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Haie können Geräusche aus fast 75 Metern Entfernung hören und orten
Schwarzspitzenhaie reagieren auf tieffrequente Geräusche noch aus bis zu 74 Metern Entfernung und können dabei offenbar auch die Richtung der Schallquelle bestimmen. Freilandversuche vor Florida zeigen zudem, dass die Tiere deutlich empfindlicher auf tiefe als auf höhere Frequenzen reagieren. Das liefert neue Hinweise darauf, wie Haie akustische Informationen im offenen Meer nutzen.
Boca Raton (U.S.A.). Schall kann Haien Hinweise auf Beute, Feinde und andere Tiere liefern, lange bevor diese in Sichtweite geraten. Wie weit frei schwimmende Haie Geräusche tatsächlich wahrnehmen und ob sie deren Quelle räumlich zuordnen können, ließ sich bislang allerdings nur schwer unter natürlichen Bedingungen messen.
Besonders wenig war darüber bekannt, wie Haie außerhalb des akustischen Nahfelds reagieren, wo sich mit wachsender Entfernung von einer Schallquelle die physikalischen Bedingungen der Schallausbreitung verändern. Für Haie ist das besonders interessant, weil sie keine gasgefüllte Schwimmblase besitzen, die bei vielen Knochenfischen die Wahrnehmung von Schalldruck unterstützt.
Forscher der Florida Atlantic University (FAU) um Stephen M. Kajiura haben deshalb Schwarzspitzenhaie vor der Küste von Palm Beach County mit kontrollierten Unterwassergeräuschen konfrontiert. Ein Lautsprecher trieb dabei 13 bis 19 Meter hinter einem verankerten Boot, während eine Drohne die Tiere aus 40 bis 50 Metern Höhe filmte und für jede Reaktion die Entfernung zur Schallquelle sowie die anschließende Schwimmrichtung erfasst wurden.
Das Team testete drei tieffrequente Bereiche von 100 bis 200 Hertz, 200 bis 400 Hertz und 400 bis 800 Hertz sowie ein 10-Kilohertz-Signal außerhalb des bekannten Hörbereichs von Haien als Kontrolle. Die Tiere reagierten auf alle drei tieferen Frequenzbereiche, auf das hochfrequente Kontrollsignal dagegen nie.
Die weiteste gemessene Reaktion trat bei 74 Metern Entfernung auf. Im Mittel reagierten die Haie auf die beiden niedrigeren Frequenzbereiche in rund 41 Metern Entfernung, beim Bereich von 400 bis 800 Hertz waren es 30 Meter. Nach dem Erkennen des Signals änderten die Tiere ihren Kurs abrupt und schwammen von der Quelle weg. Die beobachteten Richtungsänderungen reichten von 20 bis 160 Grad.
„Besonders interessant ist, dass die Haie auf Geräusche außerhalb des akustischen Nahfelds reagierten, wo sich Schall anders verhält als nahe an der Quelle. Das deutet darauf hin, dass sie die mit dem Schall verbundene Teilchenbewegung selbst in beträchtlicher Entfernung von der Quelle wahrnehmen, etwas, das wir bei frei schwimmenden Haien bisher nicht zeigen konnten“, sagt Stephen M. Kajiura.
Von 165 beobachteten Reaktionen auf die drei Testbereiche fanden 71,5 Prozent im akustischen Fernfeld statt, während die Haie bei höheren Frequenzen einen stärkeren Schalldruck brauchten, bevor sie reagierten. Beides passt zu früheren Befunden, nach denen Haie besonders empfindlich für tieffrequente Signale sind.
Die Richtungswechsel zeigen außerdem, dass die Tiere nicht nur einen Reiz wahrnahmen, sondern seine Position offenbar so weit eingrenzen konnten, dass sie gezielt von der Quelle wegschwammen. Die Versuche sollten bewusst eine Fluchtreaktion auslösen und untersuchten daher nicht, ob natürliche Geräusche in ähnlicher Entfernung anziehend oder abschreckend wirken.
Ein Vorteil der Untersuchung war, dass die Tiere frei im Meer schwammen, denn in Becken überlagern Reflexionen an Wänden und Boden die ursprünglichen Schallwellen und erschweren es, die tatsächliche Wahrnehmung der Tiere zu bestimmen.