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Morgenkaffee geht mit geringerem Sterberisiko einher
Nicht nur die Menge scheint zu zählen, sondern auch die Uhrzeit: Bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Nieren-Stoffwechsel-Syndrom war Kaffee vor allem am Morgen mit einem geringeren Sterberisiko verbunden. Eine Analyse von 21.553 US-Erwachsenen und ergänzende Versuche an Mäusen sprechen dafür, dass der Zeitpunkt des Kaffeetrinkens die gesundheitlichen Zusammenhänge mitbestimmen könnte.
Jinan (China). Das kardiovaskuläre Nieren-Stoffwechsel-Syndrom, kurz CKM-Syndrom, verbindet Stoffwechselstörungen, chronische Nierenerkrankungen und Herz-Kreislauf-Probleme, die sich gegenseitig verstärken und das Risiko schwerer Folgeerkrankungen erhöhen können. Bisher war jedoch kaum untersucht, ob bei Menschen mit CKM-Syndrom auch die Tageszeit des Kaffeetrinkens mit ihrer langfristigen Gesundheit zusammenhängt.
Forscher des Qilu Hospital of Shandong University (QLH) um Prof. Hongbo Ren haben dazu Daten von 21.553 Erwachsenen mit CKM-Syndrom aus der US-Gesundheits- und Ernährungsbefragung NHANES der Jahre 1999 bis 2018 ausgewertet. Die Zeitpunkte des Kaffeekonsums wurden aus 24-Stunden-Ernährungsbefragungen abgeleitet und mit einer zweistufigen Clusteranalyse zu typischen Mustern zusammengefasst. Anschließend analysierte das Team die Sterblichkeit mit gewichteten Cox-Modellen und berücksichtigte dabei unter anderem die insgesamt getrunkene Kaffeemenge und weitere mögliche Einflussfaktoren.
Über eine mediane Nachbeobachtungszeit von 9,2 Jahren identifizierten die Wissenschaftler zwei zeitliche Kaffeetrinkmuster. Beim Morgenmuster, das 47,7 Prozent der Gesamtgruppe umfasste, konzentrierte sich der Konsum auf den Morgen. Ein späteres Tagesmuster trat bei 5,3 Prozent der Personen auf.
Während der Nachbeobachtung wurden 3.565 Todesfälle registriert. Im vollständig bereinigten Modell war das Morgenmuster mit einer niedrigeren Gesamtsterblichkeit verbunden. Die Hazard Ratio lag bei 0,79 mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,65 bis 0,97. Für die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit lag die Hazard Ratio bei 0,75 mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,50 bis 0,97.
Das spätere Trinkmuster zeigte dagegen laut Studie keinen vergleichbaren Vorteil, und auch der Zusammenhang zwischen Kaffeemenge und Gesamtsterblichkeit hing statistisch vom zeitlichen Muster ab. Höhere Kaffeemengen waren nur beim Morgenmuster mit einer niedrigeren Gesamtsterblichkeit verbunden. Der Test auf Interaktion ergab einen p-Wert von 0,035.
Damit geht es nicht nur darum, ob jemand Kaffee trinkt oder wie viel davon. Die Daten legen nahe, dass auch die Verteilung über den Tag eine Rolle spielen könnte. Sie zeigen aber zunächst nur einen statistischen Zusammenhang und keine nachgewiesene Schutzwirkung des morgendlichen Kaffeetrinkens.
Um den möglichen Zeiteffekt zusätzlich experimentell zu prüfen, untersuchte das Team ein Mausmodell des CKM-Syndroms. Tiere, die Kaffee zur morgendlichen Phase erhielten, zeigten günstigere Stoffwechsel- und Nierenfunktionswerte. Zugleich waren das kardiale Troponin T, ein Marker für Herzmuskelschäden, sowie mehrere Entzündungsmarker niedriger.
Bei einer späteren Kaffeegabe fanden die Forscher diese Vorteile nicht, wodurch die Tierdaten die Annahme eines biologisch relevanten Zeiteffekts stützen. Sie beweisen jedoch nicht, dass morgendlicher Kaffee beim Menschen die Sterblichkeit senkt, denn ein Tierexperiment kann die beobachtete langfristige Beziehung in einer menschlichen Kohorte nicht kausal erklären.
Auch die menschlichen Daten haben Grenzen, denn als Beobachtungsstudie kann die Auswertung Ursache und Wirkung nicht beweisen. Die Kaffeetrinkzeiten wurden zudem über 24-Stunden-Ernährungsbefragungen erfasst, sodass die zeitliche Einordnung auf selbst berichteten Ernährungsdaten beruht. Trotz statistischer Korrekturen bleiben nicht erfasste Einflussfaktoren möglich.