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„Absoluter Scheiß“: EU-Mitarbeiter wettern gegen Teams-Alternative
Mehr Unabhängigkeit von Microsoft trifft in der EU-Kommission auf wenig Begeisterung: Einige Mitarbeiter kritisieren die im Sommer eingeführte Teams-Alternative Element Pro scharf. Die Software soll als zusätzliche Absicherung dienen, stößt intern aber auf Zweifel an ihrem Nutzen.
Digitale Souveränität klingt nach einem großen politischen Ziel. Im Arbeitsalltag der EU-Kommission fällt das Urteil über eines der dafür vorgesehenen Werkzeuge deutlich weniger diplomatisch aus. Wie Politico berichtet und ORF zusammenfasst, bezeichnet ein Mitarbeiter Element Pro als „absoluten Scheiß“. Ein anderer sieht keinen Mehrwert.
Die Kritik stammt aus einem internen Forum, das Politico einsehen konnte. Dort wird die Alternative allerdings auch verteidigt: Ein Mitarbeiter verweist auf die größere Kontrolle über die eigenen Nachrichten. Bei Teams müsse man dagegen darauf vertrauen, dass Microsoft nicht mitlese. Das ist die Einschätzung des Mitarbeiters, kein Beleg für einen tatsächlichen Zugriff des Konzerns.
Element Pro wurde im Sommer als zusätzliche Alternative und Backup-Lösung eingeführt. Einen abgeschlossener Wechsel weg von Teams hat bisher nicht stattgefunden. Ebenso wenig lässt sich aus den zitierten Einzelstimmen ableiten, wie die gesamte Belegschaft das Werkzeug bewertet.
Element basiert auf dem offenen Kommunikationsstandard Matrix. Er ermöglicht den Austausch zwischen getrennten Servern und unterschiedlichen kompatiblen Anwendungen. Organisationen können die Infrastruktur selbst betreiben und behalten dadurch mehr Kontrolle über ihre Kommunikation. Anders als bei einer geschlossenen Plattform soll ein Wechsel des Anbieters möglich bleiben, ohne zugleich das gesamte Kommunikationssystem austauschen zu müssen.
Die Pro-Ausführung richtet sich insbesondere an Behörden und andere öffentliche Einrichtungen. Sie ergänzt die Anwendungen unter anderem um Funktionen zur zentralen Bereitstellung auf Mobilgeräten und zur Verwaltung von Chaträumen mit Gruppen und Zugriffsrechten.
Element-Chef Matthew Hodgson verweist gegenüber Politico auf die Schwierigkeiten eines Softwarewechsels. Veränderungen seien schmerzhaft, gerade beim Umstieg von einem häufig genutzten Programm wie Teams. Die Kritik stellt damit auch die Frage, wie gut sich der Anspruch auf digitale Unabhängigkeit mit den Erwartungen im Arbeitsalltag vereinbaren lässt.
Für die Bewertung der Software reicht der Unmut allein allerdings nicht aus: Aus den wiedergegebenen Beschwerden geht nicht hervor, welche konkreten Funktionen Probleme bereiten. Ob technische Mängel oder die Umgewöhnung den Ausschlag geben, bleibt damit offen.