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GTA 6 Disc-Verzicht: Wie Rockstar mit dem "Code in a Box" Leaks verhindert und Preise diktiert
Der rein digitale Launch bringt dem Publisher die absolute Kontrolle. Experten sind sich sicher: Der Gebrauchtmarkt soll gezielt ausgetrocknet werden.
Rockstar Games und Take-Two verzichten bei Grand Theft Auto 6 auf eine physische Version mit Disc, setzen stattdessen auf einen Download-Code in der Box. Ein schwerer Schlag für physische Medien und eine Tatsache, die manche Fans alles andere als erfreut.
Zwar gibt es offenbar noch ein Fünkchen Hoffnung auf eine spätere Disc-Version, doch zum Launch am 19. November 2026 geht ihr ohne Disc nach Hause.
Eine Frage wird sein, ob künftig noch mehr Hersteller diesem Beispiel folgen. Für Analysten ergibt dieser Schritt aus wirtschaftlicher Sicht jedoch Sinn für Rockstar. IGN hat sich dahingehend umgehört, zum Beispiel bei Mat Piscatella, Senior Director und Analyst bei Circana: "Der Rückgang der Ausgaben für physische Videospiele hält nun schon seit über einem Jahrzehnt an. Sowohl die PlayStation 5 als auch die Xbox-Series-Konsolen sind mittlerweile stark auf den digitalen Vertrieb ausgerichtet – die Xbox noch mehr als die PlayStation 5. Dieser digitale Wandel hat sich im Laufe der Zeit immer weiter verstärkt. Für mich ist das nur der nächste logische Schritt eines Trends, der schon seit den frühen 2010er-Jahren läuft."
"Es gibt ganz klar eine Gruppe von Spielern, die physische Medien bevorzugen, bei denen das Spiel tatsächlich auf einer Disc liegt", ergänzt er. "Aber in den USA besaß bis Ende Mai 2026 mehr als die Hälfte aller bisher verkauften Xbox-Series-Konsolen überhaupt kein optisches Laufwerk. Bei der PlayStation 5 machten die reinen Digital-Modelle knapp über ein Viertel aller bisherigen Verkäufe aus."
Die Gaming-Industrie führt seit über 15 Jahren einen stillen Krieg gegen den Gebrauchtmarkt, da Weiterverkäufe über Ketten wie GameStop keinen einzigen Cent an die Entwickler abwerfen. Nach gescheiterten Versuchen wie dem "Online Pass" in der PS3-Ära nutzt Rockstar nun die gewaltige Marktmacht von GTA 6, um physische Datenträger (und damit den Weiterverkauf) weiter aus dem Konsolen-Mainstream zu verbannen.
"Auch wenn der Digitalbereich den Löwenanteil ausmacht, entsprachen die restlichen 20 Prozent im vergangenen Jahr immer noch 70 Millionen verkauften Disc-Spielen auf der PlayStation – wobei diese Zahl durch Hardware-Bundles leicht nach oben verzerrt ist", gibt Daniel Ahmad, Director of Research and Insights bei Niko Partners, zu bedenken.
Besonders bei größeren Titeln bleibe es weiterhin wichtig, im Einzelhandel Präsenz zu zeigen. Das bedeutete aber eben nicht zwingend, dass dann auch eine Disc in der Verpackung liegen muss. "Angesichts der steigenden Akzeptanz von Downloads und dem Drang nach höheren Gewinnmargen werden in Zukunft immer mehr Publisher zu dem Schluss kommen, dass Ersteres völlig ausreicht", sagt Ahmad.
Durch den Verzicht auf eine Disc fallen einerseits die Produktionskosten dafür weg, was alleine schon für mehr Gewinne sorgt. Insofern ist es eine Sparmaßnahme, zugleich hat man durch den digitalen Vertrieb mehr Kontrolle über den Preis.
Effektiv gibt es dadurch für GTA 6 keinen Gebrauchtmarkt, wie Rhys Elliot, Head of Market Analysis bei Alinea Analytics, erklärt: "Der gesamte Mehrwert einer physischen Disc liegt aus Spielersicht auf dem Gebraucht- und Verleihmarkt: Ihr habt mehr Kontrolle über eure Bibliothek, könnt ein Spiel weiterverkaufen oder es euch günstig ausleihen. Mehr Kontrolle für euch bedeutet aber weniger Kontrolle für den Publisher. Eine Disc kann hundertmal weiterverkauft oder verliehen werden – Rockstar verdient nach dem ersten Verkauf keinen müden Cent mehr. Ein Code in der Box lässt sich weder verkaufen noch verleihen. Das zwingt die Leute entweder dazu, das Spiel zum vollen Preis neu zu kaufen, oder ganz darauf zu verzichten. Beides ist Rockstar wesentlich lieber als ein florierender Gebrauchtmarkt."