// EUROGAMER.DE — GAMING
The Blood of Dawnwalker: Umstrittene Zeitmechanik kehrt im Sequel womöglich nicht zurück
Director Konrad Tomaszkiewicz äußert sich zur harschen Kritik am Zeitlimit des Rollenspiels. Fans nutzen sogar Mods, um den stetigen Druck zu umgehen.
Konrad Tomaszkiewicz, der Director von The Blood of Dawnwalker, hat mir verraten, dass die umstrittene Zeitmechanik des Spiels nicht zwingend in einem Nachfolger zurückkehren wird. Diese Mechanik gibt euch nur ein begrenztes Zeitfenster, um eure Familie zu retten, und versieht jede Quest sowie wichtige Aktion mit bestimmten Zeitkosten.
In einem Interview habe ich Tomaszkiewicz gefragt, ob die Zeitmechanik zentral für die Identität von Dawnwalker als Serie ist. Das Entwicklerstudio Rebel Wolves hat bereits offen darüber gesprochen, weitere Spiele entwickeln zu wollen. Tomaszkiewicz ist sich jedoch nicht sicher, ob die Zeitmechanik ihr Comeback feiern wird.
"Um ehrlich zu sein, haben wir das noch nicht entschieden", erklärte Tomaszkiewicz. "Wir werden damit experimentieren. Wenn wir Teile der Geschichte oder eine ganze Handlung haben, zu der es passt, werden wir es nutzen. Haben wir Geschichten, bei denen es nicht passt, erzwingen wir es nicht. Wir werden mit diesem System spielen und versuchen, die Dringlichkeit bestimmter Ereignisse im Spiel damit zu verstärken. Ich sage aber nicht, dass wir in jedem Spiel das gleiche Schema oder den gleichen Loop haben werden – so ist es nicht."
"Wir ziehen auch andere verrückte Ideen in Betracht und recherchieren in verschiedene Richtungen, um das RPG-Genre weiterzuentwickeln und die Leute in Zukunft zu überraschen", fügte er hinzu.
Konrad Tomaszkiewicz erlangte als Game Director des Meisterwerks The Witcher 3: Wild Hunt weltweite Bekanntheit. 2022 gründete er mit weiteren ehemaligen Entwicklern von CD Projekt Red das neue Studio Rebel Wolves, um Dark-Fantasy-RPGs zu erschaffen.
In The Blood of Dawnwalker bleiben euch genau 30 Tage und Nächte, um eure Familie aus den Fängen des Vampir-Antagonisten Brencis zu befreien. Eine in Segmente unterteilte Zeitleiste füllt sich, sobald ihr Quests abschließt oder deren nächste Phase erreicht. Dasselbe passiert, wenn ihr Punkte in bestimmte Skills investiert. Die Zeit verrinnt jedoch nicht einfach so, während ihr die Welt erkundet oder euch mit kleineren Feinden wie Wölfen anlegt. Ihr müsst die Zeit schon ganz bewusst voranschreiten lassen.
Dennoch spaltet diese Mechanik seit ihrer Ankündigung die Gemüter. Viele RPG-Fans betonen, dass sie sich in einem Spiel nicht gehetzt fühlen wollen. Andere stört es, ein Spiel mehrfach durchspielen zu müssen, um wirklich alle Inhalte zu sehen – das typische Completionist-Mindset. Die vor dem Release beliebteste Mod entfernte die Mechanik sogar komplett.
"Es gibt viele Beschwerden über die Zeitmechanik", räumte Tomaszkiewicz ein. "Es gibt zwei Lager, die sich deswegen in die Haare kriegen. Das ist unser Alleinstellungsmerkmal, und ich weiß von den Mods, [die die Zeitmechanik entfernen]. Wenn jemand mit einer solchen Mod spielen will, ist das völlig in Ordnung. Ich möchte die Leute jedoch ermutigen, unsere Version auszuprobieren. Wir haben das System so ausbalanciert, dass man trotz der Zeitmechanik rund 80 Prozent des Contents erleben kann. Es ist also gar nicht so dramatisch."
"Das Argument 'Ich will in einem Playthrough alles sehen' verstehe ich zwar, aber es ist von vornherein falsch. Selbst in Spielen wie The Witcher kann man in einem Durchlauf nicht alles sehen. Dort gibt es Entscheidungen und Konsequenzen, und es passieren unterschiedliche Dinge, je nachdem, was man wählt. Die Zeitmechanik trägt auf gewisse Weise dazu bei, aber ich glaube nicht, dass das allzu stark ins Gewicht fällt." Selbst wenn ihr die Zeitmechanik also deaktiviert, werdet ihr nicht zwangsläufig alles sehen.