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Rente nach 45 Beitragsjahren - sinnvoll oder ungerecht?
Die Debatte über die Rentenreform wird hoch emotional geführt. Der Blick auf die Zahlen macht aber klar: Irgendetwas muss passieren. Denn das deutsche Rentensystem steht unter Druck.
"Sie ist trotz ihres hohen Alters noch sehr rüstig und hilft regelmäßig im Haushalt", erklärt der Reporter in leicht bewunderndem Ton. Es geht um eine hundertjährige Frau aus Berlin-Wilmersdorf, die gerade beschwingt mit dem Bürgermeister auf ihren Geburtstag anstößt. 1963 war das einen Fernsehbericht wert. Heute gibt es in Deutschland etwa 17.000 Hundertjährige.
Die Menschen werden immer älter: 1960 bekamen die Deutschen ihre Rente durchschnittlich für 9,9 Jahre. 2025 lag der Durchschnitt schon bei 20,7 Jahren. Eigentlich eine tolle Entwicklung, für die Rentenversicherung aber eine Herausforderung. Denn die funktioniert im Umlageverfahren: Das Geld von denen, die arbeiten und einzahlen, wird direkt wieder ausgeschüttet an diejenigen, die Rente bekommen.
Die längere Lebenszeit vergrößert aber die Zahl der Rentner. Weil auch weniger Kinder geboren werden als damals, müssen immer weniger Beitragszahler für immer mehr Rentner zahlen: 1960 kamen auf einen Rentner 3,79 Beitragszahler. Aktuell sind es noch etwa 2,1. 2045 könnten es 1,7 sein, schätzt die Rentenversicherung.
Eine Rentenkommission hat sich deshalb Anfang des Jahres im Auftrag der Bundesregierung Gedanken gemacht, wie man das Rentensystem besser aufstellen könnte. Sie schlägt unter anderem vor, das Renteneintrittsalter regelmäßig leicht anzuheben - um etwa ein halbes Jahr alle zehn Jahre. Grob überschlagen würde dann 2051 ein Renteneintrittsalter von 68 gelten und ab 2091 könnte man erst mit 70 Jahren in Rente gehen.
Die Kommission will zudem zusätzliche Einzahler für die gesetzliche Rente gewinnen: Selbstständige und Abgeordnete sollen einzahlen müssen, perspektivisch auch Beamte. Darüber hinaus soll eine Kapitalrente als ein zusätzliches Standbein der gesetzlichen Rente eingeführt werden: Ein kleiner Teil der Rentenbeiträge von Arbeitnehmern soll am Aktienmarkt investiert werden.
FAQ
23.06.2026
Die Bundesregierung will die Vorschläge der Rentenkommission komplett umsetzen. Was kommt auf die Menschen zu?
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Das soll am Ende höhere Renten für alle möglich machen. Schon in den 2040er- oder 2050er-Jahren könnten die Renten höher ausfallen, als wenn das gleiche Geld nur in das Umlagesystem fließe, erklärt Kommissionsmitglied Peter Bofinger, Volkswirtschaftsprofessor an der Uni Würzburg.
"Der Aufbau der Kapitalrente ist aber ambitioniert und führt dazu, dass die Beiträge zur Rentenversicherung steigen", so Bofinger. Das sei nur dann verkraftbar, wenn man an anderer Stelle Einsparungen im Rentensystem vornehme. Die Kommission schlägt unter anderem vor, die sogenannte Rente mit 63, also die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren, abzuschaffen.