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Löst Vergesellschaftung das Wohnungsproblem?
Die Linke will das Wohnungsproblem in Berlin mit einem noch nie eingesetzten Mittel angehen: Der Vergesellschaftung privater Wohnbau-Konzerne. Ökonomen sprechen von Tabubruch.
Wenige Tage nach ihrem Sieg bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin legt die Linke die Grundlage für Sondierungen mit den möglichen Koalitionspartnern SPD und Grüne - und damit auch für die Umsetzung eines der Kernthemen im Wahlkampf: die Vergesellschaftung des Wohnungsbestands privater Konzerne mit mehr als 3.000 Wohneinheiten in Berlin. Das beträfe rund 240.000 Wohnungen.
"Für mich ist klar, dass in einer Regierung auch vergesellschaftet werden muss, weil es ein Mittel ist, um Spekulationen vom Mietmarkt zu verdrängen", meint Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp. Was Eralp will, sofern die angedachten Sondierungsgespräche mit Grünen und SPD gelingen, hat es in der Bundesrepublik noch nie gegeben: Vergesellschaftung - also die zwangsweise Überführung von Privateigentum in die öffentliche Hand - sieht das Grundgesetz zwar mit Zahlung einer Entschädigung vor. Umgesetzt wurde das hierzulande aber noch nie.
FAQ
23.09.2026
Die Linke will in Berlin Bestände von großen Wohnungskonzernen vergesellschaften. So ist juristische Lage.
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Die meisten Ökonomen warnen davor. "Wie die Linke es plant, ist es ein echter Tabubruch", sagt etwa Michael Voigtländer vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln gegenüber der ARD-Finanzredaktion. "Die Linke hat vor, unterhalb des Marktpreises zu kompensieren. Im Gespräch sind 40 bis 60 Prozent."
Das hieße, die betroffenen Wohnungsbaukonzerne - darunter Vonovia und die dazugehörige Deutsche Wohnen - würden mehr oder weniger nur die Hälfte dessen erhalten, was ein Verkauf der Wohnungen zum Marktpreis gebracht hätte. "Das wäre ein echter wirtschaftlicher Schaden für die Investoren. Und das hat weitreichende Folgen für den Standort", ist Voigtländer überzeugt.
Thomas Beyerle von der Hochschule Biberach meint im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion: "Durch Vergesellschaftung entstehen keine neuen Wohnungen." Wenn nicht klar sei, dass das Eigentum vor staatlichem Zugriff geschützt sei, würden Investoren abgeschreckt - und zwar nicht nur Immobilien-Investoren, warnen zahlreiche Experten.
Die deutsche Hauptstadt hat einen der umkämpftesten Wohnungsmärkte der Republik: Zwar weist der Immobilien-Dienstleister Jones Lang LaSalle im ersten Halbjahr dieses Jahres einen leichten Rückgang bei den Durchschnittsmieten in der Hauptstadt aus.
Allerdings heißt es im JLL-Wohnungsmarktüberblick: "Trotz dieser leichten kurzfristigen Korrektur weist Berlin mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von plus 8,4 Prozent über fünf Jahre die stärkste langfristige Mietentwicklung unter den Big-Eight-Städten auf."