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Plastikmüll erreicht selbst entlegene Tiefsee-Canyons
Fernab der Küste und mehrere Kilometer unter der Meeresoberfläche finden sich noch Spuren menschlicher Aktivitäten. Im Mar-del-Plata-Canyon vor Argentinien hat ein Forschungsteam 29 menschengemachte Gegenstände entdeckt, 27 davon aus Plastik. Die Funde reichen bis in 3.814 Meter Tiefe und häufen sich an bestimmten Stellen des Unterwasser-Canyons.
Buenos Aires (Argentinien). Die Tiefsee galt lange als weitgehend abgeschirmt von menschlichen Einflüssen. Doch Müll aus Kunststoff und Fischereimaterial erreicht auch weit entfernte Meeresböden. Besonders Unterwasser-Canyons können Material mit Strömungen aufnehmen, weitertransportieren und an ihren Hängen oder in ihrer Talsohle festhalten.
Für den südwestlichen Atlantik gab es bislang nur wenige direkte Beobachtungen. Der Mar-del-Plata-Canyon vor Argentinien liegt rund 250 Kilometer von der Küste entfernt und reicht mehrere Kilometer in die Tiefe. Eine neue Untersuchung zeigt nun, dass selbst dieser abgelegene Lebensraum nicht frei von menschlichem Abfall ist.
Forscher des Museo Argentino de Ciencias Naturales „Bernardino Rivadavia“ (MACN) um Dr. Diego Urteaga haben dafür Videoaufnahmen des ferngesteuerten Tauchroboters SuBastian ausgewertet. Während 17 Tauchgängen im Juli und August 2025 entstanden rund 240 Stunden Bildmaterial aus Tiefen zwischen 878 und 3.820 Metern. Erfasst wurden nur Gegenstände, die sich eindeutig als menschengemacht erkennen ließen.
Bei zehn der 17 Tauchgänge dokumentierte das Team insgesamt 29 Müllobjekte in Tiefen zwischen 1.120 und 3.820 Metern. 27 bestanden aus Kunststoff, zwei aus Gummi. Darunter waren Plastiktüten, Lebensmittelverpackungen, unbekannte Kunststofffragmente sowie Leinen, Seile und andere Teile aus der Fischerei. Zu den auffälligeren Funden gehörten auch ein Gummistiefel und ein Arbeitshandschuh.
Der Müll war nicht gleichmäßig verteilt, sondern bildete mehrere lokale Ansammlungen entlang der Canyonwände und der Talsohle. Einige Stücke waren bereits teilweise im Sediment vergraben, andere lagen frei auf dem Boden, klemmten zwischen Felsen oder trieben knapp darüber. Der tiefste Fund war eine Verpackung in 3.814 Metern Tiefe nahe der Mitte des Canyons.
Die Verteilung spricht dafür, dass die Topografie und die Strömungsverhältnisse im Canyon den Transport und die Ablagerung beeinflussen. Da der Mar-del-Plata-Canyon vom Kontinentalschelf abgetrennt und weit von der Küste entfernt liegt, halten die Autoren direkte Einträge aus städtischen Küstengebieten für weniger wahrscheinlich. Zusammensetzung und Lage des Mülls deuten stattdessen vor allem auf Aktivitäten auf See hin, insbesondere auf die Fischerei. Andere Quellen wie Schifffahrt oder über weite Strecken transportierter Abfall lassen sich jedoch nicht ausschließen.
Bei sieben der 29 Müllobjekte beobachteten die Forscher Tiere. Sessile Organismen, die dauerhaft an einem Untergrund sitzen, hatten sich unter anderem an teilweise vergrabenen Plastikteilen und Fischereileinen angesiedelt. Daneben fanden sich mobile Tiere wie Krebstiere oder Seesterne in unmittelbarem Kontakt mit dem Abfall.
Solche Beobachtungen bedeuten nicht, dass Plastik einen nützlichen Ersatzlebensraum schafft. Stabil liegende Abfälle können zwar zu künstlichen Hartsubstraten werden, an denen sich Organismen anheften. Gleichzeitig können sie die Struktur des Lebensraums und ökologische Wechselwirkungen verändern. Besonders bewegliche Kunststoffteile könnten zudem Organismen oder deren Entwicklungsstadien weitertragen, wobei die Folgen für die Tiefsee noch nicht ausreichend geklärt sind.
Im Vergleich zu einigen anderen untersuchten Unterwasser-Canyons war die beobachtete Müllmenge relativ gering. Trotzdem zog sich der Abfall durch weite Teile des untersuchten Systems und bildete mehrere kleine Hotspots. Die Autoren werten dies als Hinweis darauf, dass menschliche Aktivitäten selbst abgelegene Tiefseegebiete erreichen, die lange als weitgehend unberührt galten.