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Bund beginnt mit Aufbau von Lkw-Schnellladenetz entlang der Autobahnen
An 350 Autobahnstandorten sollen bis 2030 rund 4200 Ladepunkte entstehen. Aufträge für die erste Ausbaustufe mit 836 Ladepunkten sind vergeben.
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Das Bundesministerium für Verkehr (BMV) hat auf der IAA Transportation in Hannover den Beginn für den Aufbau eines bundesweiten Lkw-Schnellladenetzes bekannt gegeben. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger stellte das Vorhaben gemeinsam mit VDA-Präsidentin Hildegard Müller und dem BGL-Vorstandssprecher Prof. Dr. Dirk Engelhardt vor. Der Bund stellt für das Projekt rund eine Milliarde Euro bereit.
Das Netz soll bis 2030 rund 4200 Ladepunkte an etwa 350 Standorten entlang der Bundesautobahnen umfassen, davon rund 1800 Ladepunkte mit dem neuen Megawatt Charging System (MCS) und etwa 2400 mit dem Combined Charging System (CCS). MCS ermöglicht Ladeleistungen von über einem Megawatt und kann schwere Nutzfahrzeuge in 20 bis 45 Minuten aufladen. Die Infrastruktur ist sowohl auf schnelles Zwischenladen während Lenkpausen als auch auf Übernachtladen während längerer Ruhezeiten ausgelegt.
In einer ersten Ausbaustufe hat die Autobahn GmbH des Bundes Ende Juni 2026 Aufträge für 836 Ladepunkte an 124 unbewirtschafteten Rastanlagen vergeben, darunter 447 MCS- und 389 CCS-Ladepunkte. Die Vergabe erfolgte in fünf Losen an verschiedene Betreiber: die eliso Voltix Truck Charging GmbH, die autostrom.plus GmbH, die Electric Mobility Infrastructure Deutschland GmbH, die Bietergemeinschaft STRA-loaded sowie die Bietergemeinschaft E.ON Drive & mblty. Die Aufteilung auf fünf sich überlappende Lose soll eine bundesweite Flächenabdeckung sicherstellen und gleichzeitig durch mehrere Betreiber das Klumpenrisiko verringern.
Bilger betonte: „Der Hochlauf der E-Mobilität geht voran! Eine flächendeckende, bedarfsgerechte und nutzerfreundliche Ladeinfrastruktur für E-Lkw trägt maßgeblich dazu bei, dass Elektromobilität im Alltag von Transportunternehmen funktioniert.“ Die Ausschreibung für die zweite Ausbaustufe an rund 225 bewirtschafteten Rastanlagen sei bereits in Vorbereitung.
Ob alle 4200 Ladepunkte tatsächlich bis 2030 in Betrieb gehen, hängt wesentlich von Genehmigungsverfahren und dem Ausbau der Stromnetzanschlüsse ab. Die Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur prognostiziert für E-Lkw bis 2030 einen Ladeleistungsbedarf von knapp 14 Gigawatt. An hochfrequentierten Standorten wird laut einer Studie spätestens ab 2035 sogar ein Anschluss ans Hochspannungsnetz erforderlich. Dirk Brandenburger, Geschäftsführer Technik der Autobahn GmbH, verwies darauf, dass die Netzanschlüsse für die erste Ausbaustufe bereits 2024 beantragt worden seien.
Studien kommen zu unterschiedlichen Bedarfsschätzungen: Das Fraunhofer ISI geht im Basisszenario von mindestens 1000 bis 2000 öffentlichen Hochleistungs-Ladepunkten bis 2030 aus. Der VDA rechnet hingegen mit einem Bedarf von rund 4000 öffentlichen MCS-Ladepunkten allein in Deutschland, das geplante Bundesnetz deckt mit 1800 MCS-Ladepunkten also nur einen Teil des erwarteten Gesamtbedarfs ab. Zusätzliche Ladepunkte an Logistikzentren und Industriegebieten müssten von privater Seite entstehen. Bei einem schnelleren Markthochlauf könnte das Netz daher schon vor 2030 an seine Kapazitätsgrenzen stoßen.
Für Speditionen ist das Schnellladenetz ein entscheidender Faktor, ob sich batterieelektrische Lkw im Fernverkehr wirtschaftlich betreiben lassen. Mit einer verlässlichen Ladeinfrastruktur entlang der Hauptachsen können E-Lkw auf langen Strecken eingesetzt werden, ohne auf teure Rückfahrten zum Betriebshof angewiesen zu sein. VDA-Präsidentin Müller warnte, dass fehlende Infrastruktur den Absatz klimafreundlicher Fahrzeuge hemme und Herstellern wegen nicht erreichter CO₂-Flottenziele Strafzahlungen drohen könnten, obwohl die Fahrzeuge bereits verfügbar seien. Daimler Truck und der ACEA fordern auch deswegen eine Aufweichung der Regeln.
Passende Fahrzeuge werden auf der IAA Transportation bereits gezeigt: BYD präsentiert mit dem ET