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Gescheiterte Hinrichtung: Verurteilte überlebt zwei Giftspritzen
Vor 30 Jahren wurde Christa Pike in den USA wegen Mordes zum Tode verurteilt. Nun sollte die Hinrichtung vollzogen werden. Doch erst gab es ein juristisches Tauziehen und dann überlebte die Verurteilte zwei Giftspritzen.
Gerichtliches Tauziehen und Komplikationen bei der Vollstreckung haben die erste Hinrichtung einer Frau seit mehr als 200 Jahren im US-Bundesstaat Tennessee begleitet. Die wegen Mordes verurteilte Christa Pike lebte laut Darstellung ihrer Verteidiger auch noch nach der Verabreichung zweier Giftspritzen. "Um 20:26 Uhr berichteten Zeugen der Hinrichtung, dass die Vollstrecker beide Spritzen mit den tödlichen Chemikalien injiziert hätten und Pike noch am Leben sei und schnarche", heißt es in einem Gerichtsdokument.
Auch nach Angaben des Richters Kyle Hixson habe der Staat die 50-Jährige zunächst nicht für tot erklärt. Die Justizvollzugsbehörde habe die medizinische Notfallversorgung und ihren Transport in ein Krankenhaus angeordnet, teilte Hixson den Anwälten aller Beteiligten in einer Telefonkonferenz mit.
Die Gefängnisbehörde betonte in einer Stellungnahme, alle Schritte des rechtlich vorgeschriebenen und genehmigten Ablaufplans seien eingehalten worden. Die für die Giftspritze verwendete Substanz sei in der Vergangenheit stets wirksam gewesen.
Pike war 1996 für den Mord an einer 19-jährigen Bekannten zum Tode verurteilt worden. Sie selbst war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt. 1995 hatten drei Teenager das Opfer in einem abgelegenen Gebiet nahe der University of Tennessee in Knoxville gefoltert und getötet.
Pike war nach Angaben der offiziellen Webseite der Regierung von Tennessee die einzige Frau, die derzeit im Todestrakt des Bundesstaates im Südosten der USA eine Strafe verbüßte. Laut der Forschungseinrichtung Cornell Center on the Death Penalty Worldwide ist sie auch die erste Frau seit 1819, die in Tennessee überhaupt hingerichtet werden sollte.
Der Gouverneur des Bundesstaates Tennessee, Bill Lee, ordnete eine unabhängige Untersuchung an. Die Vollstreckung eines rechtmäßig verhängten Urteils gehöre zu den schwerwiegendsten Aufgaben des Staates. Die Bürger Tennessees erwarteten, dass sie nicht nur rechtmäßig und verfassungsgemäß, sondern auch wirksam erfolge, sagte der Gouverneur. Er setzte zudem die für dieses Jahr geplanten Hinrichtungen in seinem Staat aus. Ein Experte für die Todesstrafe bezeichnete den Vorfall als beispielloses Versagen.
Der Vollstreckung am Mittwochabend (Ortszeit) war ein juristisches Tauziehen vorausgegangen. Zunächst war die Hinrichtung per Giftspritze kurz vor dem Vollzug gestoppt worden. Dann gab der Supreme Court, das Oberste Gericht, einem Eilantrag der für die Gefängnisse zuständigen Behörde des Bundesstaates statt und setzte damit den von einer unteren Instanz verhängten Vollstreckungsstopp außer Kraft.
Im US-Bundesstaat Alabama soll heute ein verurteilter Mörder hingerichtet werden.
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Die drei liberalen Richterinnen am Supreme Court hatten die Mehrheitsentscheidung des Gerichts kritisiert. In ihrer abweichenden Meinung argumentierte Sonia Sotomayor, die Entscheidung ebne dem Bundesstaat den Weg, Pike hinzurichten, bevor die Zweifel an der Rechtmäßigkeit des vorherigen Verfahrens ordnungsgemäß geprüft werden könnten. Die Richterinnen Elena Kagan und Ketanji Brown Jackson schlossen sich dem an.