// SCINEXX — SPAZIO & SCIENZA
USA planen für Ende 2028 den Start eines Weltraum-Kernreaktors
Die USA wollen ab 2028 Kernreaktoren im All einsetzen und treiben dafür mehrere Programme parallel voran. Das Unternehmen Antares wurde nun für ein 161-Millionen-Dollar-Programm ausgewählt, das den Mikroreaktor R1-S vom Bodentest bis zur Integration in ein Raumfahrzeug führen soll. Ein Starttermin für diesen Reaktor ist bislang jedoch nicht genannt.
Torrance (U.S.A.). Solaranlagen liefern Raumsonden zuverlässig Strom, stoßen aber bei großen Entfernungen von der Sonne, langen Schattenphasen oder stark wachsendem Leistungsbedarf an Grenzen. Kompakte Kernreaktoren könnten dagegen über Jahre hinweg unabhängig von der Sonneneinstrahlung elektrische Energie bereitstellen und damit leistungsstärkere Antriebe und Instrumente versorgen.
Eine im April 2026 erlassene nationale Initiative setzt dafür einen engen Zeitrahmen. Nach dieser Vorgabe sollen Kernreaktoren bereits ab 2028 im Orbit eingesetzt werden können, eine Anlage auf der Mondoberfläche soll ab 2030 folgen. Zivile und militärische Programme sollen dabei möglichst viele Bauteile, Testanlagen und Lieferketten gemeinsam nutzen.
Der jüngste konkrete Schritt kommt vom US-Unternehmen Antares Nuclear. Das für Raumfahrtbeschaffung zuständige Office of the Assistant Secretary of the Air Force for Space Acquisition and Integration hat Antares für einen Strategic Breakthrough Award über 161 Millionen US-Dollar ausgewählt. Im Rahmen des Programms soll der Reaktor R1-S zunächst in einem nuklearen Bodentest erprobt und anschließend in ein Raumfahrzeug integriert werden, um ihn für einen späteren Flug zu qualifizieren.
Antares kann dabei auf eine Entwicklungslinie von Bodenreaktoren zurückgreifen. Nach Angaben des Unternehmens erreichte der Prototyp Mark-0 am 4. Juni 2026 im Idaho National Laboratory (INL) unter Genehmigung des U.S. Department of Energy (DOE) Kritikalität, also eine sich selbst erhaltende Kettenreaktion. Antares plant für 2027 einen mehr als sechsmonatigen Test des stromerzeugenden Mark-1 mit einem geschlossenen Stickstoff-Brayton-Kreislauf.
Die technischen Zielwerte der staatlichen Initiative zeigen, welche Größenordnung die Programme anstreben. Die National Aeronautics and Space Administration (NASA) soll für ihre zivile Entwicklung mittlere Reaktoren entwerfen, die im Orbit mindestens 20 Kilowatt elektrische Leistung für mindestens drei Jahre liefern. Für einen Einsatz auf dem Mond sind mindestens fünf Jahre vorgesehen.
Mindestens einer der NASA-Entwürfe soll später auf 100 Kilowatt elektrische Leistung erweitert werden können. Parallel verfolgt das US-Verteidigungsressort einen mittleren Weltraumreaktor für einen Einsatz bis 2031. Das DOE soll zudem prüfen, ob die amerikanische Industrie innerhalb von fünf Jahren bis zu vier solcher Reaktoren einschließlich Brennstoff und langfristig benötigter Komponenten produzieren könnte.
Wie aus den Programmunterlagen hervorgeht, ist nicht nur der Reaktorkern selbst entscheidend. Wärme muss in Strom umgewandelt und anschließend im Vakuum wieder abgeführt werden, während Abschirmung, Regelung und Startfreigabe zugleich Masse und Sicherheit begrenzen. Deshalb verlangen die Vorgaben frühzeitige Sicherheitsanalysen, Umweltprüfungen und Abstimmungen für die Startgenehmigung.
Parallel zu R1-S verfolgt die NASA bereits eine konkrete zivile Mission. Space Reactor-1 Freedom (SR-1) soll nach derzeitigem Plan Ende 2028 zum Mars starten und erstmals einen Kernspaltungsreaktor für den Antrieb eines Raumfahrzeugs jenseits der Erdumlaufbahn einsetzen. Der Reaktor liefert dabei Strom für einen elektrischen Antrieb und erzeugt den Schub nicht unmittelbar durch die Kernreaktion. Über die NASA-Pläne für Mond und Mars berichtete scinexx bereits im März 2026.
Für SR-1 nennt die NASA eine elektrische Reaktorleistung von 20 Kilowatt und einen geschlossenen Brayton-Kreislauf zur Stromumwandlung. Als Brennstoff ist HALEU vorgesehen. Das DOE hat der NASA im Juli 2026 eine bedingte Bereitstellung dieses Materials zugesagt, betont aber zugleich, dass