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Kann Handynutzung die Schwangerschaft beeinflussen?
Ob häufige Handynutzung während der Schwangerschaft dem ungeborenen Kind schadet, ist bislang nicht eindeutig geklärt. Eine neue systematische Übersicht über 20 Studien findet die konsistentesten Hinweise bei Veränderungen der fetalen und neonatalen Herzfunktion sowie bei einem erhöhten Risiko für Frühgeburten. Die Autoren betonen jedoch, dass die Befunde widersprüchlich sind und methodische Schwächen feste Schlussfolgerungen verhindern.
New York (U.S.A.). Mobiltelefone gehören für viele Menschen zum Alltag und senden dabei hochfrequente elektromagnetische Felder, sogenannte RF-EMF, aus. Anders als Röntgen- oder Gammastrahlung ist diese Strahlung nicht ionisierend und besitzt nicht genug Energie, um chemische Bindungen direkt zu brechen. Offen ist jedoch, ob lang andauernde oder intensive Nutzung während einer Schwangerschaft andere biologische Prozesse beeinflussen kann.
Die bisherige Forschung liefert darauf kein einheitliches Bild. Studien unterscheiden sich unter anderem darin, wie sie Handynutzung erfassen, welche Exposition sie tatsächlich abbilden und welche Schwangerschafts- oder Neugeborenenmerkmale sie untersuchen. Damit ist auch schwer zu trennen, ob beobachtete Zusammenhänge auf RF-EMF, das Nutzungsverhalten oder andere Faktoren zurückgehen.
Forscher der Columbia University um Prof. Ka Kahe haben deshalb die vorhandene Humanforschung systematisch zusammengetragen. Sie durchsuchten PubMed, Web of Science und Google Scholar und nahmen 20 Studien auf, die vorab festgelegte Einschlusskriterien erfüllten. Im Mittelpunkt standen Häufigkeit und Dauer der mütterlichen Handynutzung sowie mögliche Zusammenhänge mit dem Verlauf der Schwangerschaft und der Entwicklung des Fetus.
Mehrere der ausgewerteten Arbeiten fanden keinen signifikanten gesundheitlichen Nachteil, während andere Zusammenhänge mit ungünstigen Schwangerschaftsausgängen berichteten. Am konsistentesten waren Hinweise auf Veränderungen der fetalen oder neonatalen Herzfunktion sowie auf ein erhöhtes Frühgeburtsrisiko, doch die Übersicht bündelt damit nur Hinweise und belegt keine Ursache.
„Die vorhandenen Studien zur Handynutzung und zu ungünstigen Schwangerschaftsausgängen sind begrenzt und oft widersprüchlich“, erklärt Norman J. Kleiman von der Columbia University.
Ein zentrales Problem ist die Messung der tatsächlichen Exposition. Wer ein Mobiltelefon lange nutzt, ist nicht automatisch in gleichem Maß RF-EMF ausgesetzt, denn Telefonate, Textnachrichten und andere Anwendungen unterscheiden sich in Abstand, Dauer und technischen Bedingungen. Hinzu kommen WLAN-Netze und Mobilfunkmasten als weitere mögliche Quellen elektromagnetischer Felder.
Außerdem kann intensive Handynutzung mit Verhaltensweisen zusammenhängen, die selbst für die Schwangerschaft relevant sind. In der offiziellen Studienmitteilung verweisen die Autoren etwa auf einen möglichen Zusammenhang zwischen längerer Handynutzung und mehr sitzender Zeit. Solche Begleitfaktoren können beobachtete Effekte mitverursachen oder einen scheinbaren Zusammenhang erzeugen.
„Bemerkenswert ist, dass die Handynutzung eher als Stellvertreter für einen sitzenden Lebensstil dienen könnte, statt ausschließlich die Strahlenexposition widerzuspiegeln“, erklärt Norman J. Kleiman.
Als mögliche Erklärung diskutiert die Übersicht thermische und nicht-thermische Effekte von RF-EMF. Hochfrequente Felder können Gewebe erwärmen, während frühere Arbeiten auch Veränderungen bei Zellkommunikation, Membranfunktionen und biochemischen Prozessen untersucht haben. Aus solchen Befunden lässt sich jedoch nicht ableiten, dass diese Mechanismen die in Schwangerschaftsstudien beobachteten Zusammenhänge tatsächlich verursachen.