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Chinas geheimer Raumgleiter „Shenlong“ hat einen Satelliten zweimal eingefangen
Fangen, loslassen, wieder einfangen: Chinas geheimer Raumgleiter hat nach einer neuen Auswertung von Bahndaten offenbar denselben kleinen Satelliten zweimal ausgesetzt und wieder aufgenommen. Die Manöver zeigen, wie präzise das als Shenlong bekannte Raumfahrzeug andere Objekte im Orbit ansteuern kann. Wofür China diese Fähigkeit erprobt, bleibt jedoch offen.
Jiuquan (China). Raumfahrzeuge, die andere Satelliten gezielt ansteuern, können im Orbit Inspektionen, Reparaturen oder Servicemanöver übernehmen. Dieselben Fähigkeiten sind aber auch militärisch interessant. Chinas weitgehend geheim gehaltener Raumgleiter hat nun offenbar gezeigt, dass er einen kleinen Begleitsatelliten wiederholt aussetzen, verfolgen und erneut an Bord nehmen kann.
China hat sein Raumfahrtprogramm in den vergangenen Jahren stark ausgebaut, veröffentlicht zum Raumgleiter selbst jedoch nur wenige Details. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete am 7. Februar 2026 den Start eines „wiederverwendbaren experimentellen Raumfahrzeugs“ mit einer Langer-Marsch-2F-Rakete vom Weltraumbahnhof Jiuquan. Das Gefährt solle Technologien für wiederverwendbare Raumfahrzeuge erproben und der friedlichen Nutzung des Weltraums dienen. In westlichen Berichten wird der Raumgleiter meist Shenlong genannt.
Die neue Rekonstruktion stützt sich auf öffentlich verfügbare Bahndaten der US Space Force. Der Astrophysiker Jonathan McDowell verfolgt das chinesische Raumfahrtprogramm seit Jahren und ordnet die katalogisierten Objekte in seinem Jonathan’s Space Report ein. Demnach setzte der Raumgleiter am 21. Juni einen kleinen Satelliten mit der Kennung 2026-024H aus. LeoLabs entdeckte das zunächst unbekannte Objekt am folgenden Tag nahe dem Raumgleiter und bewertete eine Freisetzung durch das chinesische Gefährt als sehr wahrscheinlich.
In den folgenden Wochen änderte der kleine Satellit mehrfach seine Bahn. McDowell zufolge näherte er sich dem Raumgleiter bis auf weniger als einen Kilometer und scheint um den 12. Juli wieder eingefangen worden zu sein. Öffentlich zugängliche Trackingdaten zeigten das Objekt danach über Wochen nicht mehr als eigenständig fliegenden Satelliten.
Anfang September wurde die Lage erneut rätselhaft. Die US Space Force katalogisierte ein weiteres Objekt mit der Kennung 2026-024J. McDowell hielt zunächst sowohl einen zweiten Subsatelliten als auch eine erneute Freisetzung desselben Objekts für möglich. Nach seiner am 23. September aktualisierten Rekonstruktion spricht die Bahnfolge dafür, dass derselbe Satellit erneut ausgesetzt wurde, sich mehrere tausend Kilometer entfernte und bis zum 13. September ein zweites Mal an den Raumgleiter zurückkehrte. Eine direkte Aufnahme dieses Einfangens gibt es nicht.
Solche Rendezvous- und Annäherungsoperationen werden in der Raumfahrt als Rendezvous and Proximity Operations, kurz RPO, bezeichnet. Dabei müssen zwei unabhängig fliegende Objekte ihre Bahnen so aufeinander abstimmen, dass ihre Relativbewegung klein genug für eine kontrollierte Annäherung wird. Wer ein Objekt anschließend tatsächlich wieder aufnehmen will, benötigt zusätzlich eine Form von mechanischem Einfang oder Andocken.
Genau welche Technik Shenlong dafür nutzt, ist nicht öffentlich bekannt. Berichte über einen Roboterarm sind bislang nicht offiziell bestätigt. Klar ist nur, dass ähnliche Manöver schon bei früheren Flügen beobachtet wurden. Bei der zweiten Mission von 2022 bis 2023 näherte sich der Raumgleiter nach Auswertung von LeoLabs einem ausgesetzten Objekt wieder an. Auch während des dritten Flugs 2023 und 2024 tauchten mehrere Begleitobjekte auf.
Die nun beobachtete Wiederholung wäre deshalb besonders aufschlussreich. Ein einmaliges Rendezvous kann ein begrenzter Test sein. Ein zweifaches Aussetzen und erneutes Einfangen desselben Satelliten würde dagegen darauf hindeuten, dass China den Ablauf gezielt wiederholen und über größere Distanzen steuern kann. Das wäre eine wichtige Voraussetzung für künftige Wartungs-, Inspektions- oder Tr