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Apotheken sollen stärker zu medizinischen Dienstleistern werden
Apotheken stecken mitten in einem großen Wandel. Ein neues Gesetz will sie stärker in die Patientenversorgung einbinden. Sie sollen "Gesundheitslotsen" werden und mehr Kompetenzen bekommen. Ist das die Zukunft?
Auf den ersten Blick ist sie eine Apotheke wie alle anderen, die Vital Apotheke in Bad Saulgau. Vielleicht etwas heller, etwas schicker, frisch renoviert. Apotheker Martin Buck steht hinter der Theke, räumt Medikamente ins Regal - und weiß doch, dass in diesen Medikamenten allein nicht die Zukunft seiner Apotheke liegt. "Ich glaube, dass es mittelfristig überlebenswichtig sein wird, dass wir uns weitere Standbeine erschließen, denn allein durch das Arzneimittelgeschäft wird die Apotheke vermutlich nicht überleben können", sagt er.
Etwa 80 Prozent ihres Umsatzes erwirtschaftet die Vital Apotheke mit verschreibungspflichtigen Medikamenten. Der Rest kommt durch den Verkauf von rezeptfreien Selbstmedikationen zusammen, also durch Vitamine, Hustensäfte oder Schmerzmittel.
Das dritte, neue Standbein der Vital Apotheke erschließt sich erst auf den zweiten Blick: Zwei kleine Behandlungsräume schließen sich an den Verkaufsraum an. In einem sitzt Schwester Raphaele, eine Ordensschwester der Franziskanerinnen. Sie will heute ihren Vitamin-D-Spiegel bestimmen lassen, ein kleiner Pieks in den Finger, 15 Minuten warten, dann ist alles vorbei. "Die Wartezeiten beim Arzt sind lang, und wenn die Apotheken das leisten können, finde ich das voll in Ordnung", sagt sie.
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Dass Apotheken zunehmend zu medizinischen Dienstleistern werden können, diesen Weg hat das Anfang Juli in Kraft getretene "Gesetz zur Weiterentwicklung der Apothekenversorgung (ApoVWG)" geebnet. Es schreibt den Apotheken neue Kompetenzen zu. So sollen die Pharmazeuten künftig mehr impfen und auch bestimmte Schnelltests durchführen dürfen. Sie sollen vermehrt bei der Früherkennung von Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen unterstützen. Und sie dürfen unter strengen Bedingungen bestimmte verschreibungspflichtige Medikamente für Chroniker ohne neues Rezept abgeben, wenn ein Engpass - etwa übers Wochenende - besteht.
"Wir finden das eine Riesenchance", sagt Tatjana Buck, die mit ihrem Mann gemeinsam die Vital-Apotheke in Bad Saulgau betreibt. "Wir haben auch Kunden, die keinen Hausarzt mehr haben, und dann können wir zwar keine medizinische Diagnose stellen, aber wir können zumindest erste Leitplanken setzen, wo geht es hin für mich."
Als "Lotsen" würden sich Apothekerinnen und Apotheker seit jeher verstehen, sagt sie. Nun sei ihnen in dieser Funktion noch mehr Kompetenz und Handlungsspielraum gegeben worden.
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21.08.2026