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Wetterprognosen sind in ärmeren Ländern deutlich ungenauer
In Ländern mit niedrigem Einkommen sind Temperaturprognosen erheblich ungenauer als in reichen Staaten. Eine Sieben-Tage-Vorhersage in einem Land mit hohem Einkommen erreicht im Mittel etwa die Genauigkeit einer Ein-Tages-Prognose in einem Land mit niedrigem Einkommen, und die Kluft ist trotz weltweiter Fortschritte seit den 1980er-Jahren bestehen geblieben.
Frankfurt am Main (Deutschland). Verlässliche Wettervorhersagen helfen dabei, Ernten zu planen, Energie bereitzustellen und sich auf Hitze, Starkregen oder andere Gefahren vorzubereiten. Ihr Nutzen hängt jedoch entscheidend davon ab, wie gut Temperatur, Niederschlag und Luftdruck tatsächlich vorhergesagt werden.
Diese Qualität ist weltweit sehr ungleich verteilt, denn gerade ärmere Länder sind häufig stärker von wetterabhängiger Landwirtschaft und Klimarisiken betroffen, verfügen aber zugleich über schlechtere Prognosen. Damit kann eine technische Informationslücke bestehende wirtschaftliche Verwundbarkeit zusätzlich verstärken.
Forscher der Goethe-Universität Frankfurt um Manuel Linsenmeier haben gemeinsam mit einem Kollegen die Genauigkeit globaler Wetterprognosen über mehrere Jahrzehnte verglichen. Im Mittelpunkt stehen kurzfristige Vorhersagen der bodennahen Lufttemperatur für ein bis sieben Tage im Voraus. Als Maß nutzte das Team sogenannte Anomaliekorrelationen, die erfassen, wie gut eine Prognose Abweichungen vom jeweils üblichen Wettermuster trifft.
Der Unterschied zwischen den Einkommensgruppen fällt so deutlich aus, dass eine Sieben-Tage-Prognose in einem Land mit hohem Einkommen im Durchschnitt ungefähr so genau ist wie eine Ein-Tages-Prognose in einem Land mit niedrigem Einkommen. Ähnliche Muster finden die Autoren auch für Niederschlag und Luftdruck, wobei die Größenordnung je nach Wettervariable und Vorhersagezeitraum variiert.
Zwar sind die Vorhersagen seit 1985 weltweit kontinuierlich besser geworden, doch der Abstand zwischen reichen und armen Ländern blieb bestehen. In der zeitlichen Entwicklung liegt die Prognosegenauigkeit in Ländern mit niedrigem Einkommen nach der Analyse ungefähr zwei Jahrzehnte hinter derjenigen reicher Staaten zurück.
Ein Teil dieses Gefälles hängt nach der Analyse mit der Geografie zusammen, weil viele Länder mit niedrigem Einkommen in den Tropen liegen, wo kleinräumige und stark von Feuchtigkeit geprägte Wetterprozesse eine größere Rolle spielen. Solche Prozesse sind in globalen Modellen schwieriger abzubilden als großräumige Wettersysteme in den mittleren Breiten.
Diese natürliche Begrenzung erklärt die Unterschiede aber nur teilweise, denn die Daten verweisen zusätzlich auf deutliche Ungleichheiten bei der meteorologischen Beobachtungsinfrastruktur. In ärmeren Ländern gibt es weniger landgestützte Wetterstationen und Radiosonden, also Messgeräte, die mit Wetterballons Daten aus höheren Luftschichten liefern.
Hinzu kommt, dass vorhandene Messsysteme in Ländern mit niedrigem Einkommen seltener Daten melden, was für Prognosemodelle relevant ist, weil ihre Ausgangslage aus möglichst aktuellen und räumlich dichten Beobachtungen bestimmt wird. Weniger oder lückenhaftere Messwerte können deshalb eine ohnehin schwierigere Vorhersagesituation weiter verschlechtern.
Die Studie findet außerdem Hinweise auf Unterschiede bei den nationalen Wetterdiensten, die häufig globale Modellprognosen übernehmen, regional anpassen und daraus lokale Produkte aufbereiten. Berichte an die Weltorganisation für Meteorologie deuten darauf hin, dass Länder mit hohem Einkommen deutlich häufiger offizielle Vorhersagen für ihre Hauptstädte bereitstellen als Länder mit niedrigem Einkommen.