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Satellit hat Lavastrom fast acht Monate beobachtet
Ein Radar-Satellit hat das Wachstum eines Lavastroms am Krasheninnikov auf Kamtschatka über Monate dokumentiert. Aus 17 Aufnahmen von Dezember 2025 bis August 2026 entstand ein Zeitraffer, der zeigt, wie sich Lava aus dem nördlichen Krater ausbreitete. Die Serie demonstriert, wie regelmäßig wiederholte Radaraufnahmen entlegene Vulkane überwachen können.
Pasadena (U.S.A.). Vulkanausbrüche in entlegenen Regionen lassen sich vom Boden aus oft nur lückenhaft verfolgen. Satelliten können solche Gebiete unabhängig von örtlicher Infrastruktur erfassen. Für die Entwicklung eines Lavastroms braucht es aber nicht nur scharfe Bilder, sondern auch regelmäßige Aufnahmen desselben Ortes.
Die gemeinsame Mission der National Aeronautics and Space Administration (NASA) und der Indian Space Research Organisation (ISRO), NASA-ISRO Synthetic Aperture Radar (NISAR), liefert genau diesen Wiederholrhythmus. Der Satellit kreist in 747 Kilometern Höhe und kehrt auf aufsteigenden und absteigenden Bahnen alle zwölf Tage exakt über dieselben Regionen zurück. Dadurch liegt die mittlere Wiederholzeit für viele Landflächen bei etwa sechs Tagen.
Der Geophysiker Matthew Pritchard von der Cornell University hat die Daten analysiert, aus denen das NISAR-Team eine Folge von 17 Radaraufnahmen zusammengestellt hat. Die Serie beginnt am 25. Dezember 2025 und endet am 17. August 2026. Sie zeigt, wie Lava zunächst eine kleinere innere Caldera füllt, in einen größeren Krater übertritt und sich anschließend fächerförmig vor allem nach Osten ausbreitet.
Zusätzlich ist nordwestlich des Kraters ein weiterer Lavastrom zu erkennen. Nach Angaben des Teams ist er wahrscheinlich schon entstanden, bevor NISAR die erste Aufnahme der Serie machte. Damit bildet der Zeitraffer nicht den gesamten Ausbruch ab, sondern einen knapp acht Monate langen Ausschnitt seiner weiteren Entwicklung.
„Die Beständigkeit ist entscheidend. Zweimal alle zwölf Tage in diesem hochauflösenden Modus und aus zwei Beobachtungsrichtungen Daten zu erfassen, zeigt das Potenzial von NISAR, Naturgefahren engmaschig zu überwachen“, erklärt Matthew Pritchard.
Das verwendete Synthetic Aperture Radar (SAR) erzeugt Bilder nicht aus sichtbarem Licht, sondern aus zurückgestreuten Mikrowellensignalen. Deshalb kann es auch bei Dunkelheit und durch Wolken beobachten. In der Krasheninnikov-Serie entspricht ein Bildpunkt ungefähr einer Fläche von zehn mal zehn Metern.
Lava erscheint in den Aufnahmen heller als die Umgebung, weil sie die Radarwellen stärker zurückstreut als Schnee oder unbedeckter Boden. Für die Zeitreihe wurden Daten des L-Band-Radars verwendet. NISAR trägt zusätzlich ein S-Band-Radar, dessen kürzere Wellenlänge andere Oberflächeneigenschaften besonders gut erfasst.
Der Ausbruch selbst begann nach Angaben des Global Volcanism Program der Smithsonian Institution am 2. August 2025 mit explosiver Aktivität und Lavaförderung am nördlichen Vulkan. Drei Tage zuvor hatte ein Erdbeben der Magnitude 8,8 den nahen Ozeanboden erschüttert. Die zeitliche Nähe ist auffällig, die herangezogenen Quellen belegen aber keinen gesicherten ursächlichen Zusammenhang.
Krasheninnikov war zuvor seit ungefähr dem Jahr 1550 ohne bestätigten Ausbruch geblieben. Gerade bei einem abgelegenen Vulkan zeigt die neue Bildserie, welchen Vorteil eine regelmäßige globale Radarüberwachung bieten kann. NISAR ist dafür ausgelegt, nahezu alle Land- und Eisflächen der Erde wiederholt zu erfassen und seine Daten frei zugänglich bereitzustellen.