// SCINEXX — SPAZIO & SCIENZA
Licht in der Nacht ist mit Herzveränderungen verbunden
Wer nachts regelmäßig Licht ausgesetzt ist, zeigt häufiger subtile Veränderungen an Herzstruktur und Herzfunktion. Eine große Beobachtungsstudie mit Daten der UK Biobank verbindet stärkere nächtliche Lichtexposition mit dickeren Herzwänden, ungünstigerer Muskelverformung und später höheren Risiken für mehrere Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ursache und Wirkung lassen sich aus den Daten jedoch nicht ableiten.
New Orleans (U.S.A.). Licht ist der wichtigste äußere Taktgeber unserer inneren Uhr. Fällt es nachts zur biologisch falschen Zeit auf die Netzhaut, kann es die Melatonin-Ausschüttung dämpfen, den Schlaf verkürzen und zirkadiane Rhythmen verschieben. Schon wenige Lux können bei empfindlichen Menschen ausreichen, wie frühere Untersuchungen zur Lichtempfindlichkeit der inneren Uhr gezeigt haben.
Dass nächtliche Helligkeit mit einem höheren Herz-Kreislauf-Risiko zusammenhängt, ist bereits aus Beobachtungsstudien bekannt. Unklar war bisher, ob sich dabei auch frühe Veränderungen am Herzen selbst erkennen lassen, bevor eine manifeste Erkrankung entsteht.
Forscher der Tulane University um Prof. Lu Qi haben dafür Daten von rund 11.000 Teilnehmern der UK Biobank ausgewertet. Die Probanden trugen zwischen 2013 und 2015 sieben Tage lang einen Sensor am Handgelenk, der neben Bewegung auch Licht erfasste. Etwa drei Jahre später wurde die Struktur und Funktion ihrer Herzen mit kardiovaskulärer Magnetresonanztomografie untersucht.
„Frühere Beobachtungsstudien haben nächtliche Lichtexposition mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht, aber über die damit zusammenhängenden Veränderungen von Struktur und Funktion des Herzens ist wenig bekannt. Wir haben diese Forschung durchgeführt, um herauszufinden, was im Laufe der Zeit mit dem Herzen geschieht, wenn Menschen nachts zu viel Licht ausgesetzt sind“, erklärt Prof. Lu Qi.
Entscheidend war die Zeit, in der die gemessene Helligkeit nachts über drei Lux lag. In der höchsten Expositionsgruppe waren es im Mittel rund 34 Minuten pro Nacht. Verglichen mit Teilnehmern ohne solche Lichtphasen war die auf die Körpergröße bezogene Masse der linken Herzkammer um 2,4 Prozent größer, die mittlere Wanddicke um 1,5 Prozent höher und die myokardiale Kontraktionsfraktion, ein Maß für die Kontraktionsleistung des Herzmuskels, um 1,9 Prozent niedriger.
Auch Messgrößen der Muskelverformung fielen ungünstiger aus. Veränderungen zeigten sich zudem an der rechten Herzkammer und am linken Vorhof. Die klassische Auswurffraktion der linken Herzkammer war dagegen nicht signifikant vermindert, und für den rechten Vorhof fanden die Forscher keine entsprechenden Zusammenhänge.
Die Zusammenhänge nahmen mit zunehmender nächtlicher Lichtexposition weitgehend linear zu. Kürzere Schlafdauer vermittelte statistisch je nach Herzmerkmal etwa 24 bis 49 Prozent der beobachteten Beziehungen. Das spricht dafür, dass gestörter Schlaf ein möglicher Teil des Zusammenhangs ist, erklärt aber nicht alle Unterschiede.
„Dies ist die erste Studie dieser Art, und sie zeigt, dass eine stärkere Lichtexposition in der Nacht mit einem kardialen Remodeling verbunden ist. Dabei verändern sich Struktur und Funktion des Herzens, was wir typischerweise als Reaktion auf chronischen Stress oder eine Schädigung des Herzens sehen. Das ist die Art und Weise, wie sich unser Körper an diesen Stress anpasst, aber letztlich schwächt es das Herz und kann zu Herzinsuffizienz führen“, erklärt Prof. Lu Qi.
Die Forscher untersuchten zusätzlich Herz-Kreislauf-Ereignisse in einer größeren Gruppe von 73.286 Teilnehmern. Über knapp acht bis rund zehn Jahre war eine hohe nächtliche Lichtexposition gegenüber keiner Exposition über drei Lux mit einem um 24 Prozent höheren Herzinfarktrisiko, 33 Prozent höheren Schlaganfallrisiko, 29 Prozent höheren Herzinsuffizienzrisiko, 15 Prozent höheren Vorhofflimmerrisiko und 26 Prozent höheren Risiko für einen kardiovaskulären Tod verbunden.