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Weniger Umwege im Netz: Telekom und Cloudflare wollen Latenzen senken
Deutsche Telekom und Cloudflare rücken im Netz näher zusammen: Beide Unternehmen wollen ihre Infrastrukturen direkt miteinander verbinden. Damit könnten Daten künftig mit weniger Zwischenstationen übertragen werden – ein Thema, das bei Telekom-Kunden in der Vergangenheit immer wieder für Diskussionen sorgte.
Die Deutsche Telekom und Cloudflare haben eine strategische Partnerschaft angekündigt, die neben gemeinsamen Angeboten für Unternehmenskunden auch eine direkte technische Verbindung der beiden Netzwerke vorsieht. Nach Angaben der Unternehmen soll die Zusammenschaltung eine hohe Ende-zu-Ende-Netzqualität sowie eine bessere Ausfallsicherheit ermöglichen.
Wie genau die Verbindung technisch und kommerziell umgesetzt wird, geht aus der Ankündigung allerdings nicht hervor. Insbesondere sprechen Telekom und Cloudflare nicht ausdrücklich von einem klassischen beziehungsweise abrechnungsfreien Peering. Ebenso bleibt offen, an welchen Standorten die beiden Netze miteinander verbunden werden und ob sämtlicher Internetverkehr zwischen beiden Unternehmen über die neuen Verbindungen laufen soll.
Das Prinzip hinter einer solchen Zusammenschaltung hat die Redaktion erst vor wenigen Tagen im Bericht „Knotenpunkt des Internets: Was im DE-CIX mit unseren Daten passiert“ ausführlicher betrachtet. Das Internet besteht nicht aus einem einzigen Netz, sondern aus Zehntausenden eigenständigen Netzwerken, die Daten untereinander austauschen müssen. Dafür können sie beispielsweise Internetknoten wie den DE-CIX, Transitprovider oder direkte Verbindungen zwischen zwei Netzen nutzen.
Eine direkte Zusammenschaltung kann Zwischenstationen vermeiden und damit unter anderem die Latenz und die Abhängigkeit von Transitprovidern reduzieren. Genau darauf zielt auch die jetzige Kooperation ab: Telekom und Cloudflare sprechen von einer direkten Verbindung ihrer Netzwerke und versprechen sich davon eine höhere Qualität und Resilienz.
Interessant ist die Vereinbarung auch mit Blick auf die Vorgeschichte. Cloudflare hatte sich bereits 2023 in einem ausführlichen Beitrag kritisch über die Zusammenschaltung mit großen europäischen Telekommunikationsanbietern geäußert. Der Anbieter warb darin für direktes und abrechnungsfreies Peering und erklärte, dass Kunden großer europäischer Netzbetreiber Cloudflare-Dienste teilweise über Transitnetzwerke von Drittanbietern erreichen müssten.
Als Beispiel führte Cloudflare damals auch Überlastungen im Umfeld der Deutschen Telekom an. Der Datenverkehr zwischen Cloudflare und Telekom-Netzen sei teilweise über Transitprovider gelaufen, deren Verbindungen zu Stoßzeiten an ihre Grenzen geraten seien. Direkte Verbindungen seien aus Sicht Cloudflares schneller und zuverlässiger.
Auch im ComputerBase-Forum war die Verbindung zwischen Telekom und Cloudflare in diesem Jahr schon Thema. Anfang Februar berichteten mehrere Telekom-Kunden von hohen Latenzen und teilweise nur schwer erreichbaren Diensten hinter Cloudflare. Einige Nutzer meldeten zugleich, dass die betroffenen Angebote über eine VPN-Verbindung wieder normal erreichbar gewesen seien. Eine solche Beobachtung kann auf Probleme entlang einer bestimmten Route hindeuten, belegt für sich genommen jedoch nicht deren genaue Ursache.
Ob die jetzt angekündigte direkte Zusammenschaltung solche Probleme für Privatkunden grundsätzlich beseitigt, lässt sich aus der Mitteilung nicht ableiten. Die Partnerschaft wird von beiden Unternehmen in erster Linie als Infrastruktur- und Sicherheitskooperation für europäische Geschäftskunden beschrieben.
Die direkte Netzverbindung bildet dabei nur einen Teil der Zusammenarbeit. Die Deutsche Telekom nimmt zugleich Sicherheits- und Konnektivitätslösungen von Cloudflare in ihr Unternehmensportfolio auf. T-Systems soll Beratung, Integration und Managed Services übernehmen. Telekom-Mitarbeiter sollen zudem für die Cloudflare-Plattform geschult und zertifiziert werden.