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Supernovae zeigen: Die Expansion des Universums beschleunigt sich weiter
Kosmische Entwarnung mit Vorbehalt: Eine Studie von 2025 stellte die beschleunigte Expansion des Universums infrage, weil Typ-Ia-Supernovae mit dem Alter ihrer Vorläufer systematisch anders leuchten sollten. Eine neue Analyse findet nach üblichen Korrekturen keinen signifikanten Rest-Effekt. Eine inzwischen veröffentlichte Gegenanalyse widerspricht jedoch, sodass die Methodendebatte weitergeht.
Southampton (England). Typ-Ia-Supernovae gehören zu den wichtigsten kosmischen Entfernungsmessern. Ihre Helligkeit lässt sich so standardisieren, dass Astronomen daraus Entfernungen und damit die Entwicklung der kosmischen Expansion ableiten können. Ende 2025 weckte jedoch eine neue Analyse Zweifel an diesem Verfahren und stellte sogar infrage, ob sich das Universum heute noch beschleunigt ausdehnt.
Der entscheidende Einwand betraf das Alter der Sternsysteme, aus denen die Supernovae hervorgehen. Je weiter Astronomen in den Kosmos blicken, desto weiter schauen sie zugleich in die Vergangenheit. Wenn jüngere Supernova-Vorläufer nach der üblichen Standardisierung systematisch anders leuchten als ältere, könnte sich dieser Unterschied mit der Entfernung verändern und damit kosmologische Messungen verzerren. Über diese Alterskorrektur und ihre Folgen berichtete scinexx bereits im November 2025.
Forscher der University of Southampton um Dr. Phil Wiseman haben die zugrunde liegenden Supernova-Daten nun erneut geprüft. Dazu verglichen sie die in der früheren Arbeit verwendeten Altersabschätzungen der Wirtsgalaxien mit neueren Hubble-Residualen aus Pantheon+. Ein Hubble-Residual beschreibt vereinfacht, wie stark die aus einer Supernova abgeleitete Entfernung von dem Wert abweicht, den ein kosmologisches Modell für ihre Rotverschiebung erwartet.
Dabei zeigt sich zunächst eine starke Verknüpfung zwischen Galaxienmasse und mittlerem Sternalter. In der untersuchten Stichprobe erreicht diese Korrelation eine Signifikanz von 8,8 Sigma. Genau deshalb ist die Unterscheidung wichtig: Moderne Supernova-Analysen korrigieren bereits für bekannte Zusammenhänge mit der Masse der Wirtsgalaxie und für Auswahlverzerrungen. Die 2025 verwendeten Helligkeitsreste enthielten diese Korrekturen nicht.
Vor den Korrekturen ergibt sich eine Steigung von rund −0,022 Magnituden pro Milliarde Jahre. Nach der Massen- und Bias-Korrektur sinkt sie auf −0,007 Magnituden pro Milliarde Jahre, mit einer Unsicherheit von +0,012 beziehungsweise −0,014. Der Rest-Effekt liegt damit unter einem Sigma und ist statistisch nicht signifikant. Für das Team spricht dies dagegen, dass der zuvor angenommene starke Alterstrend unberücksichtigt in heutigen Supernova-Distanzen steckt.
„Die früheren und allgemein anerkannten Messungen waren tatsächlich in Ordnung, und unser heutiges Verständnis vom Schicksal des Universums bleibt robust“, erklärt Dr. Phil Wiseman.
Das Team prüfte den behaupteten Alterseffekt außerdem mit Supernovae in unterschiedlich alten Wirtsgalaxien. Das Altersmodell von 2025 sagt für nahe passive und sternbildende Galaxien bei vergleichbarer Masse einen Helligkeitsunterschied von etwa 0,09 bis 0,18 Magnituden voraus. In den Daten des Dark Energy Survey liegt die gemessene Differenz dagegen nur bei 0,037 ± 0,020 Magnituden.
Auch dieser Test fällt damit deutlich kleiner aus als vom starken Altersmodell erwartet. Entscheidend ist, dass hier ältere und jüngere Sternpopulationen miteinander verglichen werden, ohne den Effekt einfach nur aus derselben Altersmessung abzuleiten. Die Autoren sehen darin einen unabhängigen Hinweis darauf, dass ein großer zusätzlicher Altersbias nicht sichtbar ist.
„Außergewöhnliche Behauptungen erfordern besonders sorgfältige Prüfungen“, sagt Prof. Adam Riess vom Space Telescope Science Institute (STScI).