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Windenergiebranche: Milliardenpoker um Offshore-Parks
In der deutschen Nordsee wollte BP zwei riesige Windparks bauen. Doch die Arbeiten an den Projekten sind offenbar seit Monaten eingestellt. Das zeigen Recherchen von NDR, WDR und SZ.
Dass in dem modernen, weißen Bürogebäude im Überseequartier in der Hamburger Hafencity die Zukunft der deutschen Offshore-Windbranche entstehen sollte, lässt sich von außen nicht einmal erahnen. Im Schaufenster wirbt ein Immobilienmakler für seine Objekte. Ein Firmenschild der BP Offshore Wind GmbH oder seiner Nachfolgerin der Jera Nex BP sucht man vergeblich.
Vor vier Jahren im Herbst 2022 war die Situation noch eine andere. Damals verkündete der Ölkonzern BP in einer Pressemitteilung, man wolle in Hamburg ein Offshore-Wind-Büro eröffnen und suche "nach engagierten Mitarbeitern, die den Wandel mitgestalten möchten". Ein knappes Jahr später, im August 2023, bot BP fast 6,8 Milliarden Euro für zwei Flächen in der deutschen Nordsee, bekam den Zuschlag und gab den Projekten den klangvollen Namen Oceanbeat East und Oceanbeat West.
Damit hatte BP das Recht - und auch die Pflicht - erworben, Windparks mit einer Kapazität von insgesamt 4 Gigawatt zu errichten. Doch die Arbeiten an den Projekten im Hamburger Büro wurden offenbar schon vor Monaten gestoppt, das zeigen Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung (SZ). Und vieles spricht dafür, dass der Konzern sie auch nicht wieder aufnehmen wird.
Für den Ausbau der Offshore-Windkraft in Deutschland wäre das fatal. Bislang stehen vor den deutschen Küsten Windräder mit einer Kapazität von etwas mehr als 10 Gigawatt. Die Oceanbeat-Projekte würden die Kapazitäten also um 40 Prozent steigern. Und diese neue Offshore-Windkraft ist längst eingeplant: Das Windenergie-auf-See-Gesetz sieht vor, dass bis zum Jahr 2045 Windräder mit einer Kapazität von 70 Gigawatt Strom nach Deutschland liefern. Scheitern die Projekte, könnte das direkte Auswirkung auf die Strompreise für alle haben.
Nach Informationen von NDR, WDR und SZ gehen Brancheninsider davon aus, dass der Stromgroßhandelspreis pro fehlendem Gigawatt um 500 bis 600 Millionen Euro im Jahr steigen könnte. Werden die 4-GW-Projekte von Jera Nex BP nicht realisiert, könnte dies also zusätzliche Stromkosten in Höhe von 2,2 Milliarden Euro im Jahr verursachen.
Exklusiv
18.05.2026
Vor drei Jahren noch hat Total Energies Milliarden geboten, um große Windparks vor der deutschen Küste zu bauen.
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Nach außen hatte Jera Nex BP bis zuletzt kommuniziert, dass es an den Projekten festhalten wolle. Doch Bundestagsabgeordnete berichten anderes. Michael Kellner hat als parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium unter Habeck die Offshore-Wind-Auktionen begleitet und ist als Energiepolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag weiter mit dem Unternehmen im Gespräch. Kellner sagt, "Störsignale" bei diesen Projekten hätte es schon eine ganze Weile gegeben. "Was neu ist, ist, dass ich aus dem Unternehmen gehört habe, sie wollen die Projekte nicht mehr umsetzen."
Andere Bundestagsabgeordnete berichten gegenüber NDR, WDR und SZ über ähnliche Gespräche. Als Grund habe man auf die Verzögerungen im Netzausbau und die seitdem gestiegenen Kosten verwiesen. Das Unternehmen versuche mit der Bundesregierung über eine Rückgabe zu verhandeln. Bislang ist das gesetzlich nicht möglich. Kellner fordert deshalb, dass im Rahmen der aktuellen Novelle des Wind-See-Gesetzes ein Mechanismus für eine solche Rückgabe geschaffen wird.