// TAGESSCHAU WIRTSCHAFT — FINANZA
Job-Einstieg mit Problemen: Wie KI den Arbeitsmarkt verändert
Junge Menschen haben zunehmend Probleme, Einstiegsjobs zu finden. Ein Grund: Künstliche Intelligenz übernimmt immer mehr Tätigkeiten für Unternehmen. Nur wie soll dann der Karrierestart gelingen?
Pünktlich um 10.00 Uhr betritt Angelina Pietrzyk den Career Service der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. So nennt sich an der Hochschule der Ort, an dem Studierende Unterstützung rund um den Einstieg in die Arbeitswelt bekommen. Die 22-Jährige studiert Wirtschaftspsychologie im Bachelor und hat den Wunsch, später in die freie Wirtschaft zu gehen.
Derzeit sucht sie nach einem Praktikumsplatz in einer Unternehmensberatung oder Wirtschaftsprüfungsgesellschaft – bislang erfolglos, trotz etwa 30 Bewerbungen. "Der Frust ist auf jeden Fall immens, weil ich auf ein Praktikum angewiesen bin", erzählt sie.
Seit 16 Jahren arbeitet Magdalena Palka in der Karriereberatung der Mainzer Universität. Gespräche dieser Art häufen sich derzeit. "Studierende kommen jetzt mit einer besorgteren Haltung, als das vor ein paar Jahren der Fall war", erzählt Palka. Viele junge Akademiker seien verunsichert und machten sich Sorgen um ihren Berufseinstieg.
"Sie sehen ja auch, dass es weniger Stellenangebote in bestimmten Bereichen gibt, weil diese Stellen durch KI ersetzt werden", berichtet Palka, die den Career Service leitet. Zudem würden Unternehmen spürbar weniger Marketing an den Unis betreiben, um Absolventen für sich zu gewinnen.
Dadurch gestaltete es sich für Studenten wie Angelina Pietrzyk sehr mühsam, erste Schritte ins Berufsleben zu machen. "Das wird mir wirklich verwehrt derzeit, erste Erfahrungen zu sammeln", sagt sie. Genau diese aber brauche sie dringend, gerade auch im eigenen Umgang mit Künstlicher Intelligenz. "Im Studium hast du nur theoretische Erfahrungen", so Pietrzyk.
In Zeiten von Künstlicher Intelligenz suchen junge Menschen nach zukunftssicheren Jobs.
mehr
Laut einer Umfrage des Kienbaum Instituts für die Wirtschaftswoche planen 35 Prozent von mehr als 1.000 Personalverantwortlichen, aufgrund von KI bis 2030 weniger Berufseinsteiger einzustellen. Auch die Zahl arbeitsloser Akademiker unter 30 Jahren hat sich seit 2022 fast verdoppelt, von durchschnittlich 23.000 Menschen auf 45.000 im Jahr 2025 - ein Plus von 96 Prozent.
"Vor einigen Jahren hatten wir in Deutschland noch zwei Millionen offene Stellen", ordnet Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ein. "Man konnte sich den Job im Grunde aussuchen, besonders Berufseinsteiger." Die Arbeitsmarktsituation habe sich über wenige Jahre deutlich verschlechtert.
"Wir haben keine großen Entlassungswellen, aber wir schaffen sehr wenig neue Jobs", erläutert der Arbeitsmarktforscher. Er bezeichnet das Ganze als "Erneuerungskrise". Diese mache jungen Menschen, die in Beruf einsteigen wollten, das Leben schwer. KI sei verantwortlich für große Umbrüche und die Veränderung von Tätigkeiten in Unternehmen.