// HEISE ONLINE — SPAZIO & SCIENZA
Europa greift nach den Sternen: Wie die EU ihre Raumfahrt-Zukunft sichern will
Mit einem Milliarden-Finanzpaket und neuen Kooperationen rüstet sich Europa auf dem International Space Summit in Paris gegen die weltweite Konkurrenz im All.
Auf dem International Space Summit in Paris haben Politik, Forschung und Wirtschaft am Mittwoch und Donnerstag Weichen für die europäische Raumfahrt gestellt. Im Zentrum der Konferenz standen Umbrüche im Orbit: Der Weltraum wandelt sich rasant von einem wissenschaftlichen Forschungsfeld zu einem Wirtschaftsmarkt und Sicherheitsfaktor. Laut aktuellen Schätzungen wird sich die globale Weltraumwirtschaft bis 2035 auf rund 1,8 Billionen US-Dollar fast verdreifachen. Um in diesem dynamischen Umfeld nicht den Anschluss zu verlieren, setzt Europa auf eine Strategie aus Investitionen, Wettbewerb und technologische Souveränität.
„Die europäische Raumfahrt hat die nächste Stufe gezündet“, betonte Bundesministerin Dorothee Bär (CSU) vor Ort. Raumfahrt sei längst ein strategisches Forschungsfeld für Innovation, Sicherheit und Exploration. Deutschland unterstreiche seine Vorreiterrolle gemeinsam mit Partnern, was etwa der erfolgreiche Orbit-Flug der Spectrum-Rakete von Isar Aerospace gezeigt habe.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hob hervor, dass Entscheidungen der Vergangenheit über das Errichten von Satellitennetzwerken die Basis für den heutigen Wohlstand schaffen. Copernicus liefert frei zugängliche Daten zur Bekämpfung von Naturkatastrophen wie Waldbränden. Das Satellitennavigationssystem Galileo wird von über 4,5 Milliarden Geräten weltweit genutzt.
Gipfelteilnehmer aus den EU-Staaten, der ESA und der Wissenschaft bekannten sich zur Stärkung von Copernicus und unterzeichneten eine Vereinbarung, um wissenschaftliche Weltraumdaten weltweit frei, offen und nach gemeinsamen Standards zugänglich zu machen. Zum Absichern ihrer Rolle im All will die EU über den neuen Europäischen Wettbewerbsfonds im kommenden Langzeitbudget 131 Milliarden Euro für Verteidigung, Sicherheit und Raumfahrt bereitstellen – das Fünffache der bisherigen Mittel. Über Initiativen wie den Cassini-Investitionsfonds sollen zudem 2 Milliarden Euro Risikokapital an aufstrebende Raumfahrt-Start-ups fließen.
Ein zentrales Thema war die strategische Autonomie, die durch geopolitische Spannungen zunehmend unter Druck steht. Von der Leyen kündigte den beschleunigten Aufbau des europäischen Weltraumschildes sowie des hochsicheren Kommunikationsnetzes IRIS² an. Letzteres wird auf 348 Satelliten aufgestockt. Erste Starts sind ab 2029 geplant. Ergänzend sieht ein neuer EU Space Act vor, den Binnenmarkt für Satellitenkommunikation zu vereinheitlichen.
Im Fokus stand auch ein eigenständiger Zugang zum Weltraum. Vertreter des EU-Rates, der Kommission und der ESA-Mitgliedstaaten verständigten sich in einer Absichtserklärung auf eine langfristige Vision für die europäische Raumtransport-Infrastruktur bis 2045. Ziel ist ein autonomer, verlässlicher und kosteneffizienter Zugang zum All, bei dem die öffentliche Hand als Ankerkunde für kommerzielle Trägersysteme auftritt. Wie leistungsfähig die europäische Kooperation ist, bewies jüngst die Mondmission Artemis II: Das in Europa entwickelte und gebaute European Service Module (ESM) versorgte das Orion-Raumschiff während der Mondumrundung mit Energie, Wasser und Sauerstoff.
Auf industrieller Ebene kündigten Eutelsat und das französische Start-up Skynopy das Projekt Global Akar an. Dabei geht es um den Aufbau einer weltweiten, softwaredefinierten Bodeninfrastruktur. Durch die Kombination des Antennennetzwerks von Eutelsat mit der Steuerungssoftware von Skynopy sollen bis Ende 2029 über 100 Antennen betrieben werden. Das würde die Latenz bei der Datenübertragung von Satelliten im niedrigen Erdorbit von bisher knapp einer Stunde auf unter drei Minuten reduzieren und Datenraten von bis zu 10 Gbit/s ermöglichen.
Ein weiteres Signal setzt eine Partnerschaft zwischen Eutelsat und dem deutschen Raumfahrtunternehmen OroraTech. Es wird künftig bis zu 96 thermische Infrarot