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Seenotretter in England als Ziel rechter Anfeindung
Gegen die Ankunft von Flüchtlingen über den Ärmelkanal haben in England Hunderte protestiert. Nun wurde bekannt, dass sie Seenotretter angefeindet haben. Experten sehen eine neue Form rechter Mobilisierung.
Am vergangenen Sonntag hatten sich Hunderte Demonstranten in der südenglischen Hafenstadt Portsmouth versammelt. Sie blockierten die Straßen, um Busse mit Flüchtlingen zu stoppen, die kurz zuvor im Schlauchboot den Ärmelkanal überquert hatten. Dabei wurden Polizisten verletzt, Autos beschädigt und - wie sich später herausstellte - auch Seenotretter angegangen.
Ein Video etwa zeigt, wie Personen in einem Boot sich dem der RNLI nähern, der britischen Seenotrettungsorganisation, und deren Helfer als "Verräter" beschimpfen. Später wurden Fotos der Seenotretter im Internet geteilt, wo User dazu aufriefen, ihre Namen und Adressen bekannt zu machen und mit Gewalt drohten. Auch vor der Zentrale der RNLI in der Stadt Poole kamen Demonstranten zusammen. Sie werfen den Seenotrettern vor, illegale Migration zu unterstützen.
Von den Anwohnern in Poole gab es teils Verständnis für die Aktion: "Wir sorgen uns um unsere Gemeinden, die Zukunft unserer Kinder. Offene Grenzen sind einfach keine Lösung", sagt ein Mann. Und ein anderer glaubt: "Es gibt Menschen, die auf See wirklich in Gefahr sind, aber die RNLI kann ihnen wahrscheinlich nicht helfen, weil sie Migranten im Ärmelkanal aufgreift."
In Portsmouth haben Demonstranten teils gewaltsam versucht, die Weiterreise von Flüchtlingen zu verhindern.
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Diese Vorwürfe seien so nicht haltbar, sagt Peter Sparkes, Geschäftsführer der RNLI, die durch Spenden finanziert wird: "Wir sind letztes Jahr mehr als 9.000 mal von der Küstenwache beauftragt worden und ausgerückt. Nur 109 mal wegen Menschen in Not im Ärmelkanal." Das seien 1,2 Prozent der gesamten Rettungseinsätze. Fast 95 Prozent der Bootsflüchtlinge würden von der Grenzschutzbehörde aufgegriffen.
Zudem ging die Zahl der Bootsflüchtlinge deutlich zurück: Von Januar bis September 2026 kamen 43 Prozent weniger Menschen als im Vorjahreszeitraum. Doch Joe Mulhall, Forschungsleiter der Antirassismusorganisation "Hope not Hate", glaubt nicht, dass die Drahtzieher hinter den Protesten in Portsmouth - und tags zuvor auch in der Hafenstadt Dover - sich an diesen Zahlen orientierten.
Er sagt im Podcast "The News Agents": "Sie glauben, dass Großbritannien überrannt wird." Sie seien der Überzeugung, dass eine Masseninvasion stattfinde und dass der Staat, die Polizei sowie die französischen und britischen Behörden daran mitschuldig seien, sagt Mulhall. Diese Vorstellung sei bei den Menschen so tief eingeprägt, dass der Rückgang der Zahlen nichts ändern würde, glaubt er.
Die britische Regierung will mehr als 760 Millionen Euro - etwa für französische Sicherheitskräfte - bereitstellen.
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Mobilisiert hatte die Demonstranten der Brite Danny Thomas. Er ist ehemaliger Bodyguard des bekannten britischen Rechtsextremen Tommy Robinson und Anführer der neuen Gruppe "Patriot Platform". Auf deren Internetseite heißt es: Es brauche weniger Kommentatoren und mehr Menschen, die bereit seien zu handeln.