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Aus zwei australischen Stabschrecken-Arten werden fünf
Versteckte Vielfalt: Eine Revision australischer Stabschrecken ordnet die Gattung Anchiale grundlegend neu. Statt zwei bislang unterschiedener Arten erkennt das Team nun fünf, darunter Anchiale robusta und Anchiale mabiensis als neue Arten. Museumssammlungen, DNA-Daten und mehr als 1.000 Bürgerbeobachtungen halfen, die lange Verwechslung aufzudecken.
Sydney (Australien). Stabschrecken sind Meister der Tarnung, doch ihre Ähnlichkeit mit Zweigen und Blättern erschwert nicht nur Fressfeinden die Suche. Auch für Taxonomen kann die große Farb- und Größenvielfalt innerhalb einer Art dazu führen, dass verwandte Formen jahrzehntelang falsch zusammengefasst werden. Bei der australischen Gattung Anchiale war genau das der Fall.
Die bisherige Einordnung unterschied dort zwei Arten, doch Forscher der University of Sydney um Dr. Braxton R. Jones haben die Gruppe nun neu untersucht und kommen auf fünf. Dafür kombinierten sie Körpermerkmale aus Museums- und Feldfunden mit genetischen Daten und einer ungewöhnlich breiten Sammlung von Beobachtungen aus der Bevölkerung.
Für die morphologische Analyse vermass das Team 35 Exemplare, während in die genetische Untersuchung 32 Anchiale-Tiere sowie 37 Vergleichsexemplare außerhalb der Gattung eingingen. Dazu kamen rund 1.100 Beobachtungen von iNaturalist und dem Atlas of Living Australia (ALA), Literaturangaben sowie Material aus großen Museums- und Privatsammlungen. Die DNA-Analysen nutzten einen mitochondrialen Erbgutabschnitt namens COXI und umfassten vier der fünf nun anerkannten australischen Arten.
Das Ergebnis ordnet die Gattung in Australien neu: Anchiale robusta und Anchiale mabiensis werden als neue Arten beschrieben, Anchiale albopunctata wird wieder als eigene Art anerkannt. Der bisher separat geführte Name Anchiale austrotessulata wird dagegen Anchiale briareus zugerechnet, während Anchiale spinicollis als fünfte australische Art bestehen bleibt und ein neuer Bestimmungsschlüssel die Trennung der Tiere und ihrer Eier erleichtern soll.
Besonders auffällig ist Anchiale robusta, denn die große Stabschrecke war Wissenschaftlern und Insektenfreunden seit Jahrzehnten bekannt, wurde aber einer anderen Art zugerechnet. Die neue Revision stützt ihre Abgrenzung mit Körpermerkmalen, DNA-Daten, Sammlungsstücken und Fundmeldungen. Ihr bekanntes Verbreitungsgebiet reicht im tropischen Queensland ungefähr von Tully bis nördlich von Cooktown und damit über rund 450 Kilometer.
Anchiale mabiensis ist dagegen bislang nur aus einem kleinen Gebiet im Nordosten Queenslands bekannt, darunter die Atherton Tablelands und Babinda. Auch ihre Eier lieferten ein ungewöhnliches Merkmal: Am Deckel, dem Operculum, sitzen innere Ringe. Solche Ringe dokumentiert die Studie erstmals bei Stabschrecken und sogar bei verwandten orthopteroiden Insektenordnungen, zu denen etwa Heuschrecken gehören.
Die Neuordnung ist nicht nur eine Frage korrekter Namen, denn Anchiale briareus kann in sehr hohen Bestandsdichten auftreten und dann Blätter von Bäumen abfressen. Wenn bisher zusammengefasste Tiere tatsächlich unterschiedlichen Arten angehören, wird es für künftige Untersuchungen und ein mögliches Management solcher Ausbrüche wichtig, die Arten zuverlässig auseinanderzuhalten.
Zugleich zeigt die Revision, wie unvollständig selbst häufig beobachtete Insektengruppen erfasst sein können. Die Autoren nennen außerdem eine Form von der Kap-York-Halbinsel, die möglicherweise eine weitere, noch unbeschriebene Art darstellt. Für eine formale Beschreibung reichen die vorhandenen Exemplare bislang nicht aus.
„Diese Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, bedrohte Ökosysteme zu schützen und Australiens außergewöhnliche Artenvielfalt zu dokumentieren, bevor wir Arten verlieren, ohne sie überhaupt entdeckt zu haben“, sagt Dr. Braxton Jones.