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Einfache Ernährungsumstellung senkt Altersmarker in nur vier Wochen
Schon vier Wochen kontrollierter Ernährung haben bei älteren Menschen biomarkerbasierte Schätzwerte ihres biologischen Alters in Richtung jünger verschoben. Am deutlichsten war der Unterschied bei einer omnivoren, fettärmeren und kohlenhydratreicheren Kost. Die Studie belegt jedoch keine echte Verjüngung, weil die Messwerte auch kurzfristige Reaktionen von Stoffwechsel, Kreislauf und Entzündung widerspiegeln können.
Sydney (Australien). Das biologische Alter soll erfassen, wie stark physiologische Merkmale vom für ein bestimmtes Lebensalter typischen Zustand abweichen. Anders als das Kalenderalter beruht es auf veränderlichen Messwerten wie Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin oder Entzündungsmarkern und kann deshalb auch kurzfristig reagieren.
Gerade darin liegt ein Interpretationsproblem. Ein niedrigerer Schätzwert kann einen günstigeren physiologischen Zustand anzeigen, muss aber nicht bedeuten, dass grundlegende Alterungsprozesse dauerhaft verlangsamt oder umgekehrt wurden.
Forscher der University of Sydney (USYD) um Dr. Caitlin Andrews haben Daten aus der randomisierten Nutrition-for-Healthy-Living-Studie mit 104 Männern und Frauen im Alter von 65 bis 75 Jahren ausgewertet. Die Teilnehmer erhielten vier Wochen lang sämtliche Mahlzeiten geliefert und durften aus den vorgegebenen Menüs ohne feste Kalorienobergrenze essen.
Alle vier Kostformen lieferten 14 Prozent der Energie als Protein. Bei den omnivoren Varianten stammte die Hälfte des Proteins aus tierischen Quellen, bei den semi-vegetarischen Varianten kamen 70 Prozent aus Pflanzen. Zusätzlich unterschieden sich die Menüs beim Verhältnis von Fett und Kohlenhydraten. Die fettreicheren Varianten lieferten 37 bis 41 Prozent der Energie aus Fett und 41 bis 43 Prozent aus Kohlenhydraten, die fettärmeren Varianten 28 bis 29 Prozent Fett und 53 Prozent Kohlenhydrate.
Vor und nach der Intervention berechnete das Team das physiologische Alter mit zwei Varianten der Klemera-Doubal-Methode (KDM). KDM-S kombiniert sieben altersabhängige Messgrößen, KDM-M insgesamt 15. Als Vergleichsbasis dienten Daten einer großen US-Gesundheitsstudie. Der daraus berechnete Wert δAge beschreibt die Differenz zwischen dem KDM-Schätzwert und dem kalendarischen Alter, wobei negativere Werte einem im Referenzvergleich jüngeren physiologischen Profil entsprechen.
Bei der omnivoren, fettreichen Kost, die den Ausgangsgewohnheiten der Teilnehmer am ähnlichsten war, veränderte sich δAge im Mittel nicht bedeutsam. In den drei anderen Gruppen verschoben sich die Werte dagegen nach unten. Am klarsten war der Unterschied bei der omnivoren, kohlenhydratreicheren und fettärmeren Kost.
Nach Berücksichtigung der Ausgangswerte lag δAge in dieser Gruppe je nach KDM-Variante um rund 3,5 beziehungsweise 4,1 Jahre niedriger als in der omnivoren fettreichen Vergleichsgruppe. Beide Unterschiede waren statistisch signifikant. Die semi-vegetarische fettreichere Gruppe erreichte nur mit KDM-S die Signifikanzschwelle, während die semi-vegetarische kohlenhydratreichere Gruppe in beiden Berechnungen darunter blieb. Die Jahresangaben beschreiben damit einen Gruppenunterschied in einem Rechenindex und keine gemessene Verjüngung einzelner Menschen um vier Jahre.
„Längerfristige Ernährungsänderungen sind nötig, um zu beurteilen, ob Ernährungsänderungen das Risiko altersbedingter Krankheiten beeinflussen“, erklärt Alistair Senior von der USYD.
Die KDM-Werte bündeln Messgrößen aus Stoffwechsel, Herz-Kreislauf-System und Entzündung. Solche Werte können sich durch Ernährung, Bewegung, Stress oder Medikamente vergleichsweise schnell verändern. Die Studie kann deshalb nicht trennen, ob die vierwöchige Kost eine vorübergehende physiologische Reaktion ausgelöst hat oder tatsächlich den Beginn einer dauerhaft günstigeren Alterungsentwicklung erfasst.