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Europas Kinder von heute erleben fast doppelt so viel Feuerwetter wie Großeltern
Feurige Zukunft: Wer 2025 in Europa geboren wird, könnte im Lauf seines Lebens mehr als drei zusätzliche Jahre mit extremem Feuerwetter erleben als ein 1950 Geborener. Die neue Modellstudie kommt für den heutigen Jahrgang damit auf rund 84 Prozent mehr Belastung. Besonders groß ist der Unterschied im Mittelmeerraum, doch geringere Erwärmung würde ihn deutlich verkleinern.
Brüssel (Belgien). Feuerwetter bezeichnet heiße, trockene und windige Bedingungen, unter denen Vegetation leichter entzündet wird und Brände sich schneller ausbreiten. 2025 überschritt die verbrannte Fläche in der Europäischen Union erstmals seit Beginn der EFFIS-Satellitenreihe 2006 eine Million Hektar. Solche Brandjahre zeigen, welche Folgen günstige Wetterbedingungen für Feuer haben können.
Dabei ist Feuerwetter nicht mit tatsächlich brennender Fläche gleichzusetzen. Ob ein Feuer ausbricht und wie groß es wird, hängt zusätzlich von Zündquellen, Brennstoff, Landnutzung und Brandmanagement ab. Die neue Studie fragt deshalb nicht nach künftigen Brandflächen, sondern nach der Lebenszeit, die verschiedene Generationen unter meteorologisch extrem brandfördernden Bedingungen verbringen könnten.
Forscher der Vrije Universiteit Brussel (VUB) um Rosa Pietroiusti haben dafür Klimaprojektionen mit Bevölkerungsdaten und der Lebenserwartung verschiedener Geburtsjahrgänge verbunden. Die Klimadaten stammen aus einem Ensemble globaler Modelle, die für Europa auf eine räumliche Auflösung von 0,1 Grad heruntergerechnet und an Referenzdaten angepasst wurden. Untersucht wurden Geburtsjahrgänge von 1950 bis 2025 unter unterschiedlichen Erwärmungspfaden.
Als extremes Feuerwetter wertete das Team Tage, an denen der Fire Weather Index das örtliche 95. Perzentil des Referenzzeitraums 1985 bis 2014 überschreitet. Der Index kombiniert unter anderem Temperatur, Luftfeuchte, Niederschlag und Wind und beschreibt damit meteorologische Bedingungen, die Feuer begünstigen. Für jede Region summierten die Forscher solche Tage über die erwartete Lebenszeit der jeweiligen Jahrgänge.
Unter den gegenwärtig umgesetzten Klimapolitiken, die in der Studie einem Pfad mit rund 2,6 Grad globaler Erwärmung bis 2100 entsprechen, kommt ein 2025 in Europa geborenes Kind im Mittel auf mehr als drei zusätzliche Jahre extremes Feuerwetter gegenüber einem 1950 Geborenen. Das entspricht der veröffentlichten Fassung zufolge einem Anstieg um rund 84 Prozent. Etwa 86 Prozent dieses Zuwachses schreiben die Autoren dem Klimawandel zu und den kleineren Rest der längeren Lebenserwartung.
Diese zusätzlichen Jahre sind keine zusammenhängenden Zeiträume. Gemeint ist die Summe einzelner Tage mit extremem Feuerwetter über ein ganzes Leben. Gerade diese kumulative Betrachtung macht sichtbar, wie stark sich die Belastung zwischen Generationen verschiebt.
Die größten Unterschiede ergeben sich im Mittelmeerraum. Dort könnten 2025 Geborene je nach Region bis zu zweieinhalbmal so viel extremes Feuerwetter erleben wie der Jahrgang 1950. In besonders betroffenen Gebieten summiert sich der Unterschied auf mehr als fünf zusätzliche Lebensjahre mit solchen Bedingungen.
Portugal zeigt die Größenordnung besonders deutlich. Im früheren Referenzklima von 1950 bis 1970 traten dort im Mittel etwa 14 extreme Feuerwettertage pro Jahr auf. Bis 2100 steigt dieser Wert im aktuellen Politikpfad der Studie auf rund 32 Tage. Für einen 2025 in Portugal Geborenen ergeben die Modellrechnungen über die gesamte Lebenszeit etwa 6,5 Jahre extremes Feuerwetter.
Auch innerhalb einzelner Länder ist die Belastung ungleich verteilt. Im Nordosten Portugals liegt die projizierte Lebenszeitexposition des Jahrgangs 2025 stellenweise beim bis zu 2,5-Fachen des Jahrgangs 1950. Analysen mit festen Schwellenwerten des Fire Weather Index ergaben dasselbe Grundmuster, wobei Südeuropa wegen seines ohnehin heißeren und trockeneren Klimas besonders hervorsticht.