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Schimpansen stehlen seltener Futter von ihren Freunden
Enge soziale Bindungen beeinflussen bei Schimpansen offenbar nicht nur Hilfe und Futterteilung, sondern auch eigennützige Entscheidungen, wie ein Experiment mit Ananas zeigt. Die Menschenaffen nahmen befreundeten Gruppenmitgliedern seltener Futter weg als weniger eng verbundenen Artgenossen, und auch ihre emotionalen Reaktionen auf den Diebstahl hingen von der Beziehung zum Gegenüber ab.
Berkeley (U.S.A.). Schimpansen bilden langfristige soziale Bindungen und behandeln vertraute Partner in vielen Situationen bevorzugt. Freunde pflegen sich häufiger, helfen einander öfter und teilen eher Nahrung, doch bisher war weniger klar, ob enge Beziehungen die Tiere auch davon abhalten, auf Kosten des Partners einen Vorteil zu nutzen.
Forscher der University of California, Berkeley (UC Berkeley) haben nun untersucht, wie Freundschaft das Wegnehmen von Futter und die Reaktionen darauf beeinflusst. Dafür beobachtete das Team zunächst 26 Schimpansen im Ngamba Island Chimpanzee Sanctuary in Uganda mehr als 800 Stunden lang und bestimmte anhand von Fellpflege, räumlicher Nähe und weiteren Alltagsinteraktionen jeweils enge und weniger enge Sozialpartner.
Im Versuch saß ein Tier vor drei mit Ananas bestückten Tabletts, während ein zweiter Schimpanse in einem benachbarten Raum über ein Seil das Futter wegziehen und zu sich bewegen konnte. Vor den eigentlichen Tests hatten alle Tiere die Vorrichtung ohne Gegenüber erprobt und dabei die Belohnung an sich gezogen.
Jedes Opfer durchlief die Aufgabe sowohl mit einem Freund als auch mit einem Nichtfreund, wobei Geschlecht und Rang der Partner soweit möglich abgeglichen wurden. Insgesamt umfasste die Untersuchung 138 Versuchsdurchgänge, in denen die Tiere bei Nichtfreunden in 70 Prozent und bei Freunden in 61 Prozent der Fälle zugriffen. Höher rangierende Opfer verloren ihr Futter ebenfalls seltener, doch der Zusammenhang mit Freundschaft blieb laut Auswertung auch unter Berücksichtigung des Rangs bestehen.
„Unsere Studie ist die erste, die zeigt, dass sie in der Lage sind, antisoziales Verhalten gegenüber ihren Freunden zurückzuhalten“, sagt Oded Ritov von der University of California, Berkeley (UC Berkeley).
Das Team analysierte außerdem sichtbare und hörbare Anzeichen negativer Erregung, darunter Stampfen, Faustschläge und Schreie. Wurde ein Schimpanse von einem Freund bestohlen, reagierte er anfangs stärker negativ und schwächte diese Reaktion über die weiteren Durchgänge ab, während sie bei Nichtfreunden vergleichsweise stabiler blieb.
„Dies deutet darauf hin, dass es bei Schimpansen auf beiden Seiten der Freundschaft gegenseitige Erwartungen geben könnte, wodurch diese Beziehungen den komplexen Freundschaften ähneln, die wir bei Menschen sehen“, sagt Oded Ritov.
Auch die Tiere, die das Futter an sich nahmen, verhielten sich je nach Beziehung unterschiedlich. Bei Diebstählen von Nichtfreunden zeigten sie länger negative emotionale Signale als bei Freunden, besonders deutlich bei Schreien, was die Autoren als Hinweis auf konfliktreichere oder feindseligere Interaktionen deuten.
„Wir erwarten mehr von unseren Freunden“, sagt Jan M. Engelmann von der University of California, Berkeley (UC Berkeley).