// SPIEGEL KULTUR — MODA & SOCIETÀ
Angela Winkler: »Bei 50 hört’s eigentlich auf mit den weiblichen Rollen«
Schauspielerin Winkler: »Arschloch zu sagen« machte ihr Spaß
»Frau Winkler verlässt das Haus« heißt der neueste Film, in dem Angela Winkler, 82, mitspielt. Die Regisseurin Doris Dörrie hat das Drehbuch extra für die Hauptdarstellerin geschrieben, so stellt es Angela Winkler jedenfalls in einem Interview mit der Wochenzeitung »Die Zeit« dar. Mit ihrer Filmfigur hat Angela Winkler gemein, dass auch sie Schauspielerin ist, ansonsten habe sie ein ganz anderes Leben als sie. Aber: »Ich mag den Titel, ich finde ihn witzig.«
In »Frau Winkler verlässt das Haus«, der im Jahr 2030 angesiedelt ist, ist Titelfigur eine pflegebedürftige alte Frau. Ihre Tochter, gespielt von Laura Tonke, kann das aus beruflichen Gründen nicht mehr übernehmen. Stattdessen beaufsichtigt ein KI-Pflegeroboter Frau Winkler. Die findet das gar nicht gut, beschimpft die Maschine: »Ja, das hat mir Spaß gemacht, Arschloch zu sagen«, erzählt Angela Winkler. Was den Widerstand gegen den Pflegeroboter betreffe, sei der Film sehr realistisch.
Filmfigur Frau Winkler mit Pflegeroboter: Ganz anderes Leben
Überhaupt ist die Schauspielerin dankbar für die Rolle: »Endlich wird einmal eine alte Frau gezeigt, als Hauptfigur. Und man sieht, was für Situationen sich im Alter ergeben.« Angela Winkler klagt, wie manche Kolleginnen vor ihr auch schon, darüber, dass die Angebote mit dem Alter weniger würden: »Bei 50 hört’s eigentlich auf mit den weiblichen Rollen«, so Winkler, »vermutlich weil man denkt, sie seien für die Männerwelt nicht mehr attraktiv. Danach gibt es fast nichts mehr.«
Bei Angela Winkler, die in den Siebzigerjahren mit »Die verlorene Ehre der Katharina Blum« und »Die Blechtrommel« zu einem Star des »Neuen deutschen Films« wurde, und danach im Theater insbesondere für Rollen in Peter-Zadek-Inszenierungen gefeiert wurde, gilt die Diagnose eigentlich nicht so richtig. Sie ist auch im höheren Alter gut im Geschäft, wie sie auch einräumt: »Ja, das ist so gekommen«. Doch sie würde sich wünschen, dass mehr für ältere Frauen geschrieben würde, »so wie in Frankreich für Catherine Deneuve zum Beispiel«.
Kinostar Winkler in »Katharina Blum« (vorne links): »Das ist so gekommen«
Aber selbst wenn es noch Rollen gibt, hält das Alter Herausforderungen bereit, so Winkler: »Wenn man als Schauspielerin ein bestimmtes Alter erreicht, dann kommt so eine Scham.« Man schäme sich als Frau für blaue Flecken an den Beinen. Weil man nicht mehr gut auswendig lernen könne, schäme man sich dafür, »dass man mehr Angst hat: Kriege ich den Text hin?«
Regisseurin Dörrie und Hauptdarstellerin Winkler: »Kriege ich den Text hin?«
In dem Interview spricht Angela Winkler aber auch über einige generationstypische Probleme, die nicht nur Schauspielerinnen betreffen. So habe sie kein Internet, ihr kleines Handy nutze sie nur für Nachrichten und zum Telefonieren: »Früher habe ich alles allein gemacht, bin zum Bahnhof gegangen und habe mir meine Fahrkarte gekauft«. An sich sei sie noch fit. Aber »wenn ich heute zum Bahnhof gehe, sitze ich auf einer Wartebank und werde angeblickt wie eine Verrückte, weil ich nicht aufs Handy schaue.« Heute passiere alles per Internet: »Ohne das Netz ist man aufgeschmissen, man kommt nicht mehr durchs Leben.« Angela Winkler hat das Glück, dass ihre Kinder ihr helfen und ihre Schwiegertochter, die inzwischen ihre Agentin sei.