordnen diese Tiere sehr weit oben in der Nahrungskette ein. Die Werte sind mit einer stark fischgeprägten Ernährung vereinbar und ähneln Mustern heutiger Raubtiere, die viele aquatische Beutetiere fressen. Beim untersuchten Tier aus Wyoming sprechen die Isotope dagegen für einen landlebenden Räuber, der vor allem Pflanzenfresser fraß.
„Diese Raubtierart hat ein riesiges Verbreitungsgebiet, das von der Arktis bis in die 48 zusammenhängenden US-Bundesstaaten reicht. Sie zeigen an zwei Enden ihres Verbreitungsgebiets eine extreme Spezialisierung und nutzen dabei zwei völlig unterschiedliche Nahrungsquellen“, sagt Matthew Wooller von der University of Alaska Fairbanks (UAF).
Welche Fischarten auf dem Speiseplan standen, lässt sich aus den Isotopen nicht unmittelbar bestimmen, auch wenn die Signale zu anadromen Fischen wie Lachsartigen passen. Offen bleibt zudem, ob Miracinonyx selbst Fische fing oder beispielsweise angeschwemmte und bereits tote Tiere nutzte, weshalb die Daten eine Nahrungsquelle, aber keine konkrete Jagdtechnik belegen.
Die Genome liefern außerdem Hinweise darauf, wie die Tiere auf regionale Umweltbedingungen reagiert haben könnten. Zwei Gene, die an der Steuerung zirkadianer Rhythmen beteiligt sind, waren bei Miracinonyx funktionslos, was die Forscher als mögliche Anpassung an extreme Hell-Dunkel-Zyklen hoher Breiten oder an eine nachtaktive Lebensweise diskutieren. Einen direkten Nachweis für diese Erklärung liefern die Genvarianten allein jedoch nicht.