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30 Jahre Krankenhaus-IT: Zwischen Digitalstrategie, Epic-Debatte und Faxgerät
Die Digitalisierung im Gesundheitswesen kämpft mit Komplexität, alten Systemen und Finanzierung. Ein Blick auf Charité, Gematik und Dänemark.
Rückblick von Peter Gocke, dem Leiter der Stabsstelle Digitale Transformation bei der Charité, auf der KH-IT-Jubiläumsveranstaltung.
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Mit einem ironischen Seitenhieb auf die Architektur des deutschen Gesundheitswesens eröffnete Dr. Peter Gocke, Leiter der Stabsstelle Digitale Transformation am Berliner Universitätskrankenhaus Charité, seinen Vortrag „Charité Vision 2030“ auf der Jubiläumsveranstaltung des KH-IT-Verbandes. Getreu dem Motto, „wer eine Vision hat, soll zum Arzt gehen“, müsse „auch jemand Vision gehabt haben [...], als er angefangen hat, das zu gestalten“, so Gocke.
Die Komplexität sei erdrückend, weil die Regulierung über Bund, Länder und Selbstverwaltung laufe. Das System sei über die Jahre nur komplizierter geworden. Komplexität sei „ein deutlicher Hinderungsgrund“ für digitale Informationsverarbeitung. An der heutigen elektronischen Patientenakte (ePA) kritisierte er, dass die Nutzerführung mäßig sei und die Funktionalität oft nicht das biete, was man tatsächlich brauche.
Die Charité hat laut Gocke ab 2019 in der Stabsstelle eine eigene Digitalstrategie erarbeitet, die 2020 verabschiedet wurde und bis 2030 läuft. Derzeit werde sie überarbeitet. Sie leitet sich aus sieben Treibern ab, darunter demografischer Wandel, steigende Erkrankungshäufigkeit der alternden Bevölkerung und Fachkräftemangel. Die Babyboomer verließen jetzt den Arbeitsmarkt, fehlten daher als Personal und kämen in einigen Jahren als Patienten zurück, so Gocke.
Wie aufwendig die Anbindung an die Telematikinfrastruktur für ein Haus dieser Größe ist, schilderte Gocke am Beispiel der Konnektoren: Die Technik sei rund 20 Jahre alt und für den Praxisbetrieb konzipiert worden, nicht für Krankenhäuser. Die Hürden seien entsprechend hoch gewesen. Am Ende habe die Charité ein weiteres System einführen müssen – genau das, was er habe vermeiden wollen.
Diesen Befund teilt auch die Betreiberseite, wie Gematik-Geschäftsführer Dr. Florian Hartge auf der Tagung deutlich machte. Die Architektur stamme noch aus den 2000er-Jahren: ein geschlossenes Netz mit Konnektoren, Kartenlesegeräten und kartenbasierten Identitäten. Allein für das Einstellen eines E-Rezepts seien 17 technische Schritte nötig. Mit TI 2.0 will die Gematik diese Kette auf drei bis vier Schritte verkürzen, Hardwarekomponenten überflüssig machen und bis 2029 alle Dienste umstellen.
Zur Steuerung setzt die Charité inzwischen auf OKR (Objectives and Key Results), erprobt unter anderem über ein Mitmachportal beim TI-Messenger. Das Ergebnis ist durchwachsen. Zentrale Lehre für Gocke: Es gibt klare Anweisungen, keine Funktionen einzubauen, die prozessual nicht hingehörten, und Sparsamkeit bei Schnittstellen zu wahren. Man müsse erst aus dem Prozess denken, anstatt sofort festzulegen, was die Technik leisten soll.
Herstellerübergreifende Tests mit anderen Universitätskliniken – unter anderem Mainz und Frankfurt – verliefen erfolgreich. Der TI-Messenger ersetze nicht nur den heimlich genutzten WhatsApp-Verkehr, sondern könne auch Metadaten verarbeiten. Screenshots funktionierten allerdings nicht, weshalb Bilder anders eingebunden werden müssten. Gocke bezeichnete sich als klarer Befürworter von TI-Messenger und ePA, und warb dafür, sich stärker einzubringen: „Beteiligen Sie sich an der Gematik, die suchen Leute aus dem Feld.“