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Apophis-Mission: Systeme der Ramses-Raumsonde erstmals eingeschaltet
Die gemeinsame ESA-JAXA-Mission Ramses hat einen wichtigen technischen Meilenstein erreicht. In Mailand wurden der Bordcomputer und mehrere bereits eingebaute Subsysteme erstmals gemeinsam mit Strom versorgt und funktional getestet. Damit beginnt die Phase der integrierten Systemtests, die wegen des feststehenden Apophis-Vorbeiflugs im April 2029 unter ungewöhnlich engem Zeitdruck steht.
Mailand (Italien). Die Raumsonde Ramses soll einen Asteroiden nicht ablenken, sondern ihn während eines seltenen natürlichen Experiments beobachten. Am 13. April 2029 zieht der rund 375 Meter große Asteroid Apophis besonders nah an der Erde vorbei. Er passiert die Erdoberfläche in etwa 32.000 Kilometern Abstand. Eine Kollision ist für mindestens die nächsten 100 Jahre ausgeschlossen.
Die starke Erdanziehung dürfte den Asteroiden während der Passage messbar beeinflussen. Ramses soll Apophis deshalb bereits vor der größten Annäherung erreichen und seine Form, Oberfläche, Rotation und Bahn vor, während und nach dem Vorbeiflug beobachten. Die Daten sollen zeigen, wie ein großer erdnaher Asteroid auf starke Gezeitenkräfte reagiert und welche Eigenschaften für eine künftige Abwehr gefährlicher Objekte entscheidend sind.
Nun hat die Mission den Übergang von einzeln geprüften Komponenten zu einem zusammenhängenden Raumfahrzeug geschafft. Im Reinraum von OHB Italia in Mailand wurden der Bordcomputer, der Massenspeicher, die Stromverteilung und mehrere Schnittstelleneinheiten im Kernmodul miteinander verbunden. Danach legten die Ingenieure erstmals gemeinsam Spannung an und schickten Befehle vom Bordcomputer an die angeschlossenen Subsysteme.
Das Team der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) um Ramses-Projektmanager Paolo Martino sieht darin den Beginn der integrierten Erprobung. Die einzelnen Geräte hatten zuvor bereits eigene Tests bestanden, nun muss sich zeigen, ob die zusammengeschalteten Systeme im Raumfahrzeug zuverlässig als Einheit funktionieren.
„Zum ersten Mal konnten wir den Bordcomputer von Ramses zusammen mit den integrierten Subsystemen im Inneren der Raumsonde mit Strom versorgen“, erklärt Ramses-Chefingenieur Ingo Gerth.
Der erfolgreiche Test bestätigt noch nicht alle Funktionen der Sonde. Er zeigt aber, dass der Bordcomputer mit den eingebauten Einheiten kommuniziert und Befehle an sie übermitteln kann. Für das Projekt ist das besonders wichtig, weil Ramses in weniger als dreieinhalb Jahren vom Vertragsabschluss zum Start gebracht werden muss.
Um den engen Zeitplan einzuhalten, entsteht Ramses parallel in zwei großen Baugruppen. Das Kernmodul mit der Elektronik wird in Mailand aufgebaut. Gleichzeitig erhält das Antriebsmodul am ArianeGroup-Standort in Lampoldshausen seine Tanks, Sensoren, Stellglieder und Verkabelung.
„Ramses ist eine Mission, die einen echten Wettlauf gegen die Zeit darstellt“, sagt Roberto Aceti, Geschäftsführer von OHB Italia.
Anfang 2027 sollen beide Teile am European Space Research and Technology Centre (ESTEC) im niederländischen Noordwijk zusammengefügt werden. Danach beginnt die Vorflugtestphase. Dazu gehören unter anderem ein zwei bis drei Wochen dauernder Betrieb im thermischen Vakuum sowie eine beschleunigte Simulation des gesamten Missionsverlaufs vom Start bis zum Missionsende.