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Kenias Präsident setzt auf Stimmung gegen Migranten
Weit mehr als 10.000 Menschen aus Burundi haben in Kenia Zuflucht gefunden, oft halten sie sich mit kleinen Jobs über Wasser. Doch viele denken über eine Rückkehr nach, denn die Regierung macht Stimmung gegen sie. Warum tut sie das?
Pierre steht mit seinem kleinen Stand am Rand einer großen Ausfallstraße in Nairobi. Seinen echten Namen möchte er nicht veröffentlicht wissen. Pierre stammt aus Burundi, ist 19 Jahre, arbeitet seit zwei Jahren in der kenianischen Hauptstadt. Sein Heimatland ist eines der ärmsten der Welt. Daheim, sagt Pierre, finde er "keine ordentliche Arbeit". Er wolle aber selbst für seinen Lebensunterhalt aufkommen, deshalb suche er nun in Kenia ein besseres Leben.
In Nairobi verkauft Pierre Snacks - Würstchen, Fladenbrote, hartgekochte Eier. Damit verdient er umgerechnet rund drei Euro am Tag. An diesem Tag ist er hier der einzige Händler aus Burundi. Viele andere trauen sich derzeit nicht auf die Straße. Sie haben Angst vor Anfeindungen oder Überfällen.
Auch Pierre sagt, er sei bereits attackiert worden: "Leute, die hier vorbeigegangen sind, haben mich bedroht. Sie sagen, dass wir Leute aus Burundi ihnen nicht die Jobs wegnehmen sollen. Einige haben versucht, mich auszurauben."
Auch eine Arbeit, die Migranten aus Burundi verrichten: Dieser Mann wäscht Pkw in einer Autowaschanlage in Nairobi.
Auslöser dieser Anfeindungen sind Äußerungen des kenianischen Präsidenten William Ruto. Er hatte erklärt, es werde nicht länger geduldet, dass ausländische Händler oder Straßenverkäufer ohne Arbeitserlaubnis in Kenia Geschäfte tätigen. Der Kleinhandel solle stärker den Kenianern vorbehalten sein.
Im Parlament gibt es derzeit einen Gesetzesentwurf, der darauf abzielt, ausländische Unternehmen, die in Kenia tätig sind, dazu zu zwingen, lokale Lieferanten und Mitarbeiter zu bevorzugen. Ruto betont, dass der Entwurf auch vorsehe, "dass es bestimmte Geschäfte gibt, die Ausländer hier in Kenia nicht machen dürfen".
Die erste Amtszeit von Präsident Ruto verläuft schwierig. Vor allem die wirtschaftliche Entwicklung bereitet vielen Kenianern Sorge.
In rund einem Jahr wird in Kenia ein neuer Präsident gewählt, und schon jetzt steigt der Druck auf Ruto. Vertreter kenianischer Handelsverbände beklagen steigende Steuern und Geschäftskosten.
Die Wirtschaft befindet sich in einer Flaute. Das Wachstum liegt zwar bei knapp fünf Prozent, aber die Inflation ist mit rund acht Prozent recht hoch. Zudem leidet Kenia seit Jahren unter einer sehr hohen Staatsverschuldung - sie beträgt rund 65 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Deshalb verfügt der Staat nur begrenzt über neue Investitionsmittel.