// HEISE ONLINE — LINUX & OPEN SOURCE
ÖGD-Digitalisierung: Berlin setzt auf ÖGDigital, Frankfurt auf Open Source
Köln setzt künftig auf die quelloffene Frankfurter Gesundheitsamtssoftware GA-Lotse. Berlin schließt sich dagegen der ÖGDigital-Kooperation an.
This article is also available in
English.
It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.
Bei der Digitalisierung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) zeichnen sich zwei unterschiedliche Wege ab. Köln übernimmt künftig die in Frankfurt am Main entwickelte Open-Source-Software GA-Lotse. Berlin beteiligt sich unterdessen an der länderübergreifenden Kooperation „Einheitliches Digitales Ökosystem ÖGD“ (EDÖ²) mit Bayern und Baden-Württemberg, deren technische Grundlage die Plattform ÖGDigital bildet.
Mit Köln kommt GA-Lotse erstmals in einer Millionenstadt und außerhalb Hessens zum Einsatz. Die Software ist unter einer offenen Lizenz verfügbar und soll von den Gesundheitsämtern in Frankfurt und Köln gemeinsam weiterentwickelt werden. Das System besteht aus einem Basismodul und Fachmodulen, mit denen Gesundheitsämter Verwaltungs- und Fachprozesse auf einer gemeinsamen Plattform abbilden können. Offene Schnittstellen sollen den Datenaustausch erleichtern.
Der Ansatz folgt dem Prinzip „Public Money, Public Code“: Behörden können bestehende Module nutzen, an eigene Anforderungen anpassen und sich an der Weiterentwicklung beteiligen. Köln will GA-Lotse zudem mit der eigenen Software KISO für Hitzeschutz und Infektionsschutz verknüpfen. Perspektivisch sollen die erweiterten Module auch anderen Kommunen zur Verfügung stehen.
Berlin ist unterdessen zum 1. September der Kooperation von Bayern und Baden-Württemberg beigetreten. Die drei Länder wollen Fachanwendungen gemeinsam entwickeln und betreiben, um Doppelentwicklungen zu vermeiden und Kosten zu teilen. Als Basis dient ÖGDigital, das in Baden-Württemberg bereits landesweit verwendet wird und derzeit in Bayern eingeführt wird.
Die Länder versprechen sich von dem Zusammenschluss vor allem weniger parallele Entwicklungen, eine gemeinsame Priorisierung neuer Funktionen sowie geteilte Entwicklungs- und Betriebskosten. Berlin bringt dafür sein eigenes klientenzentriertes Fallbearbeitungssystem KliFaB ein. Es soll ab 2027 ältere, teils auf MS Access basierende Anwendungen in den zwölf Berliner Gesundheitsämtern ablösen und unter anderem Falldokumentation, Termin- und Dokumentenmanagement sowie Berichtswesen unterstützen.
Die beiden Wege unterscheiden sich vor allem bei Transparenz und Governance. Bei GA-Lotse liegen Quellcode und Lizenz offen; andere Behörden können die technische Grundlage nachvollziehen und unter den Lizenzbedingungen weiterverwenden. Bei ÖGDigital verweist Baden-Württemberg darauf, dass die Herausgabe des Quellcodes vertraglich abgesichert sei. Öffentlich zugänglich sind Code und Verträge jedoch bislang nicht. Das kann für die beteiligten Länder eine zentral organisierte Weiterentwicklung und klare Verantwortlichkeiten erleichtern, schränkt aber die unmittelbare unabhängige Nachnutzung durch Dritte ein.
Damit entstehen zwei unterschiedliche Modelle der Kollaboration: ein öffentlich zugänglicher Open-Source-Ansatz einerseits und eine institutionalisierte Länderkooperation andererseits.
Keine News verpassen! Jeden Morgen der frische Nachrichtenüberblick von heise online