// SCINEXX — SPAZIO & SCIENZA
Öl, Gas & Co.: Emissionen großer Fossilkonzerne wirken noch Jahrhunderte
Den Simulationen zufolge beeinflussen die historischen Emissionen großer Öl-, Gas-, Kohle- und Zementproduzenten die globale Temperatur noch über Jahrhunderte. Der ihnen zugerechnete Erwärmungsbeitrag beträgt selbst im Jahr 2500 noch mehrere Zehntel Grad. Überraschend fällt der verbleibende Effekt in einem emissionsarmen Zukunftsszenario größer aus als in einem sehr emissionsreichen.
Seattle (U.S.A.). Kohlendioxid aus fossilen Brennstoffen bleibt so lange im Klimasystem, dass ein Teil seiner Erwärmungswirkung viele Generationen überdauert. Für die Klimaforschung ist daher nicht nur entscheidend, wie stark einzelne Emittenten die bisherige Erwärmung geprägt haben, sondern auch, wie lange der ihnen zugerechnete Anteil unter unterschiedlichen künftigen Emissionspfaden bestehen bleibt.
Um diese Langzeitwirkung zu quantifizieren, haben Forscher der University of Washington (UW) um Dargan M. W. Frierson historische Emissionen aus Klimasimulationen herausgerechnet. Dazu nutzte das Team das vereinfachte Klimamodell Finite Amplitude Impulse Response (FaIR) und die Carbon-Majors-Datenbank, die Emissionen von 178 großen Öl-, Gas-, Kohle- und Zementproduzenten erfasst und dabei privatwirtschaftliche Unternehmen, Staatskonzerne und staatliche Produzenten einschließt.
Die Forscher entfernten für ihre Gegenrechnungen die den Carbon Majors zugerechneten Kohlendioxid- und Methanemissionen aus den Jahren 1854 bis 2024 aus vier etablierten sozioökonomischen Emissionspfaden, den sogenannten Shared Socioeconomic Pathways (SSP). Anschließend verglichen sie diese kontrafaktischen Modellläufe mit den jeweiligen Standardszenarien bis zum Jahr 2500. Die verwendete Modellkalibrierung umfasst 841 leicht unterschiedliche Modellläufe und bildet damit eine Bandbreite möglicher Klimareaktionen ab.
Am Ende des historischen Zeitraums ist der Unterschied am größten, denn für 2025 ergibt sich im Median ein den Carbon Majors zugerechneter Erwärmungsbeitrag von rund 0,66 Kelvin. Danach nimmt dieser Beitrag ab, verschwindet in den Simulationen aber auch nach fast fünf Jahrhunderten nicht.
Im emissionsarmen Szenario SSP1-2.6 bleiben im Jahr 2500 im Median noch 0,45 Kelvin zusätzliche Erwärmung übrig, im sehr emissionsreichen SSP5-8.5 sind es 0,31 Kelvin. Das entspricht rund 68 Prozent beziehungsweise 49 Prozent des für 2025 berechneten Effekts. Die berechneten Unsicherheitsbereiche überlappen deutlich, der Unterschied zwischen den Szenarien ist deshalb nicht als scharf getrennte Langzeitprognose zu verstehen.
Das zunächst widersprüchliche Muster entsteht durch zwei gegenläufige Prozesse, denn in einer stärker aufgeheizten Zukunft verändern Rückkopplungen des Kohlenstoffkreislaufs die Verweildauer von Kohlendioxid stärker. Dadurch kann die den historischen Emissionen zugerechnete zusätzliche CO₂-Menge im Modell länger bestehen. Gleichzeitig wächst der Strahlungsantrieb, also die zusätzliche energetische Wirkung auf das Klima, bei CO₂ mit zunehmender Konzentration nur ungefähr logarithmisch.
Eine zusätzliche Menge Kohlendioxid verändert den Strahlungsantrieb deshalb stärker, wenn die Hintergrundkonzentration vergleichsweise niedrig ist. Dieser Effekt überwiegt in den Medianwerten die stärkere CO₂-Persistenz der emissionsreichen Szenarien. Die Erwärmungswirkung der historischen Emissionen hängt dadurch nur relativ schwach vom künftigen Emissionspfad ab und fällt im emissionsarmen Szenario sogar etwas größer aus. Veränderungen beim Methan wirken in den späten Modelljahrhunderten leicht in die entgegengesetzte Richtung, bleiben für das Gesamtergebnis aber zweitrangig.
Die Autoren betonen mehrere Einschränkungen, denn in den Gegenrechnungen werden nur die Emissionen bis einschließlich 2024 entfernt. Ab 2025 laufen die Szenarien wieder mit ihren normalen Emissionen weiter, obwohl die Carbon Majors tatsächlich auch danach fossile Brennstoffe fördern. Die berechnete langfristige Klimawirkung der historischen Emissionen ist deshalb eher eine Untergrenze für den gesamt