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Wachsende Verschuldung: Dem Staat drohen gewaltige Zinskosten
Nicht nur die Staatsschulden steigen, auch die Zinszahlungen klettern neuen Berechnungen zufolge in den kommenden Jahren deutlich nach oben. Das vermindert den Spielraum für den Haushalt.
Steigenden Anleiherenditen kommen den deutschen Staat teuer zu stehen. Allein der Anstieg der Zinsen seit dem vergangenen Jahr wird die Steuerzahler in den kommenden fünf Jahren zusätzliche Zinszahlungen in Höhe von 58 Milliarden Euro kosten, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet. Das gehe aus einer Simulationsrechnung von Friedrich Heinemann vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hervor.
Dabei wurde angenommen, dass die Zinssätze dauerhaft auf dem aktuellen Niveau bleiben. Ein weiterer Anstieg um 100 Basispunkte könnte die Zinslast bis 2031 dagegen noch einmal um 71 Milliarden Euro steigen lassen. "Wir kommen wieder in eine Zeit steigender Zinslasten, wie wir sie zuletzt in den 1980er- und 1990er-Jahren hatten", sagt Heinemann.
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"Damals konnte man aus so etwas noch herauswachsen. Das geht jetzt nicht mehr", so der Mannheimer Ökonom mit Blick auf die schwache konjunkturelle Entwicklung. Zwar korrigierten die führenden Wirtschaftsinstitute ihre Prognosen für die deutsche Wirtschaft zuletzt spürbar nach oben. Doch die vergangenen Jahre waren geprägt von Rezession, Stagnation und Mini-Wachstum. Aus diesem Grund wird die Bundesregierung nach Einschätzung Heinemanns nicht daran vorbeikommen, Ausgaben zu kürzen.
Ansonsten setze Deutschland seinen guten Ruf an den Kapitalmärkten aufs Spiel, warnte der Experte. "Das Risiko ist enorm hoch, dass Deutschland sein AAA-Rating an den Finanzmärkten verliert." Er verwies darauf, dass bis Ende des Jahrzehnts die Staatsverschuldung auf rund 2.862 Milliarden Euro steigen werde. Das sind 1.000 Milliarden Euro mehr als noch im Jahr 2025.
"Wenn erst mal manifest wird, dass ein guter Teil dieser Neuverschuldung nicht für eine durchgreifende Erneuerung der deutschen Infrastruktur verwendet wird, dann ist das AAA-Rating ohnehin nicht mehr zu halten“, sagte Heinemann. Die Top-Note AAA signalisiert Investoren eine äußerst geringe Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls, wenn sie dem Staat Geld leihen. Dadurch kommt Deutschland vergleichsweise günstig an frisches Kapital.
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Trotz steigender Schulden und wachsender Zinskosten hat die Ratingagentur S&P die höchste Bonitätsnote für Deutschland im Frühjahr noch bestätigt, die europäische Ratingagentur Scope in der vergangenen Woche ebenfalls. "Die Ratings stützen sich auf eine wohlhabende, große und diversifizierte Volkswirtschaft, solide öffentliche Finanzen sowie eine starke externe Position", hieß es zur Begründung. Die Analysten erwarten allerdings, dass die deutsche Staatsverschuldung in den kommenden Jahren spürbar steigen wird.