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Lukratives Sommergeschäft: Wie Geschäftemacher an Fake-Klimaanlagen verdienen
Jeden Sommer dasselbe Spiel: Werbebanner, Videos und Spam-Mails versprechen Linderung bei Hitze. Doch was – und wer – steckt dahinter?
(Bild: Alibaba / Shenzhen Jiaoyuanxin Technology Co., Ltd. / Bearbeitung heise medien)
Die Sommerhitze hat Europa fest im Griff. Aufgeheizte Innenräume sorgen nicht nur für Schweißperlen auf der Stirn, sie können auch gesundheitsschädlich sein. Da finden Klimaanlagen und andere Kühlgeräte reißenden Absatz. Aggressive Anzeigen auf Youtube und in Online-Magazinen bewerben Geräte wie Epicooler, Cooling Ace und Breezamax als „revolutionär“. Doch was davon kann wahr sein?
Vor allem die Videos versprechen Wundertaten, die mit den Gesetzen der Thermodynamik schwer in Einklang zu bringen sind. „Diese von der NASA entwickelte Klimaanlage kühlt dein Zimmer in 90 Sekunden herunter“, heißt es da und „beim ersten Test sank die Temperatur in unter 2 Minuten von 34 °C auf 17 °C“. Und das bei geradezu lächerlich niedrigem Stromverbrauch: „Die Leistung ist mit einer herkömmlichen Klimaanlage vergleichbar, aber er [sic!] verbraucht bis zu 90[]% weniger Strom“, behauptet eine KI-Stimme, während im Hintergrund vereiste Kupferspulen und diverse Raumfahrttechnologien auftauchen.
Das so beworbene Zaubergerät namens „Epicooler“ kostet knapp 140 Euro und ist laut verschiedener – natürlich frei erfundener – Testberichte in der Lage, ein Schlafzimmer im Spitzboden binnen 20 Minuten von 29 auf 23 Grad herabzukühlen. Ein herkömmliches Klimagerät, etwa eine Monoblock-Klimaanlage aus dem Baumarkt, genehmigt sich für vergleichbare Ergebnisse eine Stromaufnahme von etwa 700 Watt. Epicooler hingegen habe in acht Stunden Betriebszeit lediglich 0,38 kWh verbraucht, also lediglich 47 Watt Leistung geschluckt, behauptet das „Advertorial“.
Schwer vorstellbar, denn das entspräche bei vergleichbarer Kälteleistung einer Leistungszahl von über 40 – und das wäre effizienter als eine fest im Gebäude verbaute und entsprechend isolierte Klimalösung. Epicooler hingegen setzt auf eine spezielle „Luftführungs-Geometrie“ und könne so auf Kühlmittel verzichten. Der Energieerhaltungssatz ist für dieses Gerät offenbar optional und kein physikalisches Gesetz.
Auch andere Geräte wie Cooling Ace, Coolzy, BreezaMax Pro und AiraBreeze geizen nicht mit vollmundigen Versprechungen: Allesamt seien sie schneller und effizienter als herkömmliche Klimaanlagen, beliebt bei den Kunden und natürlich einfach in der Montage. Zumindest letzteres stimmt bisweilen, denn der BreezaMax etwa ist nichts weiter als ein Akku-Ventilator.
Der Epicooler und seine optischen Zwillingsbrüder Coolizi Coolzy sowie BrezyMaxx hingegen sind ganzjährig einsetzbar und können nicht nur kühlen, sondern auch heizen. Die Namen bergen einige Verwechslungsgefahren, was Absicht sein dürfte. Denn auch echte Klimaanlagen wie der 7000-BTU-Monoblock „Breezy Cool 2.0“ von Comfee heißen so ähnlich wie die wenig nützlichen China-Püster.
Bei der Recherche nach den wahren Herstellern der Geräte auf der Großhandelsplattform Alibaba fällt auf, dass es sich bei Epicooler offenbar nicht um ein Klimagerät, sondern um einen Heizlüfter mit 1.800 Watt Leistung handelt. Eines der Produktbilder von Alibaba findet sich in einem „Kundenbericht“ auf der Epicooler-Bestellseite wieder. Im „Kühlbetrieb“ schaltet Epicooler das PTC-Heizelement offenbar ab und wird zu einem Ventilator.
Der „Luftkühler der nächsten Generation zur Bekämpfung von Hitzewellen“ namens AiraBreeze („kleiner als eine Brotdose“, „98,7 Prozent weniger Stromverbrauch“) verfügt über einen Einfüllstutzen für Wasser, das dann mittels Kapillareffekt von einigen Lamellen aus Pappe oder Baumwolle aufgesogen wird und den Luftstrom des Mini-Ventilators durch Verdunstungskälte abkühlen soll. Das funktioniert in der Theorie, in der Praxis dürfte sich der Kühleffekt jedoch in Grenzen halten.