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„TI stürzt unangenehm oft ab“: Hoffnung auf Umbau der Gesundheitsdatenautobahn
Die Gematik räumt ein, dass die Telematikinfrastruktur oft ausfällt. Mit einem Umbau zur TI 2.0 mit weniger Komplexität und neuen Diensten soll sich das ändern.
Florian Hartge, ein Geschäftsführer der Gematik, auf der KH-IT-Tagung.
Die Gematik bewertet den Zustand der Telematikinfrastruktur (TI) schon länger selbstkritisch und blieb dieser Linie auch auf der Jubiläumstagung des Bundesverbands der Krankenhaus-IT-Leiterinnen und -Leiter (KH-IT) in Berlin treu. „Die TI stürzt unangenehm oft ab. Das macht uns überhaupt gar keinen Spaß“, sagte Dr. Florian Hartge von der Gematik. Die Digitalagentur des Gesundheitswesens benennt die Probleme klar und leitet daraus konkrete Umbaupläne ab.
Hartge untermauerte den bisherigen Erfolg zunächst mit Zahlen: über 1,5 Milliarden eingelöste E-Rezepte, fast eine Milliarde Nachrichten über KIM, rund 83.000 Einrichtungen, die elektronische Rezepte ausstellen. „Das sind fast alle, die das rechnerisch eigentlich können sollten.“ Bei der elektronischen Patientenakte (ePA) seien knapp 160.000 Institutionen angebunden, allein in der Vorwoche seien 2,6 Millionen Dokumente hochgeladen worden. Ausgegeben wurden bislang 5,8 Millionen GesundheitsIDs – hier räumte Hartge ein, man sei „bei weitem noch nicht da, wo wir hinwollen“.
Mit mehr Aktivität, mehr Diensten und mehr Teilnehmern nehme die Anzahl kritischer Fehler zu – nach Hartges Beschreibung nicht linear, sondern „annähernd exponentiell“. Diesen Zustand bezeichnete er als unhaltbar; das sähen auch die Gesellschafter so.
Die Folgen treffen die Praxis hart. Apotheken meldeten, dass sie einen ganzen Freitag lang keine Rezepte ausgeben konnten – für die Betriebe ein handfester wirtschaftlicher Verlust. Sogar die Bild-Zeitung berichtete, dass beim Vertrauensdienstanbieter D-Trust Störungen auftraten, bei der Institutionskarten (Security Module Card Typ B, SMC-B) ausfielen und Apotheken bundesweit E-Rezepte nicht einlösen konnten. Apotheken mussten Kunden wegschicken. Einen Grund für die Störung hat D-Trust bisher nicht genannt.
Die Zahlen aus einem internen Strategiepapier der Gematik stützen den Befund: 2025 war die Nutzung von TI-Anwendungen im Schnitt 25-mal pro Monat beeinträchtigt, 162 Störungen betrafen die ePA, 164 das E-Rezept.
Als Ursache benennt Hartge die gewachsene Komplexität. Anhand einer Service-Map zeigte er, wie viele Dienste und Komponenten ineinandergreifen müssen, damit eine einzige Funktion gelingt. Bei technischen Operationen seien es 17 Schritte, um ein E-Rezept einzustellen, um es einzulösen sogar noch mehr. Fällt einer davon aus, gibt es kein Rezept.
Die Architektur stammt noch aus den 2000er-Jahren: ein geschlossenes Netz mit Konnektoren als VPN-Brücke, zertifizierten Kartenlesegeräten und kartenbasierten Identitäten. „Das würde man vielleicht heute nicht mehr so machen“, sagte Hartge. Hinzu kommt das Tempo: Für ein neues ePA-Release brauche man derzeit bis zu zwei Jahre. Bei dieser Geschwindigkeit sei man mit der Wunschliste der Medizinerinnen und Mediziner „vielleicht 2035 fertig“. Und: „Das ist nicht unser Zielhorizont.“
Die Komplexitätskritik ist bei der Gematik nicht neu. Geschäftsführer Dr. Florian Fuhrmann hatte bereits 2025 auf der „Digital Health Conference“ des Bitkom erklärt, die „schiere Masse an Systemen“ mache die Arbeit der Gematik schwieriger.